Kleine Farbenlehre: 10 Tipps für die richtige Farbwahl
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Kleine Farbenlehre

Farbe ist nicht gleich Farbe – da gibt es schon einige feine Unterschiede. Wohnglück beantwortet die 10 wichtigsten Fragen zu Lacken und Wandfarben

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10 Fragen & Antworten zum Thema Farben und Lacke

1 Sind teure Wandfarben generell besser als billige?

Tendenziell ja, aber nicht immer. Manchmal sind gute Farben auch günstig zu haben, weil Hersteller ihre Produkte unter verschiedenen Namen und zu unterschiedlichen Preisen verkaufen. Das ist für den Laien aber leider nicht zu erkennen. 

2 Nach welchen Kriterien wird die Qualität beurteilt? Was sind die Unterschiede?

Erstens: die Deckkraft. Sie wird in Klassen von 1 bis 4 eingeteilt. Klasse 1 hat das beste Deckvermögen. Beim Verarbeiten zeigt sich das daran, dass man mit Produkten geringerer Deckkraftklasse mehrmals streichen muss.
Zweitens: die Nassabriebbeständigkeit. Sie ist in fünf Klassen aufgeteilt. Bei Klasse 1 färbt der getrocknete Anstrich nicht ab, Farben der Klasse 2 sind scheuerbeständig und besonders strapazierfähig, eignen sich also für stärker beanspruchte Räume wie Kinderzimmer, Flur und Küche. Für normal beanspruchte Räume sind Farben der Klasse 3 gerade noch ausreichend.
Ein Unterschied entsteht durch die Dichte und Art der Farbpigmente in den Wandfarben. Das ist weniger für die Deckkraft entscheidend als für die Art, wie die gestrichene Wand Tages- und Kunstlicht bricht oder reflektiert. 

3 Welche Lacke sind zum Streichen von Fenstern geeignet?

Das ist weniger eine Frage der Basis – gute Fensterlacke gibt es sowohl lösemittel- als auch wasserbasiert – als mehr der „Blockfestigkeit“. Damit bezeichnen Fachleute die Eigenschaft eines Lacks, nach 24 Stunden Trocknung nicht an einer anderen Lackfläche festzukleben. Was bei Fenstern und Türen natürlich von entscheidender Bedeutung ist. Wichtig ist auch, dass der Lack nicht zu schnell verwittert. Zudem sollte er dampfdurchlässig sein, damit das Holz darunter nicht aufquillt. 

4 Wie viel Farbe brauche ich?

Im Schnitt reichen je nach Produkt zehn Liter Wandfarbe für 60 bis 80 Quadratmeter Fläche. Bei deutlich höheren Angaben ist laut Stiftung Warentest Skepsis angebracht.

5 Wie stark sind Wandfarben mit Schadstoffen belastet? Wie lange halten sich Farben und Lacke eigentlich?

Die Schadstoffbelastung ist erfreulich gering. Das ergaben Tests von Ökotest und Stiftung Warentest. Die strengen Prüfer befanden, dass Heimwerker sich über gute bis sehr gute Umwelt- und Gesundheits­eigenschaften freuen können.
Bei der Haltbarkeit gilt: werden Farben kühl, aber frostfrei gelagert, sind sie ungeöffnet etwa zwei Jahre haltbar, geöffnet etwa ein Jahr. Sind Wandfarben und Acryllacke überlagert, riecht man das: Sie stinken faulig. Kunstharzlacke werden mit der Zeit zähflüssig.

