Umgebaut: ein Haus für drei Generationen - vom Altbau zum modernen Loft
Umbau | Ausbau

Umgebaut: ein Haus für drei Generationen - vom Altbau zum modernen Loft

Kreativität und Kompromissfähigkeit waren entscheidend, um aus einem Elternhaus der 70er-Jahre in Niederbayern ein lichtdurchflutetes Mehrgenerationenhaus zu schaffen

Foto: Christoph Theurer

Mit den Eltern oder Schwiegereltern ge­meinsam ­unter ei­nem Dach wohnen? Was früher vor allem im ländlichen Raum gang und gäbe war, ist heute eher die Ausnahme. Cornelia und Thomas Ecker aus Pocking in Niederbayern wagten den Schritt, in einem Dreigenerationenhaus zu leben. Sie zogen mit ihrem ältesten Sohn Ferdinand und den Zwillingen Emil und David 2015 in das umgebaute Elternhaus von Cornelia, die Mutter lebt räumlich getrennt nebenan. „Die Lage stimmt, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten sind um die Ecke, und die Stichstraße ist wunderbar ruhig“, erzählt die sympathische Bauherrin.

Vorher: Dem 70er-Jahre-Haus fehlten große Fenster, und es entsprach nicht mehr dem heutigen energetischen Standard Foto: privat

Nachher: Der Eingangsbereich wirkt durch die Glaselemente neben der Haustür viel heller. Die Schleppgaube belichtet das Obergeschoss Foto: www.joernblohm.com

Wie schafft man Nähe und Privatsphäre zugleich?

 Von den ersten Überlegungen bis zum Einzug vergingen allerdings mehrere Jahre. Ihre Eltern erfüllten sich 1972 den Traum vom eigenen Heim. Auf fast 300 Quadratmetern Wohnfläche verbrachten Cornelia und ihre zwei Geschwister dort eine glückliche Kindheit. Als schon längst alle drei ausgezogen waren, verstarb 2009 der Vater.

Zwei Jahre später reifte die Idee, dass die Familie eventuell mit der Mutter zusammenzieht, denn sie fühlte sich in dem weitläufigen Zuhause ziemlich verloren, und die 90-Quadratmeter-Mietwohnung des Paares war längst schon zu klein geworden. Cornelia Eckers Geschwister wären für dieses Projekt nicht infrage gekommen, weil sie weiter weg leben. Der Unternehmensberater und die Diplomkauffrau einigen sich gleich am Anfang mit der Mutter, dass beide diesen Schritt nur wagen, falls sie bei der Sanierung ihre eigenen Ideen umsetzen können. Die Fragen, um die sich erst einmal alles drehte, waren: Wie schafft man Nähe und Privatsphäre zugleich? Und wie lassen sich die Ansprüche einer fünfköpfigen Familie mit den Wünschen der Mutter vereinen? Das Objekt durfte in seiner äußeren Form nur wenig verändert werden, um der Bauordnung zu entsprechen.

„Mach was“, lautete Thomas’ Hilferuf

Thomas Ecker zog seinen Sandkas­tenfreund und jetzigen Architekten Florian Schätz zurate, denn das mehrfach umgebaute Gebäude entsprach weder ästhetisch noch energetisch heutigen Maßstäben. „Mach was“, lautete Thomas’ Hilferuf. Die Kommunikation war anfangs eine Herausforderung, denn Schätz arbeitet mehrere Monate im Jahr in Südostasien an diversen Großprojekten und hat an der Universität in Singapur eine Professur für Architektur inne. Davon ließen sich beide nicht abschrecken.

Geschickt ordnete Florian Schätz das Raumgefüge völlig neu, entkernte das Gebäude in Teilbereichen und sanierte den Bestand so effizient, dass die Familie die Fördermittel nach KfW 40 bekam. Das hoch wärmegedämmte Dach ließ er um acht Zentimeter anheben: Das reichte aus, um zusammen mit den zwei großen Schleppgauben ein lichtdurchflutetes Wohnerlebnis im Obergeschoss zu schaffen. Hier liegen Büro, Kinderzimmer, Schlafzimmer und Bäder. Der Wellnessbereich der Eltern öffnet sich zu einer Loggia. Im Erdgeschoss sorgen raumhohe Fens­ter für Helligkeit und Sichtachsen nach draußen.

Spielen, relaxen und Garderobe: der "Allraum" Foto: Christoph Theurer

Vielfältig nutzbarer „Allraum“ im Erdgeschoss

Ein Kellerzugang trennt beide Einheiten. Die Räume der Familie sind nach Süden ausgerichtet, die Mutter lebt barrierefrei im nördlichen Teil mit eigener Terrasse und Garten. Sie ist froh, dass sie sich nicht mehr allein um das große Haus mit Garten kümmern muss, und freut sich jeden Tag, wenn die Enkel zum Spielen zu ihr kommen. Am Anfang war es für sie natürlich eine große Umstellung, aber jetzt findet sie ihr neues Zuhause ideal.

Ein vielfältig nutzbarer „Allraum“ im Erdgeschoss erinnert mit seinem monochromen Epoxidharzboden an ein Loft. In der Wohnküche wirkt der fünf Meter lange, massive Eichenholztisch wie eine spektakuläre Skulptur. Von dem XXL-Sofa und dem Sessel bieten sich Blickbeziehungen auf die Galerie. Besonders raffiniert: Um einen großzügigen Eingangsbereich zu schaffen, ließ der Architekt die Treppe verlegen. Der industrielle Charakter der Innenausstattung, der sich wie ein roter Faden durchs Haus zieht, lässt sich hier besonders gut ablesen. Die Wände sind mit Rohstahlplatten verkleidet, dazu korrespondiert die Sichtbetondecke mit den Abdrücken der Naturholzverschalung.

Innerlich zur Ruhe kommen

Der Architekt wie auch die Bauherren sind dem fernöstlichen Kulturkreis zugetan. In die ehemaligen Lagerräume im Keller bauten Cornelia und Thomas Ecker einen Wellnessbereich mit Sauna. Im angrenzenden Meditationszimmer relaxt das Paar bei Entspannungsmusik und Kerzenlicht. Der handgeschnitzte Buddha, den sie von einer Reise nach Bali mitbrachten, lässt sie innerlich zur Ruhe kommen.

Vorher: viele kleine Zimmer prägten das Wohnbild Foto: privat

Nachher: alles offen im Erdgeschoss Foto: Christoph Theurer

Daten & Fakten

Baujahr: 1972
Umbau: September 2014 bisAugust 2015
Bauweise: Ziegelmauerwerk
Heizung: Gaszentralheizung mit Solar; Warm­wasserzusatzheizung
Wohnfläche: vorher 298 Quadrat­meter, nachher 395 Quadratmeter; davon Mutter: 81 Quadratmeter
Grundstück: 894 Quadratmeter
Architektur: FACE2050, Florian Schätz, Dipl.-Architekt ETH, www.face2050.com

Grundriss vom Erdgeschoss. Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken

Grundriss vom Obergeschoss. Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken

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