Heizung Spezial 2017

Check: Wie fit ist Ihre Heizung?

Wie gut ist der alte Heizungs-Kessel noch? Arbeitet er wirtschaftlich, lohnt sich ein Austausch? Wir zeigen Ihnen drei Möglichkeiten, um schnell eine Antwort zu erhalten

Foto: dpa picture alliance

Faustregel: Nach 15 Jahren lohnt meist der Austausch

Eigentlich ist der Heizungs-Check ganz einfach: Man geht im T-Shirt in den Heizungsraum und fragt sich: „Ist es hier wärmer als in den anderen Kellerräumen?“ Lautet die Antwort „Ja“, ist der Heizkessel veraltet. Denn neue Kessel verfeuern ihren Brennstoff nicht nur viel effizienter, sie sind auch wirksam wärmegedämmt.

Es gibt aber auch eine Faustregel, die Energieexperten immer wieder anführen: Ist ein Gerät älter als 15 Jahre, lohnt sich oft der Austausch. Moderne Brennwertkessel benötigen 10 bis 25 Prozent weniger Brennstoff als in die Jahre gekommene Heizwertkessel. Hinzu kommt oft eine Ersparnis durch die integrierte Heizungspumpe, die bis zu 90 Prozent weniger Strom verbraucht als ihre Vorläufer aus den 1980er-Jahren.

Möglichkeit 1: Effizienzlabel vom Schornsteinfeger

Um Hausbesitzern ein schärferes Bewusstsein für das Sparpotential zu vermitteln, gibt es das Energielabel für alte Heizungen. Seit Anfang 2017 sind die Bezirksschornsteinfeger in der Pflicht, dieses Label zu vergeben – allerdings nur stufenweise. Zunächst erhalten es alle Öl- und Gasheizungen, die mindes­tens 26 Jahre alt sind. Sie erreichen technologisch bedingt bestenfalls die Effizienzklasse C. Jährlich kommen andere Altersklassen dazu, bis ab 2024 alle Kessel, die älter sind als 15 Jahre, gekennzeichnet werden.
Kosten: keine
. Nach § 19 des Energieverbrauchskennzeichnungsgesetzes (EnVKG) muss der Eigentümer diese Maßnahme zwar dulden, aber nichts dafür bezahlen. Aber: Beauftragt der Eigentümer selbst einen sogenannten „berechtigten Akteur“ (zum Beispiel einen Heizungshandwerker) damit, seinen Kessel zu labeln, muss er dafür eventuell anfallende Kosten selbst tragen.
Das bringt das Effizienzlabel
Es informiert über den technolgischen Stand der Heizung; Regelung, Einstellung und Warmwasserbereitung werden nicht bewertet. Ein „schlechtes“ Label verpflichtet nicht zum Austausch.

Möglichkeit 2: Heizungscheck vom Fachhandwerk

Der Heizungscheck, den Installateure anbieten, ist umfassender. Dieser „Heizungscheck 2.0“ bewertet die ganze Anlage vom Wärmeerzeuger bis zum Thermostatventil. Einige Messungen gehören zum Check dazu. Der Hausbesitzer bekommt eine Analyse der Schwachstellen und kann anhand einer Tabelle sehen, wie die Effizienz der Anlage zu bewerten ist. Teil der Bewertung ist auch das Energielabel.
Kosten: ca. 120 Euro für ein Einfami­lienhaus.
Das bringt der Heizungscheck 2.0
Eine umfassende Information über den Stand der gesamten Anlage. Sie kann die Basis sein, um ein Angebot zur Modernisierung oder zum Austausch erstellen zu lassen. 

Möglichkeit 3: Heiz-Check der Verbraucherzentralen

Bei diesem Check kommt der Energieexperte zu zwei Terminen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen für eine 24-Stunden-Messung. Geprüft wird nicht nur der Zustand der Technik, sondern auch die Einstellung und Effizienz des gesamten Systems. Das Ergebnis wird in einem standardisierten Kurzbericht mit Handlungsempfehlungen zusammengefasst.
Kosten: 40 Euro

Das bringt der Heiz-Check
Eine um­fassende Analyse und Handlungsempfehlungen vom unabhängigen Fachmann und damit die Basis, um Fachfirmen zu einem Angebot aufzufordern. Am Ende der gründlichen Überprüfung steht eine Amortisations­rechnung. Dazu muss ein konkretes Angebot für die Modernisierung vorliegen, eine belastbare Schätzung des Einsparpotentials durch einen Ener­gieberater und eine plausible Prog­nose der Ener­giepreise. Anhand dieser Daten lässt sich dann ausrechnen, ab wann sich die Investitionskosten über die ­Energieersparnis bezahlt machen.

