Boden & Wände

Fliesen: der neue Trendstoff

Geht nicht, gibt's nicht. Die Fliese von heute ist längst mehr als ein reiner Funktionsbelag. Aktuelle Modelle gibt es in allen Formen und Farben, manche ahmen sogar natürliche Strukturen täuschend echt nach

Foto: Bärwolf

Ob Himmelbett, Häkeldecke oder handbemalte Vase – Individualität steht heute beim Einrichten an erster Stelle. Kein Wunder, suchen doch immer mehr Menschen im Authentischen, Echten einen Gegenpol zur Konsumkultur. Die Flie­sen-hersteller haben das längst erkannt und bieten in Sachen Design eine nie gekannte Vielfalt – hier findet jeder seine Fliese passend zur Wohnungseinrichtung. Tuchmatte Oberflächen kontrastieren mit glamourösen Haptiken, florale Romantik steht im Wettbewerb zu konstruktiver Grafik. Etliche Hersteller besinnen sich im Zuge des aktuellen Retrotrends auf ihre Geschichte und entlocken ihren Archiven traditionelle Muster. Historische Kacheldekore feiern ein Comeback – in zeitgemäßem Look, versteht sich. Aber auch das just wiederentdeckte Mid-Century-Design (1940 bis 1960) wird aktuell interpretiert. Zurückhaltende Pastelle wie Lindgrün, Elfenbein und Rosé bestimmen die Farbwelt.

Stark glänzend, mit leicht unregelmäßigen Ecken, bringt das Querformat Leben an die Wand. Foto: Marazzi

Großfomatiger Standard
Vintage heißt das Schlagwort. Und was nicht alt ist, bekommt den Shabby Chic eben nachträglich, wird also mit vermeintlichen Gebrauchsspuren veredelt. Aufsehenerregende Dekore werden besser sparsam dosiert, sprich auf nur einer Wand platziert, höchstens auf zweien, und auf dem Boden nur als Intarsie, Einleger oder keramischer Teppich. Mehr verträgt ein Raum nicht. Viele Hersteller bieten übrigens passend zu den Dekoren unifarbene Grundfliesen für den Rest des Zimmers.
Große Räume vertragen ausdrucksstarke Muster, kleinere werden davon leicht erschlagen. Zurückhaltende Dekore in hellen Farben eignen sich hier besser. Und wem für solche Art Dekoration der Mut fehlt, der lässt den Fliesenleger mit Mosaiken oder kleinformatigen Einlegern spielen.
Einen Hauch Glamour bringen zarte Reliefs, feine Ornamente und florale Mus-ter auf die Fliese. Sie wirken zerbrechlich wie kostbares Tischporzellan, sind aber tatsächlich zeitgemäß robust. Wandkera­mik betört immer häufiger mit edlem Schimmer. Changierende Effekte, goldener Glanz oder Glitzer setzen Akzente. Wer es dezenter mag, greift auf die nicht minder angesagte Matt-Glanz-Optik oder Ton-in-Ton-Dekore zurück. Hier wirkt die Oberfläche je nach Lichteinfall ein wenig anders, bleibt aber harmonisch.
Von Architekten längst ob ihrer einzigartigen Raumwirkung geschätzt, haben sich XXL-Fliesen inzwischen von der Avantgarde zu echten Dauerbrennern entwickelt. Das Format 60 x 60 Zentimeter zählt schon fast zum Standard. 

Eine Kristallglasur verleiht dem ­geometrischen Fliesendekor die besondere Tiefenoptik. Foto: Marazzi

Das vermeintliche Mauerwerk besteht aus Keramikriegeln in verwitterter Ziegeloptik. Foto: Bärwolf

Querformate auf dem Vormarsch
Auch Kantenlängen von 1,20 Meter sind im Handel erhältlich. Das opulente Format verlangt nach großen Räumen, unterstreicht dort aber wie kein zweites die Weite derselbigen. Da weniger Fugen das Auge stören als bei seinen kleineren Kollegen, wirkt die Fläche klar und harmonisch – wie aus einem Guss. Das gilt übrigens auch für großformatige Keramik in kleinen Räumen.
Neben stattlichen Quadraten stehen aktuell große rechteckige Formate hoch im Kurs. Ohnehin scheinen die Querformate gerade auf dem Vormarsch zu sein, versprechen sie doch Dynamik an Wand und Boden, ohne gleich wild zu wirken. Angesagt sind die Extreme – groß, schmal oder winzig. Schlanke Riemchen zum Beispiel in den Maßen 15 x 60 Zentimeter erzeugen eine spannende Stäbchenoptik.