6 Wann brauche ich eine Grundierung? Und sollte ich für ein besseres Ergebnis auf jeden Fall zweimal streichen?

Wenn der Untergrund porös ist, sandet oder stark saugt. Die Grundierung verhindert, dass der Anstrich streifig wird oder sich Putz löst. Das Saugverhalten prüfen Sie mithilfe eines feuchten Schwammes, der auf die Wand gedrückt wird. Zieht das Wasser schnell ein, ist eine Grundierung erforderlich. Klebeband, kräftig aufgepresst, entlarvt eine poröse und sandende Wand, weil beim Abziehen Teile oder Farbreste abgelöst werden. Nicht beschichtete Wände müssen vor Anstrich immer grundiert werden.
Ein zweiter Anstrich ist nicht nötig, er kann die Wirkung sogar verschlechtern, weil die Farbe womöglich verschmiert und weniger gleichmäßig aussieht. Mit gut deckenden Farben brauchen Sie in der Regel nur einmal zu streichen

7 Was bedeutet „wasserbasiert“? Und Sind wasserbasierte Lacke so belastbar wie Kunstharzlacke?

Bei einem wasserbasierten Lack, den wir auch als Acryllack kennen, sind die Bestandteile des Lacks (z. B. Farbpigmente und Bindemittel) in Wasser verteilt und nicht in Lösemittel. Deswegen können sie auch mit Wasser verdünnt werden. Sie riechen deutlich weniger und trocknen schneller. Beim Lackieren werden zudem weniger Schadstoffe freigesetzt als von Kunstharzlacken, aber per se schadstofffrei sind sie nicht.
Wasserbasierte Lacke sind zwar genauso witterungs- und UV-beständig wie Kunstharzlacke, bilden aber nicht so harte und kratzfeste Oberflächen.

8 Sind Naturharzlacke besser für Gesundheit und Umwelt als Kunstharzlacke?

Nicht automatisch. Weil Inhaltsstoffe natürlicher Herkunft sind, müssen sie deswegen nicht gesundheitlich unbedenklich sein. So können aus Zitrusschalen gewonnene Lösemittel ebenso Beschwerden verursachen. Ebenso können Schwermetalle enthalten sein. Hier sollte man auf Gütesiegel wie „natureplus“ achten. Was in Tests deutlich wurde: Naturharzlacke vergilben wesentlich schneller und sind zudem anfälliger für Flecken von Kaffee, Tee oder Rotwein.

9 Brauche ich für Lackfarben unterschiedliche Werkzeuge?

Ja. Für Acryllacke eignen sich Pinsel mit einer Mischung aus Naturhaar- und synthetischen Borsten. Pinsel mit reiner Naturborste können dagegen nur für Kunstharzlacke benutzt werden, das Wasser in Acryllacken würde die Borsten aufquellen lassen und instabil machen. Einen guten Pinsel erkennt man daran, dass die Borsten möglichst gleich lang sind. Auch die Dicke ist ein Qualitätsmerkmal. Dicke Pinsel nehmen mehr Farbe auf und müssen daher seltener in den Lack getaucht werden. So geht’s schneller. Fürs Lackieren größerer Flächen werden häufig Rollen benutzt. Damit keine „Orangenhaut“ entsteht, sollte man für Kunstharzlacke Schaumwalzen mit sehr feinen Poren nutzen, für Acryllacke beflockte Walzen oder Filzroller mit kurzem Flor.

10 Welche Fassadenfarbe beugt Algenbefall vor?

Grüne Schlieren, die sich nach einigen Jahren auf der Fassade zeigen, sind für viele Hausbesitzer ein großes Ärgernis. Besonders mit Wärmedämmverbundsystemen beschichtete Hauswände in Nordostrichtung sind dafür anfällig. Das Phänomen wird begünstigt durch die Nähe von Bäumen. Algenbefall ist die Ursache und ein Fassaden­anstrich unvermeidbar. Aber wie lässt sich verhindern, dass die Mikroorganismen schon bald wieder ihre Spuren hinterlassen?
Komplett unterbinden kann man es in den meisten Fällen nicht, zumindest aber deutlich verzögern. Dafür eignen sich Fassadenfarben mit Bio­ziden, die das Algenwachstum mit diesem Gift bekämpfen. Bei sachgemäßer Verarbeitung durch den Fachmann entsteht dadurch keine Gesundheitsgefahr. Alternativen: hochwertige Silikonharzfarben, die eine wasserabweisende Oberfläche bilden.