Leser fragen, Experten antworten

Frage zum Thema Planung & Förderung An wen kann man sich wenden, um bei der Erneuerung der Heizung konkret beraten zu werden?

In der Vergangenheit wurde der Austausch einer Heizungsanlage ohne Berücksichtigung der energetischen Situation des Hauses – einfach „Alt gegen Neu“ – durchgeführt, ohne die Tatsache zu beachten, dass der Heizenergieverbrauch nicht nur von der Heizungsanlage selbst sondern von den örtlichen Verhältnissen abhängig ist. Aussagen oder Empfehlungen von Heizungsanlagen, deren Leistung und Energieverbrauch sind jedoch nur möglich, wenn genaue Angaben über die energetische Situation des gesamten Hauses in allen Einzelheiten vorliegen.

  • Größe und Wohnfläche des Hauses
  • Aufbau und Wärmedämmung der Außenwände
  • Zustand der Fenster
  • Ausbauzustand und Wärmedämmung des Daches oder des Dachgeschosses
  • Wärmedämmung des Hauses gegenüber dem Keller
  • Art der Warmwasser-Versorgung

In der Vergangenheit wurden Heizungsanlagen stark überdimensioniert eingebaut, wodurch viel Heizenergieverbrauch verbraucht wurde. Um das für die Zukunft zu vermeiden, sollte vor dem Einbau einer neue Heizung genau überlegt werden, welche Kesselleistung tatsächlich erforderlich ist, und ob durch Verbesserung der Wärmedämmung, durch den Einbau neuer Fenster usw. die Heizleistung und damit der Heizenergieverbrauch gesenkt werden kann.

Aus diesem Grunde empfiehlt es ich, bevor Sie eine Maßnahme beginnen oder sich für ein bestimmtes Produkt entscheiden, einen unabhängigen Energieberater mit der Begutachtung Ihres Hauses/Ihrer Wohnung zu beauftragen. Viele Eigentümer verlassen sich auf den Rat ihrer Heizungsfirma oder vertrauen guten Freunden und Kollegen. Allerdings haben die wenigsten davon ein umfassendes Konzept. Sie sehen nur ihr eigenes Gewerk und nicht das Haus als Ganzes. Zudem sind viele ortsansässige Handwerker auf ein bestimmtes Produkt oder einen bestimmten Hersteller eingeschworen. Deshalb ist es ganz wichtig, eine neutrale, umfassende Beratung über sämtliche auf dem Markt befindliche Produkte und innovative Lösungen zu bekommen. Längst nicht alle „Energieberater im Handwerk“ sind vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zertifiziert oder sind in der „Dena-Liste“ der Deutschen Energiespar-Agentur (www.energie-effizienz-experten.de) aufgeführt.

Seit dem 01. Juni 2013 gewährt die KfW-Bank nur dann Kredite und Zinszuschüsse, wenn für die Planung oder die Begleitung einer energetischen Maßnahme ein bei der KfW-Bank zertifizierter Energieberater tätig wird. Es werden nur noch Energieberater akzeptiert, die in der Datenbank www.energie-effizienz-experten.de aufgeführt sind. Sanierungen, die ein Experte begleitet, der nicht in der Datenbank aufgeführt ist, werden nicht mehr gefördert.

Allerdings verrät auch die Experten-Listen nicht, ob der Energieberater z. B. ein Architekt ist und sich daher besonders für Planungsaufgaben eignet, oder ob es sich um einen Heizungsfachmann handelt, der auf Haustechnik spezialisiert ist. Aus diesem Grund sollten Sie mit dem in Aussicht genommenen Energieberater ein unverbindliches Vorgespräch führen. Fragen Sie ihn nach seiner Qualifizierung, nach Referenzen und Arbeitsschwerpunkten, bevor Sie ihn mit der Untersuchung Ihres Hauses/Ihrer Wohnung beauftragen.