Geeignet für Ecken und Nischen
Die aktuellen Riegelformate machen ganz neue Muster möglich. Ob klassisch im Fugenschnitt verlegt, im versetzten Verband oder in Fischgrätoptik, die Querformate bieten eine bislang nicht gekannte Vielfalt. Und sie können Raumproportionen optisch verbessern. Vertikal verlegte Wandfliesen strecken niedrige Zimmer. Horizontal geflieste Wände betonen dagegen die Breite, lassen hohe Räume niedriger erscheinen und weiten die Fläche optisch.
Und die Minis unter ihnen sind dazu noch praktisch, meistern sie doch das Fliesen schwieriger Raumsituationen wie Ecken, Vorsprünge oder Nischen mit Leichtigkeit. Das können selbstredend auch andere Trendsetter – Mosaike. Bis zu 10 x 10 Millimeter messen die kleinen Steinchen mit dem gigantischen Gestaltungspotential – ideal für ganz individuelles Wand- und Bodendesign.

Perfekt nachgeahmte Oberflächen
Der omnipräsente Naturtrend macht auch vor der Keramik nicht halt. Allen voran Feinsteinzeug in Natursteinoptik. Dank innovativer Fertigungsprozesse lassen sich Marmor, Granit, Sandstein & Co. nahezu perfekt imitieren – inklusive ihrer Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche. Polieren oder entsprechende Glasuren sorgen für den gewünschten Glanz. Die Farbskala keramischer Pigmente trifft den richtigen Ton. Die Fliesen werden teils 
unterschiedlich, sprich als regelrechte Unikate gefertigt.
Der Vorteil neben der Ersparnis auf dem Bankkonto: Feinsteinzeug verbindet die edle Optik von Naturstein mit den Vorzügen von Keramik. Es ist robust und widerstandsfähig, teils frostsicher und im Vergleich zu seinen natürlichen Vorbil­dern leicht zu reinigen. Auch unter Um­weltaspekten gilt es als echte Alternative. Schließlich gehen die natürlichen Vorkom­men einiger Natursteine bedenklich zur Neige. Ihre einzigartige Flächenwirkung spielt diese Fliese vor allem in großen Räumen und im angesagten XXL-Format aus.

Dieses Intarsienparkett gibt sich robust, ist aber tatsächlich aus Feinsteinzeug. Foto: Villeroy & Boch

Holz aus Keramik
Die modernen Fertigungstechnologien machen Keramik eben zu einer bildschönen Kopie. Übrigens nicht nur von Stein. Auch Holz kann sie täuschend echt vorgaukeln. Fliesen in der natürlichen Optik einen das Beste beider Bodenbeläge – die warme Ausstrahlung von Holz und den hohen Nutzungskomfort des Steinzeugs. Klar, dass sie just verstärkt Wohnräume, Küchen und Bäder erobern. Wie ihr Vorbild aus dem Forst gibt die Keramik Maserungen, Farben, kleine Einschlüsse, sogar den angesagten Used-Effekt wieder. Kombiniert mit den fühlbaren Holzstrukturen, zaubert sie im Nu ein wohliges Flair in die Zimmer.

Übergang von innen nach außen
Auch die Formate spielen hier mit: Als lange Diele verlegt, sorgt das Feinsteinzeug für Landhausflair. Schlanke Riegelformate lassen sich analog klassischer Parkettmuster wie Fischgrät oder Schiffsboden anordnen. Dabei ist die Fliese deutlich robuster als das Original aus der Natur: Vergossenen Rotwein, Fettspritzer beim Kochen oder Tropfen vom Nagellackentferner im Bad steckt sie einfach weg.
Und das keramische Holz kann nicht brennen, Glut von Kaminfeuer oder Zigaretten richten also keinen Schaden an. Pfennigabsätze und Stühlerücken hinterlassen auf dem stoß- und kratzfesten Belag ebenso wenig Spuren wie das Rutscheauto des Nachwuchses. Als frostsichere Ausgabe bringt er Wohnlichkeit in den Wintergarten und auf die Terrasse. Hier bietet das keramische Bodenkleid in Holzoptik sogar einen nahtlosen Übergang von draußen nach drinnen an.

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