Heizung Spezial 2017

Wärmewende: Alte Heizung tauschen

Der Heizungsbestand in Deutschland ist veraltet, die Umrüstung auf effiziente Geräte und erneuerbare Energien kommt nur langsam voran. Höhere Zuschüsse und ein neues Effizienz­label für alte Heizungsgeräte sollen der Heizungsmodernisierung jetzt Schwung verleihen

Foto: Rido - Fotolia

Hausbesitzer erhalten regelmäßig Besuch von ihrem Schornsteinfeger. Dessen Hauptaufgabe ist es schon lange nicht mehr, nur den Kamin zu kehren, sondern auch den Heizkessel unter die Lupe zu nehmen. Er misst Emissionen und Abgasverluste und stellt eine Bescheinigung darüber aus, ob die Heizung die geltenden Grenzwerte einhält. Das ist auch bei vielen alten Kesseln der Fall und kann andernfalls meist durch eine Anpassung der Einstellungen erreicht werden.

Für viele Hausbesitzer ist das erfolgreiche Bestehen der ­Schornsteinfegerprüfung gleichbedeutend mit der Bestätigung, dass ihr alter Heizkessel noch immer dem Stand der Technik entspricht. Läuft die Heizung dann zuverlässig, sehen sie keinen Anlass, über den Austausch gegen einen modernen Kessel oder gar den Umstieg auf erneuerbare Energien nachzudenken.

Solche Kessel-Oldtimer verschwenden unnötig viel Energie

Effizienz

Das allerdings ist ein grundlegender Irrtum. Denn die Abgaswerte sagen nichts über die tatsächliche Effizienz des alten Öl- oder Gaskessels aus. Und die lässt bei den allermeisten Heizungen im Gebäudebestand zu wünschen übrig. Von den insgesamt rund 20,7 Millionen Wärmeerzeugern sind nach Erhebungen des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) weniger als zwei Drittel auf dem aktuellen Stand der Technik (siehe Grafik). Das bedeutet, dass sie je nach Alter und Energieträger bis zu 30 Prozent mehr Brennstoff verbrauchen und entsprechend mehr CO2-Emissionen verursachen als moderne Geräte.

„15 Millionen Heizungen in Deutschland sind aktuell älter als 20 Jahre“, erläutert BDH-Präsident Manfred Greis. „Hier liegen riesige CO2-Minderungs- und Energieeinsparpotentiale brach.“ Nach Berechnungen des BDH könnte Deutschland allein durch die vollständige Sanierung des ­Heizungsbestands 13 Prozent seines gesamten Endenergieverbrauchs einsparen. Bliebe es bei den bisherigen Modernisierungsraten, würde es bis dahin aber noch deutlich mehr als 30 Jahre dauern. Denn aktuell werden nach BDH-Erhebungen pro Jahr nur zwei bis drei Prozent der alten Öl- und Gaskessel ausgetauscht.

Grafik: BDH

Erneuerbare Energien

Neben der Umrüstung auf effiziente Brennwertkessel kommt dem Umstieg auf erneuerbare Energien bei der Wärmewende eine Schlüsselrolle zu. Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil der Erneuerbaren an der gesamten Wärmeversorgung bis 2020 auf mindestens 14 Prozent zu erhöhen.

Die Marktentwicklung fürs Heizen mit Sonne, Holz und Umweltwärme war 2015 allerdings ernüchternd: Während Gas- und Öl-Brennwertkessel nicht zuletzt aufgrund der aktuell günstigen Brennstoffkosten teils kräftige Zuwächse erreichten, verzeichneten die Erneuerbaren ­durchweg Einbußen. Die Zahl der verkauften Holz- und Pelletkessel ging um 18 Prozent zurück, Solarthermieanlagen verzeichneten ein Minus von 10 Prozent, und sogar die Zukunftstechnologie Wärmepumpe musste Einbußen von 2 Prozent hinnehmen. Auch die Kombination eines fossilen Heizkessels mit einem Pelletofen oder Solarkollektoren ist stark rückläufig: Wurden 2009 noch bei 45 Prozent aller ­Heizungsinvestitionen Öko-Energien mit eingekoppelt, waren es im vergangenen Jahr nur noch 19 Prozent.

Eine verbesserte Förderung und ein Effizienzetikett für alte Heizungen sollen der stockenden Wärmewende im Heizungskeller jetzt neuen Schwung verleihen.

Förderung

Bereits seit April 2015 können Hausbesitzer höhere Zuschüsse für den Austausch ihres alten Heizkessels gegen ein effizientes Heizsystem auf der Basis erneuerbarer Energien erhalten. Im Rahmen des neuen Anreizprogramms Energieeffizienz (APEE) hat die Bundesregierung diese Zuschüsse Anfang 2016 noch mal um 20 Prozent aufgestockt. Auch die KfW-Zuschüsse für die Heizungsmodernisierung mit einem Brennwertkessel wurden im Rahmen des APEE erhöht. Die finanziellen Anreize machen sich bereits positiv bemerkbar; bei Solaranlagen stiegen die Antragszahlen zum Beispiel um 37 Prozent an.

So sieht das Energieeffizienzlabel aus Foto: Dena

Effizienzlabel

Zusätzliche Impulse versprechen sich Regierung und Industrie von dem Anfang 2016 eingeführten Effizienzlabel für alte Heizkessel. Es ordnet die Geräte einer Effizienzklasse von A++ bis G zu. Die Einstufung auf einer Farbskala von Grün bis Rot macht auf einen Blick deutlich, wie effizient der Kessel den eingesetzten Brennstoff nutzt. Hausbesitzern wird damit aufgezeigt, ob bei ihrer Heizung Handlungsbedarf besteht.

Mit C oder D gekennzeichnete Kessel im roten Bereich sind veraltet, verbrauchen deutlich zu viel Energie und sollten bei nächster Gelegenheit ausgetauscht werden. Ist der Kessel mit einem A oder B gekennzeichnet, liegt also im gelb-grünen Bereich, kann die Effizienz etwa durch die Einbindung einer thermischen Solaranlage oder durch einen hydraulischen Abgleich weiter verbessert werden. Für die Planung der Heizungsmodernisierung erhalten die Hausbesitzer zusammen mit dem Effizienzlabel Informationen über Energieberatungen und staatliche Fördermittel.

Jährlich 600.000 Energiefresser weniger

14,5 Millionen Heizkessel ohne Brennwerttechnik werden sich in den nächsten Jahren im roten Bereich der Bewertungsskala wiederfinden. Das soll mehr Hausbesitzer als bisher motivieren, ihren alten Heizkessel auszutauschen. „Das neue Bestandslabel für Altanlagen ist ein gutes Instrument, um den bisher schleppenden Modernisierungsmarkt im Heizungsbereich in Schwung zu bringen”, hofft BDH-Präsident Greis. Ziel ist es, die Austauschrate um 20 Prozent zu erhöhen – für 600.000 alte Energiefresser würde das jährlich das Aus bedeuten.

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