So klappt der Umbau: Mehr Platz im Altbau
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So klappt der Umbau: Mehr Platz im Altbau

Mehr Licht, mehr Platz, mehr Flexibilität: mit diesen ­Umbau-Maßnahmen machen Sie ältere Häuser und Wohnungen fit für die Zukunft

Foto: Schüco

Oh, wie reizvoll sind Altbauten. Homogen das Quartier, eingewachsen der Garten, stilvoll die Ausstattung mit schönen Türprofilen und Beschlägen, alten Dielen und Fußleisten (na ja, nicht immer, aber oft). Wenn dann auch noch die Räume diese angenehme Atmosphäre von gelebter Geschichte und schöner Patina atmen, dann ist es um viele von uns geschehen. Sollten wir nicht wunderbar heimisch werden können?

Beispiel 1: Die ursprünglichen Elemente wie Betondecke, Stützen und Backsteinwand geben der alten Schreinerwerkstatt ein unverwechselbares Flair (aus: Thomas Drexel, „Top 50 Umbauten“, DVA) Foto: Achim Linhardt, "Das Umbau-Buch"

Zweite und dritte Blicke offenbaren meist unabweisbare Mängel. Die Küche: zu klein, zu dunkel. Das Wohnzimmer: der gleiche Befund. Der Flur: eng. Der Blick in den Garten: verbaut durch Fensterbrüstungen. Und können wir dieses sympathisch verwinkelte Haus auch noch zufrieden bewohnen, wenn wir mal alt sind? Zweifel sind erlaubt …
Insgesamt kommen häufig eine ganze Reihe Nachteile zum Vorschein, die einem Leben nach heutigen Ansprüchen im Weg stehen – Aufgaben, die im Rahmen einer grundlegenden Modernisierung aber durchaus zu bewältigen sind. Und das am besten in Zusammenarbeit mit einem altbau­erfahrenen Architekten. Der kennt nicht nur die Stolpersteine, er kann auch die Potentiale eines alten Hauses viel umfassender nutzen.

Die Maßnahmen, um die es konkret geht, lassen sich in mehrere große Komplexe zusammenfassen:

Mehr Großzügigkeit

Räume öffnen: Es ist immer wieder verblüffend, wie sich das Raumgefühl komplett verwandelt, wenn Trennwände herausgenommen werden und sich eine Fläche von 35 Quadratmetern vor dem Auge ausbreitet statt der 15 plus 20 Quadratmeter, die es vorher waren. Häufig ist das problemlos möglich, weil viele Wände keine tragende Funktion haben. Aber selbst dann, wenn tragende Wände geöffnet werden sollen, ist das umsetzbar. Der Aufwand ist lediglich höher.

Küche, Ess- und Wohnzimmer verbinden: eine Maßnahme, die schon fast zum Standard der Modernisierung gehört. Heute mag kaum noch jemand in einer kleinen ­Arbeitsküche werkeln, wenn die Familie im angren­zenden Wohn- oder Esszimmer spielt oder plaudert. Und selbst wenn die Küche gar nicht komplett geöffnet wird, sondern ein Teil der ehemaligen Trennwand als Tresen stehen bleibt, gewinnt der Raum sehr an Weite. Alternative: eine Schiebetür. Das ermöglicht, die beiden Räume unabhängig voneinander zu nutzen oder hinter dem Küchenchaos nach dem aufwendigen Kochen einfach mal die Tür zu schließen.

Flure einbinden: Flure sind kost­bare Flächen, die relativ selten genutzt werden. Nimmt man sie zu Wohnräumen dazu, indem die Wände herausgenommen werden, steht fürs Wohnen deutlich mehr Platz zur Verfügung. Aber Vorsicht: Bei Familien mit jugendlichen Kindern kann das durchaus Konflikte provozieren, wenn es für sie nun keine Möglichkeit mehr gibt, halbwegs unbeobachtet nach Hause zu kommen.

Obergeschoss in den First öffnen: In Häusern mit flach geneigten Dächern ist der Spitzboden in der Regel nicht begehbar, also keine Reserve für mehr Wohnraum. Die bestehenden Zimmer wirken sehr viel großzügiger, wenn man sie in den First hinein öffnet und Dachflächenfenster einsetzt. Mit neuer Raumhöhe und viel mehr Tageslicht werden sie zu echten Highlights. Option: Reicht die Deckenhöhe aus, kann eine Schlafgalerie eingebaut werden.