Nachdem der durch die KfW-Bank zertifizierte Energieberater Ihr Haus/Ihre Wohnung genau untersucht hat, bekommen Sie einen Bericht. Darin wird der „Ist-Zustand“ des kompletten Hauses/der Wohnung ausführlich analysiert. Der Energieberater schlägt mehrere Varianten für eine Modernisierung und Verbesserung vor und rechnet Kosten und die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Varianten durch. Zusätzlich gibt er Ihnen Auskunft darüber, welche Fördermittel Sie erhalten können. Diese Beratung ist absolut unverbindlich. sie verpflichtet Sie zu nichts und lässt Ihnen jeden Spielraum. Sie können freiwillig entscheiden, ob und welche Maßnahmen Sie durchführen möchten.

Was viele Bauherren nicht wissen: Der Energieberater kann nicht nur Maßnahmen empfehlen, er kann – die entsprechende Qualifikation vorausgesetzt – zusätzlich die fachgerechte Ausführung der Modernisierungsmaßnahmen überwachen. Auf diese Weise können Fehler, die immer wieder auftreten, noch während der Bauphase behoben werden.

Nur die von der KfW-Bank zertifizierten Energieberatern durchgeführte „Vor-Ort-Beratung“ wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gefördert. Die ausführliche Beratung kann für ein Einfamilienhaus bis zu 750 € kosten, jedoch übernimmt das Bafa davon 400 €, bei Häusern mit drei Wohnungen 360 €. Macht der Berater eine thermografische Untersuchung (Wärmebild), wird diese zusätzlich mit 100 € bezuschusst; gibt er auch Hinweise zum Stromsparen, kommen noch einmal 50 € dazu. Der gesamte Förderbetrag ist jedoch auf 50% der Beratungskosten begrenzt. Alle Zuschüsse beantragt der Berater. Sie werden an ihn gezahlt, und er gibt die Zuschüsse an Sie weiter. Auf der Abrechnung der Beratungskosten muss der Zuschuss für den Auftraggeber sichtbar und nachprüfbar aufgeführt werden.

Die Anschrift des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle lautet:
Frankfurter Straße 29 – 31
65760 Eschborn/Ts.
Telefon: (0 61 96) 9 08 – 0
www.bafa.de

Wenn Sie zunächst eine Einschätzung haben möchten, ob Ihr Haus zu viel Energie verbraucht, wenden Sie sich an die nächst gelegene Verbraucher-Zentrale (VZ). In mehr als 400 Orten beraten erfahrene Fachleute zur Energie-Einsparung und zum Einsatz erneuerbarer Energien in privaten Wohngebäuden. In der Regel werden folgende Themen besprochen:

  • Haustechnik (z. B. Heizungsanlagen, Regeltechnik/Steuerung, Wärmepumpen, Lüftungsanlagen)
  • Baulicher Wärmeschutz (z. B. Wärmedämmung, Dämm-Materialien, Dämmstoffdicken, Wärme-/Kältebrücken)
  • Stromverbrauch (z. B. Haushaltsgeräte, Stand-by, Kennzeichnung des Energieverbrauchs)

Die Beratung findet nach einer Terminabsprache in der jeweiligen Beratungsstelle statt. Zu diesem Gespräch sollten Sie – soweit vorhanden – schriftliche Unterlagen mitbringen, die es dem Berater erleichtern, schnell einen Überblick zu erhalten:

  • Baupläne des Hauses /der Wohnung
  • das Schornsteinfegerprotokoll der letzten Überprüfung Ihrer Heizung
  • alle Energiekosten-Abrechnungen der letzten Jahre (die Rechnungen für Heizöl, Gas, Fernwärme oder Strom)
  • eventuell aussagekräftige Fotos spezieller Einzelheiten (z. B. das zu dämmende Dach, Fußboden des Dachbodens, Partien mit Schimmelbildung)

Für diese qualifizierte Beratung hat der Ratsuchende einen Kostenbeitrag von 20 € zu zahlen. Der weitaus größere Anteil der weiteren Kosten wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) getragen. Zunächst wird versucht, die Beratung in der Beratungsstelle der Verbraucher-Zentrale (VZ) durchzuführen. Für den Fall, dass sich die Energie-Situation sich dort nicht abschließen klären lässt, kann ein Ortstermin vereinbart werden, bei dem ein Fachmann, das Haus/die Wohnung in Augenschein nimmt und anschließend eine individuelle Lösung dafür ausarbeitet. Für einen solchen Ortstermin wird ein Eigenanteil von 45 € berechnet, der vom Bafa erheblich bezuschusst wird.

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