Wohngesunde Farben: Worauf Sie beim Streichen achten sollten
Umbau | Ausbau

Wohngesunde Farben: Worauf Sie beim Streichen achten sollten

Mit Wandfarben hat fast jeder mal zu tun. Klasse, dass die Produkte immer besser und gesünder werden. Aufpassen sollte man trotzdem

Foto: ©Kittiphan/stock.adobe.com

Besonders in Schlaf- und Kinderzimmern sollten nur gesundheitlich geprüfte Produkte zum Einsatz kommen Foto: Alpina

Mal rasch das Kinderzimmer neu streichen oder gleich das ganze Haus von innen: Tapezieren und Wände sowie Decken verschönern gehören zu den häufigsten Eigenleistungen. Kein Wunder, denn die Arbeit mit Rolle und Pinsel bringt schnell ein neues positives Wohngefühl in die vier Wände. Einen großen Beitrag dazu leisten die Hersteller, die die Verarbeitung ihrer Farben auch für Laien stark vereinfacht haben. Zum Beispiel indem sie die Scheuerbeständigkeit und die Deckkraft stetig verbessert und die Tropfneigung verringert haben. 

Keine Schadstoffe emittieren

Doch Farben müssen nicht nur gut aussehen, sie sollen auch keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Schließlich bedecken Wandfarben sehr große Flächen eines Raumes. Wenn ein Produkt Schadstoffe emittiert, wirken diese direkt auf unseren Körper ein. „Besonders sensibel sind Schwangere, Babys und Kleinkinder, Allergiker sowie ältere Menschen“, betont Claudia Porath, Architektin (M. A.), Baubiologin und Sachverständige, die beim Sentinel Haus Institut als Expertin für gesünderes Bauen viele Bauprojekte begleitet. „Denn die Luft, die wir atmen, ist unser wichtigstes Lebensmittel. Da sollte für einen gesünderen Lebensraum alles stimmen“, so Porath.

Die Luft, die wir atmen, ist unser wichtigstes Lebensmittel

Am besten ohne Konservierungsstoffe

In den letzten Jahren wurden gesundheitsschädliche Lösemittel in Innenwandfarben reduziert oder sogar komplett weggelassen. Eventuell verbliebene Schadstoffe konnte man mit gutem Lüften bereits nach kurzer Zeit wieder aus dem Raum entfernen. Problematisch sind nach wie vor Konservierungsstoffe. Sie sollen dafür sorgen, dass Dispersionsfarben auch nach längerer Lagerung nicht vergammeln. Eingesetzt werden dafür üblicherweise Formaldehyd und/oder Isothiazolinone, deren drei Typen MIT, BIT und CIT ein mehr oder weniger hohes al-
lergenes Potential haben. Nachdem vermehrt Menschen auf diese Stoffe allergisch reagieren, wurden die Grenzwerte heruntergesetzt. Doch es geht auch ganz ohne solche Zusätze: Neue Rezepturen und Verbesserungen in der Herstellung machen Dispersionswandfarben ohne Konservierungsstoffe möglich. 

Die Grenzwerte, unterhalb derer eine Farbe als frei von Konservierungsmitteln bezeichnet werden darf, sind mittlerweile in Richtlinien festgelegt. Trotzdem muss man auf das Kleingedruckte achten. Denn solange alte Zertifikate wie der noch bis Ende 2018 vergebene „Blaue Engel“ Gültigkeit haben,  sind diese Stoffe erlaubt. Voraussichtlich erst ab 2020 gilt für alle mit dem Umweltzeichen versehenen Farben ein Verbot.

Farben gestalten Räume, sollten aber die Gesundheit nicht belasten. Geprüft emissionsarme Produkte helfen dabei Foto: Caparol

Viele Wandfarben ­kommen heute schon ohne Lösemittel und Allergie auslösende Konservierungsstoffe aus Foto: Caparol

Zu empfehlen: Silikat- und Kalkfarben

Silikat- und Kalkfarben brauchen von Natur aus keine Konservierungsmittel. Sie lassen darüber hinaus Feuchtigkeit aus der Raumluft besonders gut passieren und reduzieren dank ihrer hohen Alkalität die Gefahr von Schimmelbefall an problematischen Oberflächen. An stark betroffenen Stellen, zum Beispiel Wärmebrücken in Zimmerecken oder an Fens­terlaibungen, sind sie aber auf Dauer überfordert, da die Alkalität mit der Zeit abnimmt. In solchen Fällen sollte man die Ursache beseitigen, zum Beispiel durch eine Wärmedämmung. 

Es gibt auch Silikatfarben, die durch Photokatalyse aktiv Gerüche sowie flüchtige organische Verbindungen (VOC) schneller abbauen. Auslöser ist Titandioxid, das die chemische Reaktion im Zusammenspiel mit Tageslicht in Gang bringt. Neu entwickelte Produkte funktionieren nach Herstellerangaben auch bei künstlichem Licht.

Bis es so schön aussieht, braucht es mehr als Farbe. Auch Silikon und anderes sollte gesundheitlich geprüft sein Foto: Alpina

Beim Arbeiten mit Mineralfarben muss man die Sicherheitshinweise der Hersteller beachten und zum Beispiel Augen und Haut sowie empfindliche Materialien schützen. Eventuell ist beim Streichen dieser Produkte auf Gipskartonplatten, Gipsputzen und Altanstrichen mit Dispersionsfarben zusätzlich eine Grundierung nötig. Da sind normale Dispersionsfarben für den Heimwerker einfacher zu verarbeiten. 

Nicht nur die Farbe überprüfen

Wichtig: Farbe kommt selten allein zum Einsatz. Denn häufig braucht es zusätzlich Fugenfüllstoffe oder andere Hilfsmittel. Gerade hier liegt der Teufel im Detail, und Schadstoffe aus diesen Produkten können die gute Luft im Kinderzimmer oder Schlafzimmer dauerhaft negativ beeinflussen. Die guten gesundheitlichen Eigenschaften einer Farbe werden so wieder zunichtegemacht. Es kommt, wie immer beim gesünderen Bauen und Wohnen, also auf das Gesamtpaket an. 

Leser fragen, Experten antworten

Zur Übersicht aller Fragen
Aktuelle Produktneuheiten & Informationen
Ihr Ratgeber rund ums Eigenheim

Entdecken Sie unser Wohnglück-Magazin

Ob Sie eine Immobilie bauen, kaufen, renovieren oder finanzieren möchten – im Ratgeber Wohnglück finden Sie wertvolle Infos, Neues, Tipps, Anleitungen und vieles mehr rund um den wichtigsten Ort der Welt.
Mehr über unser Magazin

Unser Newsletter: Tipps, Trends & News in Ihrem Postfach

Bleiben Sie informiert: Wir präsentieren Ihnen regelmäßig
die neuesten Tipps, Trends & Neuigkeiten rund um die Bereiche Bauen und Wohnen.