Heizung

Neues Label für alte Heizungen

Auch Heizungen müssen jetzt mit einem Label zur Energieeffizienz gekennzeichnet sein. Die Effizienzklasse ist eine Orientierungshilfe, lässt aber keinen direkten Rückschluss auf die Heizkosten zu

Foto: Braas

Kostenfresser oder Öko-Wunder: In Zeiten des Klimawandels und steigender Wohnnebenkosten setzen immer mehr Hausbesitzer auf eine gute Energiebilanz. Ökolabel bieten hier eine Orientierung beim Kauf sparsamer Geräte. Kühlschrank, Herd und Waschmaschine brüsten sich schon seit den 90ern mit der bekannten bunten Farbskala und einer möglichst guten Effizienzklasse. Bei der Wahl energieeffizienter Hauswärmetechnik gab es das bisher nicht – obwohl hier besonders große Einsparpotentiale liegen. Um Verbraucher bei der Auswahl möglichst klimaschonender Heiz- und Warmwassersysteme zu unterstützen, hat die EU daher die so genannte Ökodesign-Richtlinie für energieverbrauchende und energieverbrauchsrelevante Produkte (ErP) auf Wärmeerzeuger ausgedehnt. Sie ist unterteilt in die Ökodesign-Verordnung und die Energiekennzeichnungsverordnung.

Der Handwerker muss die Kunden über die Effizienzklasse des ­angebotenen Heizsystems informieren Foto: VDZ

Ökodesign-Verordnung

Die Ökodesign-Verordnung definiert Mindestanforderungen an die Energieeffizienz von Wärmeerzeugern bis 400 Kilowatt. Bei Öl- und Gasheizkesseln hat dies zur Konsequenz, dass in aller Regel nur noch Brennwertgeräte verkauft bzw. eingesetzt werden können. Das bedeutet praktisch den Abschied vom Niedertemperaturheizkessel. Ausgenommen sind lediglich raumluftabhängige Heizgeräte, die gemeinsam an einen Schornstein angeschlossen sind: Das sind Heizthermen mit einer Leistung bis 10 Kilowatt und – falls diese auch zur Warmwasserbereitung eingesetzt werden – bis 30 Kilowatt.

Biomasse-Heizungen sind ausgenommen

Die Kennzeichnungspflicht mit dem Ökolabel gilt für Anlagen, die mit Strom, Öl oder Gas betrieben und neu installiert werden. Sie betrifft Heizgeräte und Warmwasserbereiter sowie Kombigeräte mit einer Leistung bis 70 Kilowatt, Warmwasserspeicher bis 500 Liter Speichervolumen und Kombinationen dieser Produkte mit Regelungstechnik und Solarunterstützung. Biomasse-Heizungen, beispielsweise Pelletkessel, sind von der Kennzeichnungspflicht vorerst noch ausgenommen.

Neben dem hier gezeigten „Basis-Label“ für einen Öl- oder Gas-Brennwertkessel gibt es allein für Raum- und Kombiheizgeräte 14 unterschiedliche Labels für die einzelnen Technologien und Verbundanlagen Grafik: Dena

Energieeffizienzklasse muss erkennbar sein

Planer und Handwerker müssen ihren Kunden seit 26. September 2015 die verpflichtenden Effizienzkennziffern in Form von Datenblättern und Energieeffizienz-Etiketten an die Hand geben. Auch in der Werbung muss für den Verbraucher die Energieeffizienzklasse bereits erkennbar sein.

Labelklassen von A+++ bis D ab 2019

Das Label ähnelt in seinem Aufbau den bereits von Haushaltsgeräten bekannten Etiketten. Die Einordnung erfolgt in Energieeffizienzklassen, die zunächst von A++ oder A als beste bis G als schlechteste Note reichen. Ab 26. September 2019 soll es nur noch die Labelklassen A+++ bis D geben. Welche Klasse aktuell die höchste erreichbare ist, hängt vom jeweiligen Gerätetyp ab. Im Detail gibt das Ökolabel zudem Aufschluss über die Heizleistung, den Wirkungsgrad und den Schallleistungspegel. Besteht eine Heizanlage aus verschiedenen Komponenten wie Heizkessel, Pumpe, Speicher und Regelung (was fast immer der Fall ist), muss auch die Gesamtanlage mit einem Effizienzlabel versehen werden. Kommen alle Komponenten von einem Anbieter, erstellt in der Regel dieser das Label, andernfalls übernimmt es ein Fachhandwerker. Das Verbundlabel ist das entscheidende, weil es immer vom Gesamtsystem abhängt, wie sparsam und umweltfreundlich die Heizung arbeitet.

Label nur erster Anhaltspunkt

Ohnehin kann das Label nur einen ersten Anhaltspunkt für die Effizienz der Technologie geben. Die Effizienzklasse bewertet aber, anders als bei Haushaltsgeräten, weder direkt die Verbrauchskosten noch die Klimabilanz. Das liegt zum einen daran, dass es sich bei der Heizung um ein komplexes System handelt, dessen Effizienz von viele Faktoren abhängt. Zum anderen nutzen die Heizgeräte unterschiedliche Energieträger. „Da Öl, Gas und Strom jeweils unterschiedliche Kosten pro Energieeinheit verursachen, zeigen die Effizienzklassen allein nicht, welches Gerät im Betrieb das günstigere ist“, kritisiert zum Beispiel die Verbraucherzentrale NRW. Ein weiterer Schwachpunkt sei, dass nur die Effizienzklassen A++ bis B wirklich genutzt würden. Neue Heizungen, die schlechter eingestuft werden, gibt es praktisch nicht. Dadurch gerate die Abstufung so grob, dass die Grenzen zwischen den Klassen letztlich nur zwischen unterschiedlichen Technolo­gien verliefen, bemängeln die Verbraucherschützer. Wärmepumpen bekämen zum Beispiel A+ oder A++, sämtliche Gas- und Öl-Brennwertkessel aber fielen in die Klasse A. Für die Entscheidung zwischen zwei Brennwertkesseln sei das Energielabel daher praktisch nutzlos.

Schornsteinfeger labeln alte Anlagen

Seit Jahresbeginn 2016 werden in Deutschland übrigens auch bestehende Heizanlagen mit einem Energieeffizienzlabel gekennzeichnet. Das nationale Label erhalten alle Wärmeerzeuger, die mindestens 15 Jahre alt sind. Im ersten Jahr ist das noch freiwillig, ab 2017 sind Schornsteinfeger verpflichtet, Altanlagen zu labeln. Das soll Hausbesitzer zum Kesseltausch anregen und dafür sorgen, dass alte, ineffiziente Heizungen durch moderne, sparsamere und umweltfreundlichere Anlagen ersetzt werden.

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