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Wohnen | News

Studentischer Wohnungsmarkt: Studenten zahlen im Schnitt 389 Euro Miete

Albert Linner

Level: Für Alle

Die Preise am studentischen Wohnungsmarkt in Deutschland haben erneut Rekordniveau erreicht. Besonders in einer Stadt ist die Lage angespannt.

Neue Rekorde für Mieten – in deutschen Großstädten ist das schon lange nichts Neues mehr. Doch für Studierende ist die Wohnsituation derzeit besonders angespannt. Zum Wintersemester 2019/2020 ist die Suche nach einer geeigneten Wohnungen noch einmal deutlich schwerer geworden als im vergangenen Jahr. Das geht aus einer Studie des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) in Kooperation mit dem Immobilienportal "WG-Gesucht" hervor. Am angespanntesten ist die Lage für Studenten in Hamburg.

Die Miete für Studenten erhöhte sich über alle 98 untersuchten Standorten hinweg im Schnitt von 363 auf 389 Euro. Das entspricht einem Plus von sieben Prozent. In beliebten Universitätsstädten sind sogar Preissteigerungen von mehr als zehn Prozent zu beobachten. So müssen Frankfurter Studenten in diesem Wintersemester im Schnitt rund 530 Euro monatlich berappen, 2018 waren es "nur" 480 Euro.

Studentischer Wohnungsmarkt: Berlin und München beliebt

In Berlin stieg die Monatsmiete im vergangenen Jahr durchschnittlich von 420 Euro auf 480 Euro. Auch in München – ohnehin schon auf Rang eins der teuersten Uni-Städte – müssen Studierende 2019 mit 650 Euro 50 Euro mehr zahlen als noch 2018.

"Einen solch deutlichen Aufwärtstrend bei den Kosten hätten wir nicht erwartet", sagt Stefan Brauckmann, Direktor des MMI. Die hohen Preise kämen zustande, weil diese Städte bei jungen Menschen besonders beliebt seien und außerdem die Nachfrage auch von anderen Wohnungssuchenden groß ist.

Studierende, die üblicherweise nach einer Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnung suchten, konkurrierten hier mit Business-Reisenden, ausländischen Arbeitskräften, Touristen und Menschen mit Zweitwohnsitz.

Anspannung am studentischen Wohnungsmarkt sinkt leicht

Seit sieben Jahren entwickelt das MMI neben einem allgemeinen Ranking den sogenannten Anspannungs-Index für den studentischen Wohnungsmarkt. Bei diesem ist auf Gesamtdeutschland gesehen in diesem Jahr zwar ein leichter Rückgang von 37,9 auf 37,6 Punkte festzustellen. Das liege jedoch besonders daran, dass sich die Situation in weniger begehrten Studienorten entspannt habe, so die Analyse.

Anspannungs-Index

  • Scoring-Rang
  • Stadt
  • Punkte
  • Vorjahr
  • 1
  • Hamburg
  • 79,0
  • 76,0
  • 2
  • München
  • 76,0
  • 79,0
  • 3
  • Stuttgart
  • 76,0
  • 76,0
  • 4
  • Frankfurt am Main
  • 75,5
  • 73,5
  • 5
  • Berlin
  • 69,0
  • 67,0
  • 6
  • Köln
  • 69,0
  • 73,0
  • 7
  • Freiburg im Breisgau
  • 67,5
  • 64,5
  • 8
  • Tübingen, Rottenburg (Neckar)
  • 64,5
  • 65,5
  • 9
  • Darmstadt
  • 64,5
  • 66,5
  • 10
  • Konstanz
  • 62,0
  • 61,0

Anspannungs-Index für den studentischen Wohnungsmarkt

In den 25 beliebtesten Studienorten hingegen habe sich die Lage noch einmal deutlich verschärft. Der höchste Anspannungsfaktor ist 2019 für Hamburg zu verzeichnen. In den vergangenen Jahren hatte die Spitzenposition München inne. Doch die MMI-Experten beziehen in ihre Analyse auch künftige Entwicklungen mit ein.

Der im Juli an die Universität Hamburg verliehene Exzellenz-Status wird nach Meinung der Experten hier noch seine Wirkung zeigen, da besonders internationale Studenten sich an diesem Status orientieren und die Nachfrage nach Wohnungen in die Höhe treiben werden. Die beiden Münchner Universitäten haben den Exzellenz-Status schon seit mehreren Jahren.

München weiter am teuersten

Für die Universität Bonn erwartet die Studie einen ähnlichen Attraktivitätszuwachs. Der Einfluss des Exzellenz-Status auf die Wohnsituation sei schon seit Jahren zu beobachten. Das MMI erwartet dagegen eine Entspannung auf dem studentischen Wohnmarkt in Köln. Im Rheinland hatte die Uni den Exzellenz-Status in diesem Jahr verloren.

Nichtsdestotrotz bleibt München mit 650 Euro für ein WG-Zimmer bundesdeutscher Spitzenreiter. Demgegenüber stehen die günstigsten deutschen Standorte Freiberg und Mittweida mit 210 Euro.

Auch das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat kürzlich die Kosten für Studentenwohnungen verglichen. Demnach sind die Mieten im vergangenen Jahr besonders in Frankfurt am Main, Darmstadt, Berlin, Konstanz und München gestiegen. Das IW verglich auch die Preise für eine studentische Musterwohnung mit Einbauküche, Baujahr 1995, 30 Quadratmeter und einer Entfernung von 1,5 Kilometern zur Uni. In München müssen Studenten hierfür ganze 717 Euro warm berappen, danach folgen Stuttgart mit 542 Euro und Frankfurt am Main mit 505 Euro.

Mehr Wohnraum für Studierende

Die drei günstigsten Städte sind Bochum (287 Euro), Leipzig (278 Euro) und Magdeburg (251 Euro). Die IW-Forscher begrüßen zwar die Anhebung des Bafögs. Das reiche jedoch nicht aus, um die erhöhten Mieten zahlen zu können. Besondere Sorge haben die Forscher, weil die Dynamik noch einmal zugelegt habe, also die Mieten für Studentenwohnungen noch einmal schneller gestiegen sind als in den Jahren zuvor.

Die Experten von MMI und IW plädieren dafür, mehr studentischen Wohnraum zu schaffen – besonders in den beliebten Metropolen. Auf der anderen Seite sei es auch ein Mittel, die Hochschulstandorte etwa in Ostdeutschland zu stärken, um mehr Studierende für diese Städte zu gewinnen. Somit würden nicht nur die Metropolen entlastet – für diese Standorte könnten sich so verstärkt Perspektiven bieten.

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