Haus umbauen: Von der Schmiede zum großzügigen Wohnhaus
Umbau | Ausbau

Haus umbauen: Von der Schmiede zum großzügigen Wohnhaus

Gehämmert wurde in der alten Dorfschmiede nahe Dresden schon lange nicht mehr. Der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes zu einem Wohnhaus war aber auch harte Arbeit

Foto: Carola Baumgarten

Beruhigend plätschert der Regenbach, in dem sich früher das Wasserrad der alten Schmiede drehte. Die zwölfjährige Charlotte sitzt – dieses Mal ohne ihre große Schwester Pauline, die ist im Sommercamp – auf der kleinen Brücke und liest. Bentley, der Labrador, badet mit großem Theater im Bach, während die Entenfamilie schnatternd Deckung sucht. „Was lange währt, wird gut“, kommentiert Steffi Noack die Idylle.

Vorher: Die Schmiede war eine ländliche Institution. Hier wurde landwirtschaftliches Gerät gefertigt und repariert. Bis zum Jahr 2000 hat die Röhrs­dor­fer Schmiede gearbeitet Foto: privat

Ziegelrot leuchtet das frisch gedeckte Dach der alten „Maschinen und ­Schmiedewerkstatt“ von Röhrsdorf. Die Bauherren haben den ­überlieferten Schriftzug liebevoll erhalten Foto: Carola Baumgarten

Drei Jahre vom Kauf bis zum Einzug

Drei Jahre sind vom Kauf der Schmiede bis zum Einzug vergangen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Thomas und Steffi Noack standen in dem weiten Werkstattraum mit dem gewaltigen Schmiedeofen in seiner Mitte und waren gebannt. Das Licht zeichnete die hohen, fein gerasterten Fabrikfenster als lange Schattenbilder auf den Boden. Das Paar entschied noch vor Ort „Das ist es!“. Damit ließen sich die Berufspädagogin und der Finanzwirt auf ein Abenteuer ein, das Überraschungen barg. Um die von vornherein möglichst kleinzuhalten, wurde das Denkmal­amt schon vor dem Kauf in alle Überlegungen einbezogen. „Wir wollten wissen, was auf uns zukommt, was geht und was nicht gehen wird“, erzählt Steffi Noack.

Umbau mit Hilfe von EU-Fördermitteln

Mit Marko Hollasky fanden sie im Nachbarort einen Architekten, der schon andere Gemäuer aus dem Dornröschenschlaf erweckt hatte. Zwölf Monate nach Unterzeichnung des Kaufvertrages ist die beantragte Förderung aus dem Programm der EU zur Umsetzung integrierter ländlicher Entwicklungskonzepte genehmigt worden. Das war der Startschuss für die Umbauarbeiten.

Die Wartezeit bis dahin hat das Team genutzt und immer wieder das Maß der eigenen Wünsche an die Entwürfe des Architekten gelegt. Es wurde viel debattiert und einiges verworfen, wie zum Beispiel eine Wendeltreppe. Schließlich war der Plan klar – ein Großraum im Erdgeschoss, bei dem sich Küche, Essplatz und Couch­ecke um einen Ofen von stattlichem Format gruppieren. Im Obergeschoss verbindet eine Galerieebene die Zimmer der Töchter auf der einen Giebelseite mit dem Schlafbereich der Eltern und dem Bad auf der anderen.

Fester Grund erst in drei Metern Tiefe

Vor die Umsetzung dieses schönen Planes schob sich jedoch eine Baugrunduntersuchung, die die großen Risse im Mauerwerk aufklären sollte. Dabei stellte sich heraus, dass die Schmiede auf Flusssand steht und abgerutscht war. Fester Grund fand sich erst in drei Meter Tiefe. Die Rettung war aufwendig.

Das Haus wurde unterhalb der Fenster Meter für Meter aufgeschnitten, um stückchenweise eine Bodenplatte darunter gießen zu können. „Wenn sich der Boden jetzt bewegt, bewegt sich das ganze Haus.“ Es hört sich gelassen an, wie Steffi Noack das sagt, Zeit schafft Abstand. Damals war es ein Schock, ein Stocken im Ablauf, und der Zeitplan geriet ins Wanken. Die Familie verlängerte das Quartier bei den Großeltern im Dorf nebenan, das sie für die Bauphase gewählt hatten, damit die Kinder während der baustellenbedingten Abwesenheit der Eltern behütet waren.

Von der besonderen Raumwirkung des Schornsteins mit den ... Foto: Carola Baumgarten

... im Rund gemauerten Ziegelsteinen profitieren Schlafraum und Bad Foto: Carola Baumgarten

„Maschinen und Schmiede­werkstatt“ zum Wohnen

Wenn Steffi und Thomas ­Noack heute auf der Terrasse am Bach sitzen und das Geschehen Revue passieren lassen, sind sie stolz auf das Gelun­gene, auf ihre „Maschinen und Schmiede­werkstatt“ zum Wohnen. Frisch aufgetragen steht der überlieferte Schriftzug heute wieder am ­Giebel und zeugt von der Zeit, als die Dorfgemeinschaften noch einen Schmied brauchten.

Daten & Fakten

Baujahr: 1900
Umbau: August 2010 bis August 2012
Umbaukosten: 387.000 Euro
Bauweise: Ziegelmauerwerk
Heizung: Pelletheizung, Grundofen
Wohnfläche: 150 Quadratmeter
Architekt: Marko Hollasky, 01665 Klipphausen, www.hollasky-architekten.de
Requisiten: Tablett weiß, Holz­leuchter, Windlichter, Kissen­bezüge Couch (alles im Wohnraum) von Flamme Möbel Berlin, Freiheit 4, 13597 Berlin, www.flamme-berlin.de

Grundriss vom Erdgeschoss

Grundriss vom Obergeschoss

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