Umbau | Ausbau

Barrierefrei bauen & modernisieren: 10 Tipps

Im Alter möglichst lange und unabhängig in den eigenen vier Wänden wohnen ist für viele Menschen ein wichtiges Ziel. WOHNGLÜCK zeigt Lösungen, die Ihr Zuhause zukunftssicher machen

Foto: Duravit

Auch ein Komfortmerkmal: gut erreichbare Schalter Foto: Arnt Haug

Ganz wichtig: Stolperfallen vermeiden Foto: Arnt Haug

Daumenwert für Rangierflächen: 1,50 x 150 Meter Foto: Arnt Haug

Seien wir ehrlich: Wirklich angenehm ist die Vorstellung nicht, dass wir später mal auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sein könnten. Und deswegen sollen wir jetzt schon überlegen, wie es uns dann wohl gehen wird? Experten, die sich mit Fragen der Altersvorsorge und Pflegeversicherung beschäftigen, kennen dieses Phänomen gut: Jeder weiß, dass es wichtige Themen sind, aber keiner mag sich so richtig darum kümmern.

Beim Bauen und Wohnen liegt die Sache allerdings komplett anders.Denn einer barrierefrei geplanten Immobilie sieht man diese Eigenschaft gar nicht an – und sie entfaltet ihre Vorteile unmittelbar. Die bodengleiche Dusche im Bad: eine elegante Lösung. Türkommunikation mit Videokamera und Fernbedienung? Wie smart! Und wer einen großzügigen Flur betritt, in dem ein Rollstuhlfahrer rangieren kann, wird sich über die Bewegungsfreiheit freuen und nicht über körperliche Handicaps nachdenken.

Tatsächlich sind die allermeisten Charakteristika barrierefreier Häuser und Wohnungen als solche gar nicht erkennbar. Mehr noch: Sie sind auch für Menschen ohne Handicap ausgesprochen praktisch, zumal für Familien mit kleinen Kindern.

10 Tipps für das barrierefreie Wohnen

1. Mehr Bewegungsfreiheit

1,50 Meter mal 1,50 Meter: Diese Fläche sollte stets vor Türen, Treppen, in Fluren, Küche, Bad und Gäste-WC vorhanden sein. So viel Platz braucht ein Rollstuhlfahrer zum Rangieren. Aber auch ohne Rolli benötigen alte Menschen, die nicht mehr so beweglich sind, diese Bewegungsfreiheit. Treppen sollten breit genug sein, um einen Lift zu installieren.

2. Flexibel nutzbarer Grundriss

Soll einmal eine Pflegekraft im Haus wohnen können, braucht sie ein eigenes Zimmer, am besten mit eigenem Bad. Dazu kann ein Gästebereich neu genutzt werden. Flexi-bilität lässt sich aber auch grundsätzlicher definieren: indem vorgeplant ist, wie mithilfe weniger Umbauten in einem Einfamilienhaus zwei Wohneinheiten mit jeweils eigenem Eingang entstehen können.

3. Breite Durchgänge

Türen und Durchgänge brauchen ein lichtes Maß von 90 Zentimetern. Am besten eignen sich dabei Schiebetüren, weil sie mit Gehhilfe am leichtesten zu öffnen und zu ­schließen sind. Sie lassen außerdem mehr Platz vor der Tür.

4. Keine Stolperfallen

Türschwellen sind genauso einzuebnen wie Stufen, die Übergänge zwischen zwei Wohnbereichen überbrücken sollen. Für Terrassen- und Balkontüren wählt man also Schiebetüren mit versenkter Laufschiene, für den Aufgang zur Haustür eine Rampe. Vorsicht beim Einrichten: Auch hochflorige Teppiche, zumal in Durchgangsbereichen, sind Stolperfallen.

5. Leichtgängige Fenster und Türen

Wenn die Tür klemmt oder Fenstergriffe sich nur schwer drehen lassen, kann das den Alltag sehr mühsam machen. Vor allem bei der Sanierung von Altbauten sind diese Details wichtig. Bei Fenstern kann man einen Anschluss für eine später zu installierende elektrische Öffnung vorsehen.

6. Griffe, Schalter, Steckdosen in 85 Zentimeter Höhe

Das hilft nicht nur Menschen im Rollstuhl, sondern auch kleinen Kindern (für die Steckdosen natürlich gesichert werden). Schalter haben am besten eine große Schaltfläche.

