Beim Kfw Award Bauen 2020 in der Kategorie Bestand prämiertes Haus in Stuttgart.
© KfW-Bildarchiv/Claus Morgenstern

Modernisieren | Homestory

"KfW-Award Bauen 2020" geht an zwei Stuttgarter Baufamilien

Redaktion

Seit 17 Jahren sucht die KfW Bankengruppe herausragende Bauprojekte und zeichnet die besten mit dem "KfW Award Bauen" aus. Wir stellen euch die Sieger 2020 in der Kategorie "Bestand" vor.

Zwei junge Stuttgarter Familien krempelten mit viel Elan einen abbruchreifen Altbau um und machten aus drei dunklen Wohnungen zwei offene Haushälften voller Licht. Damit errangen sie den ersten Preis in der Kategorie Bestand beim KfW Award Bauen 2020.

200 Tonnen Schutt und viel Einsatz

Das Haus war, untypisch für die sonst begehrten Stuttgarter Halbhöhenlagen, ein Ladenhüter. Von Gestrüpp zugewuchert, stand es jahrelang leer. "Wir konnten noch nicht einmal hingehen, so verwildert war der Hang", erzählt Maria Frey. Mit Theresa Roth, einer Spielplatzbekanntschaft, war sie schon länger auf der Suche nach einer größeren Bleibe für ihre Familien. Mit Mitte dreißig wohnten sie zur Miete ohne Garten, und jede hatte zwei kleine Kinder. Jetzt taten sie sich zusammen und weckten das alte Haus auf.

200 Tonnen Schutt trugen die Familien den Hang hinab. Jeder half mit, auch die Kinder. "Das macht man nur einmal im Leben", meint Philippe Frey, Marias Mann. Ganze Wände, die Schlackefüllung der Decken, alles musste heraus. Öffnungen wurden versetzt oder vergrößert. Am Ende stand das Haus auf einem Wald aus provisorischen Stützen. Der Garten, so stellte sich heraus, war ein alter Weinberg mit Mauern und Treppen. "Alles war schon da. Wir mussten es nur freilegen", schwärmt Maria Frey.

Eiche Natur und alter Besenstrichputz

Als Architekten hatten die Freys gerade ihr eigenes Büro gegründet, "unten" in der Stadt, zu Fuß nur fünf Minuten von hier. Wohnhäuser, schlicht und hell, sind ihre Kernkompetenz. Für sich selbst machten sie aus zuvor drei Wohnungen im Haus zwei Hälften, eine zum Tal, die andere zum Berg orientiert.

Die neue Trennwand trägt die Treppen, die aus massivem Holz sind und fast wie eine Skulptur wirken. Unten im Erdgeschoss wird offen gewohnt, die Kinderzimmer liegen in der Mitte, und oben unterm alten Dachgebälk schlafen die Eltern. Rings ums Haus gibt es Terrassen und Decks, mal sonnig, mal im Schatten erhalten gebliebener alter Bäume.

Die beiden Hälften sind im Grundriss weitgehend gleich, nur eben gespiegelt. Und in der Materialwahl gibt es feine Unterschiede: Bei Freys gibt es zum Beispiel Fließestrich, bei Roths Parkett. Eiche, sogar an den Fenstern naturbelassen, steht in beiden Einheiten im Kontrast zu weißem Putz, der außen wie früher mit dem Besen bearbeitet wurde. "Es sollte nicht wie ein Neubau aussehen", erläutern die Architekten. Das Dach ist deshalb wie bei den Nachbarhäusern aus der Gründerzeit auch mit roten Biberschwanzziegeln gedeckt, die Solaranlage unauffällig integriert. Gemeinsam betreiben die Bauherren eine Gasbrennwerttherme.

Ausbaureserven inklusive

Im Sockel gibt es noch Reserven. Das ist auch gut so, denn, kaum war der Umbau fertig, wurden beide Frauen nochmals schwanger, und aus Familien mit jeweils zwei Kindern wurden Familien mit jeweils drei Kindern. Zu Corona-Zeiten sind alle froh über diesen friedlichen Ort und helfen einander: "Wir sind gerade wie ein großer Haushalt." Die Kids flitzen fröhlich durch den großen Wiesengarten und haben ein Baumhaus am oberen Ende des Hangs, selbst gezimmert. Von dort geht der Blick über die Dächer des Stadtteils Heslach. Stuttgart sei wie ein großes Dorf, heißt es ja. Hier stimmt das vollkommen.

Das Projekt in Stichworten

  • Projekt: Umbau eines Mehrfamilienhauses zu einem Doppelhaus
  • Lage: Witthohstaffel 10/12, 70199 Stuttgart
  • Baujahr: 1938/2018
  • Bauherren: Familien Frey und Roth
  • Architekten und Energieberater: Frey Architekten, Stuttgart
  • Wohnfläche: 270 Quadratmeter
  • Grundstück: 990 Quadratmeter
  • Baukosten/Quadratmeter: 1.950 Euro
  • Qualitäten für die Bewohner: Stadtnahes, familiengerechtes Wohnen mit Garten
  • Qualitäten für die Gesellschaft: Freilegen und Beleben eines historischen Haustyps, kein Flächenverbrauch
  • Energiesparen: Wiederverwendung alter Bausubstanz, natürliche Materialien
  • KfW-Förderung: Sanierung EBS, KfW 100
  • KfW-Standard: Effizienzhaus 100

Video: Das Projekt in allen Bau- und Planungsphasen

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Dieser Artikel erschien zuerst auf der Webseite der Kreditanstalt für Wiederaufbau unter kfw.de/stories.

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