Mehr Tageslicht

Größere Fenster: Viele Altbauten haben vergleichsweise kleine Fenster. Das hatte vor allem technische Gründe: In der Zeit, aus der sie stammen, konnten großformatige Scheiben noch nicht wirtschaftlich hergestellt werden und waren zudem echte Wärmelecks. Das ist heute anders – und so sind spektakuläre Veränderungen der Raumwirkung möglich, wenn aus mehreren kleinen Fenstern ein großes wird, wenn es zudem keine Brüstung mehr hat, sondern bodentief ausgeführt ist. Aber es gibt auch einen Haken: Das, was Psychologen „visuelle Privatheit“ nennen, kann empfindlich leiden, wenn sich ein Haus gar zu offen darbietet – denn mehr Ausblick ermöglicht ja auch mehr Einblick. Fühle ich mich bei einer Öffnung des Hauses immer noch geborgen? Diese Frage sollte man sich stellen. 

Oberlichter: Bei Fenstern im Dach gibt es dieses Problem in der Regel nicht. Sie lassen sehr viel Tageslicht herein und schaffen Ausblicke in den Himmel.

Mehr Platz

Raumreserven nutzen: Der Gewinn an Großzügigkeit hat auch seine Nachteile – auf einmal gibt es deutlich weniger Wände, vor denen man Schränke, Regale oder Kommoden platzieren kann. Wo aber sollen die Dinge hin, die man darin verstaut hätte? Die konsequente Nutzung von Nischen, Abseiten, Räumen unter Treppen und der Einbau von Schränken, die ganze Wände füllen, kann Abhilfe schaffen. Und natürlich der Ausbau des Dachgeschosses, wenn es noch darauf wartet.

Keller sanieren: Viele Altbaukeller eignen sich nicht als Wohn- oder Arbeitsraum, können aber zur Großzügigkeit des Hauses trotzdem beitragen. Indem hier Dinge gelagert werden können, für die man ein gutes Raumklima braucht, die also sonst in den oberen Geschossen untergebracht werden müssten: Kleidung, Bücher, Zeitschriften, Spielzeug, Akten. Womöglich muss der Keller dafür saniert und trockengelegt werden.

Anbauen:
Lässt der Bebauungsplan eine Erweiterung des Hauses zu, öffnet sich eine ganze Welt von Möglichkeiten: vom Wintergarten, der das Wohnzimmer erweitert, bis zum Anbau über zwei Geschosse, der die Wohnfläche erheblich erweitert. Auch gestalterisch ist sehr viel Attraktives möglich. Pro Quadratmeter neu geschaffener Fläche sind mindestens 2.000 Euro zu veranschlagen.

Beispiel 3: Bei der Zusammenlegung von drei kleinen Wohneinheiten in einem Stadthaus entstand durch die Öffnung der Decke im Erdgeschoss eine wunderbare Wohnhalle Foto: Achim Linhardt, "Das Umbau-Buch"

Mehr Zukunftssicherheit

Barrierefreiheit: Bei einer grundlegenden Modernisierung sollte das Thema Barrierefreiheit nicht unter den Tisch fallen – als Perspektive fürs eigene Leben in späteren Jahrzehnten, aber auch für einen Verkauf. Denn mittlerweile ist das Bewusstsein dafür auf dem Immobilienmarkt angekommen, und barrierefreie Objekte erzielen höhere Preise. Wie komme ich mit Rollstuhl oder Rollator ins Haus und kann mich zumindest im Erdgeschoss frei bewegen? Das ist die Leitfrage bei der Planung. Wichtige Maßnahmen sind:
• Stufen einebnen
• Türen auf einen Meter Breite öffnen
• Bad mit bodengleicher Dusche ausstatten
• Option für Treppenlift vorsehen

Flexibilität: Die meisten Menschen orientieren sich beim Hauskauf und -umbau verständlicherweise an ihren aktuellen Bedürfnissen. Tatsächlich verändern die sich aber schnell, etwa durch das Heranwachsen der Kinder. Hier ist es hilfreich, dem etwa durch einen Tausch von Zimmern entgegenzukommen. Das gelingt aber nur, wenn es mehrere gleich große Räume gibt. Oder eine Einliegerwohnung. Die kann später vermietet werden, wenn die Kinder aus dem Haus sind, oder für eine Pflegekraft bereit stehen, wenn man im Alter zu Hause betreut werden möchte.

Aktuelle Produktneuheiten & Informationen

Buchtipps

„Das Umbau-Buch“: Achim Linhardt gibt vie­le Praxistipps. 240 Seiten, 49,99 Euro, DVA

„Top 50 Umbauten“: Thomas Drexel zeigt, wie sich das Potential alter Häuser entfalten lässt. 216 Seiten, 29,95 Euro, DVA

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