Neue Fenster einbauen: darauf sollten Sie achten
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Neue Fenster einbauen: darauf sollten Sie achten

Moderne Fenster verbessern Energiebilanz und Wohnkomfort. Auch für die notwendige Lüftung sorgen viele neue Modelle gleich selbst

Foto: AK PIEPENBRINK

Undichte Fugen, veraltete Verglasung, Design oder unzureichender Einbruchschutz – es gibt meist viele Gründe, die Hausbesitzer zu einem Fenstertausch veranlassen. Nicht selten spielt Wohnbehaglichkeit, Bedienkomfort, Sicherheit oder Ästhetik sogar eine viel größere Rolle als das Energiesparen. Entscheidend ist,dass die neuen Fenster qualitativ hochwertig und technisch ausgereift sind und die aktuellen Anforderungen in Sachen Wärmeschutz erfüllen.

Dipl.-Ing. Jürgen Benitz-Wildenburg Foto: Public Domain

Dreifachverglasung fast schon Standard

Ein Muss ist heute eine Wärmeschutzverglasung. Klassische Zweischeiben- Isolierverglasungen, die bis 1995 verbaut wurden, sind längst überholt. Bei moderner Wärmeschutzverglasung sorgen mit Edelgas gefüllte Scheibenzwischenräume und eine durchsichtige Metallschicht dafür, dass möglichst wenig Wärme hinausgelassen wird, aber dennoch wärmende Licht strahlen von außen eindringen können. Das führt nicht nur zu einer deutlichen Energieersparnis, sondern auch zu mehr Wohnkomfort. Wärmeschutzfenster haben zwei oder drei Scheiben. Effizientes Dreischeiben-Wärmedämmglas gibt es etwa seit 2005. „Viele Hersteller bieten Dreifachglas bereits standardmäßig an“, sagt Dipl.- Ing. Jürgen Benitz-Wildenburg vom Institut für Fenstertechnik (ift Rosenheim). Auch der Lärmschutz, den ein Fenster bietet, hängt vor allem von der Verglasung ab. Erreicht wird die Wirkung beispielsweise durch einen höheren Glasanteil oder durch Schallschutzfolien.

Foto: Kneer

Kunststofffenster dominieren den Markt

Als Material für Fensterrahmen sind Kunststoff, Holz oder Metall sowie Kombinationen dieser Stoffe üblich. „Nahezu alle Anforderungen lassen sich mit jedem Rahmenmaterial erfüllen“, erklärt Fensterexperte Benitz-Wildenburg. Dominiert wird der Markt in Deutschland mit einem Anteil von rund 58 Prozent von Kunststofffenstern. Für einen relativ geringen Preis erhält man in der Regel ein langlebiges, robustes und witterungsbeständiges Produkt. Etwa 25 bis 50 Jahre beträgt die Lebensdauer. Von Nachteil ist, dass die Rahmen relativ häufig gereinigt werden müssen, weil durch statische Aufladung viel Staub und Schmutz angezogen wird. Der Baustoff Holz steht für Natürlichkeit – für eine Gestaltung, die wertbeständig, ökologisch und ästhetisch ist. Holz hat eine lange Tradition beim Fensterbau. Es dämmt gut und verbessert das Wohnklima dank der Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit. Fensterlösungen mit Holz sind allerdings gut 30 Prozent teurer als Kunststofffenster. Ein Nachteil ist zudem die Pflegeintensität: Holz muss regelmäßig gestrichen und mit Pflegeöl behandelt werden. Mit Aluminiumfenstern, die bislang noch nicht so verbreitet sind, lässt sich eine elegante Optik schaffen. Sie sind eine langlebige, einbruchhemmende und wartungsarme Lösung. Der Nachteil ist die schlechte Wärmedämmung. Alte Alufenster, bei denen der Rahmen aus einem Stück gefertigt wurde, sind echte Energieschleudern. Aluminiumrahmen müssen daher aufwendig gedämmt werden. Reine Alufenster sind deshalb in der Regel 50 Prozent teurer als Holzfenster. Eine perfekte Symbiose bilden Fensterrahmen, die Holz und Aluminium kombinieren. Die Innenseite besteht aus Holz, das für natürliche Ästhetik und gute Wärmedämmung sorgt. Das robuste Aluminium schützt nach außen hin. Durch Lackoder Eloxaloberflächen lässt sich für das Aluminium auch jede Farbe realisieren, sogar eine Holzoptik ist möglich. Als Nachteil solcher Holz- Alu-Fenster bleibt allein der hohe Preis, der um rund 25 Prozent höher liegt als bei reinen Holzfenstern.

Sparchek

  1. Fenster haben sich dank Wärmeschutzglas und gedämmter Rahmen von Energieschleudern zu Energiesparern entwickelt.
  2. Bei der energetischen Sanierung auch an die Rollladenkästen und die Haustür denken! Die EnEV fordert für neue Fenster einen U-Wert von 1,3 W/m²K; das ist durch eine gute Zweischeiben-Wärmeschutzverglasung zu erreichen.
  3. Fenster mit gut gedämmtem Rahmen sowie Dreifachverglasung erreichen U-Werte von 0,7 und besser.
  4. Ein Fenster im Standardmaß von 1,30 mal 1,30 Meter mit einem U-Wert von 0,95 W/ m2K kostet inkl. Einbau:
    • mit Kunststoffrahmen ca. 465 Euro
    • mit Holzrahmen ca. 610 Euro
    • mit Holz-Alu-Rahmen ca. 760 Euro 

Im Musterhaus gehen die Energieverluste durch die Sanierung von Fenstern, Rollladenkästen und Haustür um rund 4.400 kWh zurück. Das entspricht einer Brennstoffeinsparung von rund neun Prozent. Bei den aktuellen Brennstoffkosten (Erdgas) bedeutet das eine Einsparung von rund 290 Euro Heizkosten im Jahr.