7. Automatisierung mit Augenmaß

Als einer der großen Vorteile der Smart-Home-Technologie gilt, dass sie alten Menschen ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Haus ermöglicht, dank der Automatisierung von Abläufen und der Möglichkeit, Beleuchtung oder Fenster per Fernbedienung zu steuern. Voraussetzung: Der alte Mensch wird nicht von der Technologie überfordert. Hier kommt es auf Augenmaß und Fingerspitzengefühl an. Im Zweifel sollte zunächst die Basisinstallation vorgenommen werden, um sie je nach Bedarf zu erweitern.

8. Gute Beleuchtung

Gutes Sehen hängt entscheidend von der Helligkeit ab. Deswegen sollten vor allem die Durchgangsbereiche gut ausgeleuchtet sein, am besten über Bewegungsmelder gesteuert. Aber auch Arbeitsbereiche sowie Leseplätze brauchen helles, gerichtetes Licht.

9. Ein gut geplantes Bad

Barrierefreie Bäder sahen früher – es stimmt leider! – schrecklich aus. Das ist vorbei. Bodengleiche Duschen, in der Höhe verstellbare Toiletten, unterfahrbare Waschtische und Badewannen mit Türeinstieg machen nicht nur das Leben leicht, sie überzeugen auch mit tollem Design. Wichtig sind im Bad gemauerte Wände, damit Duschsitz und Haltegriffe sicher verankert werden können. Nicht zu vergessen: rutschsichere Bodenbeläge. Das gilt auch für andere Bereiche, in denen es nass werden kann, zum Beispiel in der Küche und auch im Flur.

10. Möblierung mit Weitblick

Im Flur ein Sitzplatz, in der Küche Schubladen statt Oberschränke und Küchengeräte in Bedienhöhe, im Schlafzimmer Schränke mit Innenbeleuchtung und ein in der Höhe verstellbares Bett, im Wohnzimmer Sofas, Sessel und Tische in angenehmer Sitzhöhe: Im Detail sind viele Erleichterungen möglich. Hier kommt es auf den individuellen Bedarf und die körperlichen Einschränkungen an, die es auszugleichen gilt.

Barrierefreies bauen und modernisieren: Pro & Contra

Warum Bauherren auch an Barrierefreiheit denken sollten – und es meistens doch nicht tun

Was spricht für barrierefreies Bauen und Umbauen?
An erster Stelle natürlich die Möglichkeit, bei körperlichen Einschränkungen möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können. Aber auch jüngere Menschen und Familien mit kleinen Kindern profitieren von der Großzügigkeit der Räume und den vielen praktischen Details, die den Alltag erleichtern. Wo ein Rollstuhl stehen kann, ist auch der Kinderwagen bestens untergebracht. Ein wichtiger Vorteil barrierefreier Immobilien: Sie sind besonders wertstabil bzw. werden in ihrem Wert stärker steigen, je mehr ältere Menschen nach solchen Domizilen suchen.

Was spricht gegen barrierefreies Bauen und Umbauen?
Der Planungsaufwand ist höher, und auch die Kosten steigen. Musterrechnungen gehen von Mehrkosten ab etwa 3 Prozent aus. Diese Rechnung bezieht sich aber nur auf die Wohnungs­ausstattung. Schwer zu kalkulieren sind die Kosten fürs Grundstück. Ein barrierefreies Haus sollte möglichst wenige Ebenen haben, idealerweise als Bungalow nur eine. Bei hohen Bodenpreisen gehen die höheren Investitionen deswegen weniger ins Haus als in den Baugrund. Nicht zufällig entstehen ja im städtischen Raum immer mehr Townhouses mit drei und mehr Ebenen auf winzigen Grundstücken.

Die Entscheidung: eine Frage der Perspektive
Je sicherer ich bin, dass ich bis ins hohe Alter in genau diesen vier Wänden wohnen will, umso plausibler ist barrierefreies Bauen schon in jüngeren Jahren. Wer aber mit den Kindern im Grünen wohnen möchte, um im Alter dann die Vorzüge des urbanen Lebens in einer Stadtwohnung zu genießen, kann zusätzlich verfügbares Geld auch in eine höhere Tilgung des Darlehens stecken.

Aktuelle Produktneuheiten & Informationen für Modernisieren
Ihr Ratgeber rund ums Eigenheim

Entdecken Sie unser Wohnglück-Magazin

Ob Sie eine Immobilie bauen, kaufen, renovieren oder finanzieren möchten – im Ratgeber Wohnglück finden Sie wertvolle Infos, Neues, Tipps, Anleitungen und vieles mehr rund um den wichtigsten Ort der Welt.
Mehr über unser Magazin

Unser Newsletter: Tipps, Trends & News in Ihrem Postfach

Bleiben Sie informiert: Wir präsentieren Ihnen regelmäßig
die neuesten Tipps, Trends & Neuigkeiten rund um die Bereiche Bauen und Wohnen.