Einbau muss fachgerecht erfolgen

Aber die besten Materialien nutzen wenig, wenn der Einbau nicht fachgerecht erfolgt. „Komplexe Modernisierungsmaßnahmen der Fens ter gehören in die Hand des Fachmanns“, sagt Dipl.-Ing. Jörg Nowitzki vom Bauherren-Schutzbund e.V. Auch eine Kontrolle der Einbauarbeiten durch unabhängige Sachverständige ist empfehlenswert. Der Austausch fängt recht einfach mit dem Ausbau des alten Fensters an: Es gilt, die Flügel auszuhängen und mit einer Säge den Rahmen zu durchschneiden, um dann die Rahmenstücke vorsichtig aus der Laibung zu entfernen. Das neue Fenster wird in die Öffnung zunächst grob eingesetzt. Mittels einer Wasserwaage wird das Fenster horizontal und vertikal in die Waage gebracht. Neben dem Bohren und Verschrauben einer lastabtragenden Verbindung mit dem Mauerwerk gilt es zu dämmen und abzudichten. Entscheidend für den Modernisierungserfolg ist, dass die Fensteranschlussfugen dauerhaft luftundurchlässig ausgebildet werden. Raumseitig ist eine umlaufende Abdichtung der Fuge zwischen Blendrahmen und Baukörper erforderlich. Der Zwischenraum von Fensterrahmen und Baukörper ist vollflächig mit einem Dämmstoff auszufüllen. „Doch genau bei der Kontrolle dieser Fensteranschlussfugen sind oft Mängel zu erkennen“, berichtet Energieberater Nowitzki. Diese Fuge sollte immer in voller Fensterrahmenbreite mit Dämmstoff (meist spritzfähigem Dämmschaum) ausgefüllt werden. 

An der Fensterrahmenkante werden umlaufend innen und außen Dichtbänder angebracht Foto: Kneer

Damit keine Wärmebrücken entstehen, wird die Bauanschlussfuge mit Montageschaum verfüllt Foto: Kneer

Bei großen Fenstern werden die Scheiben erst in die eingebauten Rahmen eingesetzt Foto: Kneer

Ausreichender Luftaustausch muss gewährleistet sein

Die alten undichten Fenster sorgten oft – wenn auch unfreiwillig – für einen ausreichenden Luftaustausch. Die Dichtigkeit der neuen Fenster verlangt daher nach einem angepassten Lüftungsverhalten, um die Raumluftqualität zu gewährleisten. Die DIN 1946-6 schreibt sogar vor, dass bei Sanierungen von Ein- und Mehrfamilienhäusern, bei denen mehr als ein Drittel der Fenster ausgetauscht werden, ein Lüftungskonzept erstellt werden muss. Dazu muss ein Fachmann prüfen, ob lüftungstechnische Maßnahmen notwendig sind. Im zweiten Schritt erfolgt gegebenenfalls die Auswahl eines geeigneten Lüftungssystems. Zu hohe Feuchtigkeit im Raum kann zu Schimmelbildung führen. „Es gilt, kontrolliert und bedarfsgerecht zu lüften“, so der Expertenrat vom Verband Fenster + Fassade (VFF). Das geht auf drei Arten: klassisch per Hand, mittels in die Fenster integrierter Fensterlüfter oder durch automatisierte Elemente. Gängige Maßnahme zum Abbau der Feuchtigkeit ist die manuelle Lüftung durch das Öffnen der Fenster. Mit intelligenter Technik funktioniert das auch automatisch. Ein in den Beschlag integrierter Fensterantrieb ermöglicht in Kombination mit Sensoren oder Zeitschaltuhren ein vollautomatisches Kippen und Verriegeln von Fenstern. Idealerweise wird ein solcher Fensterantrieb zur elektrischen Kipplüftung in ein System intelligenter Hausautomation integriert, das unterschiedliche Bereiche wie Licht, Jalousien, Heizung und die Lüftung vernetzt. Eine andere Möglichkeit sind Fensterfalzlüfter. Sie führen frische Luft unter die Wohnungsdecke. Eingebaut sind sie meist verdeckt im oberen Fensterfalz. Diese Lüfter wirken rein mechanisch ohne Energieversorgung und arbeiten wartungsfrei. Auf Winddruckänderungen reagieren sie selbständig. Am effektivsten ist eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Bei der Nachrüstung nach einem Fenstertausch bieten sich wegen des geringeren Montage aufwands in erster Linie die günstigeren dezentralen Lösungen an. Viele Hersteller integrieren solche Anlagen für eine ventilatorgestützte Fensterlüftung bereits in den Rahmen oder in die Laibung. Ein Wärmetauscher überträgt die Wärme der Abluft auf die kalte Zuluft und sorgt so für frische Luft ohne große Wärmeverluste.

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