Lüftungsanlagen: Wie sie wirken, was sie kosten
Fenster & Türen

Lüftungsanlagen: Wie sie wirken, was sie kosten

Luftqualität verbessern, Heizkosten senken, Schimmel vermeiden - so funktioniert die kontrollierte Wohnungslüftung in Neu- und Altbauten

Foto: iStock

Diese Logik kennen wir mittlerweile: Weil energieoptimierte Häuser möglichst luftdicht sein müssen, reicht der natürliche Luftwechsel nicht aus, um eine gute Raumluftqualität und den Abtransport der Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten. Dafür benötigt man eine Lüftungsanlage. Sie hilft, die Wärmeverluste über die Fensterlüftung zu minimieren und die Energiekosten weiter zu reduzieren.

Geringere Schadstoffbelastung, weniger Lärm dank Wohnraumlüftung

In Häusern, in denen eine Anlage zur kontrollierten Wohnraumlüftung ihren Dienst verrichtet, lebt es sich gesünder, weil die Schadstoff­be­lastung der Raumluft deutlich niedriger ist. Das bewies zuletzt eine österreichische Studie zur Bewohnergesundheit und Raumluftqualität in energieeffizienten Neubauten. Ver­glichen wurde die ­Schadstoffbelas­tung in Häusern mit kontrollierter Wohn­raum­lüftung und ohne, und das Ergebnis hätte nicht klarer ausfallen können: Ob Kohlendioxid, Formal­dehyd oder flüchtige organische Verbindungen, kurz VOC – in den Häusern mit Wohnraumlüftung war die Belas­tung signifikant niedriger. 

Auch bei einem weiteren Aspekt der Gesundheit kann eine Lüftungsanlage hilfreich sein: beim Schutz vor Lärm. An stark befahrenen Straßen, inmitten der Großstadt oder in einer Einflugschneise sorgt die Anlage für frische Luft, ohne dass durch geöffnete Fenster eine Lärmbelästigung entsteht. Außerdem profitieren Allergiker sehr, wenn dank der kontrollierten Lüftung deutlich weniger Staub und Pollen in die Wohnräume gelangen.

Lüftungsgeräte sorgen auf Dauer für gute Luft und sparen dazu Energie Foto: Stiebel Eltron

Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung ... Foto: Stiebel Eltron

... gibt es als zentrales System fürs ganze Haus Foto: Stiebel Eltron

Lüftungskonzept bei Neubauten

Für Neubauten oder bei Modernisierungen mit so genannten lüftungstechnisch relevanten Änderungen (Fensteraustausch, Wärmedämmung etc.) muss nach DIN 1946-6 für jede Nutzungseinheit (Wohnung) ein Lüftungskonzept erstellt werden. Dabei prüft ein Fachmann, ob lüftungstechnische Maßnahmen notwendig sind, und wählt gegebenenfalls ein geeignetes Lüftungssystem aus.

Die Norm ist sowohl für die Produkte selbst als auch für deren Einsatzgebiete und -arten gültig. Zudem fordert auch die Energieein­sparverordnung (EnEV) einerseits eine dichte Gebäudehülle nach den Regeln der Technik, andererseits einen notwendigen Mindestluftwechsel. Dies ist allein durch den Infiltrations- und freien Luftwechsel bei heutigen Dichtheitswerten kaum mehr möglich. Das heißt in vielen Fällen, dass lüftungstechnische Maßnahmen erforderlich werden.

Weil das Lüften von Hand über die Fenster oft zu aufwendig und mit zu hohen Energieverlusten verbunden ist, kommt hier oft die so genannte kontrollierte Lüftung zum Zuge: Verbrauchte Luft aus den Innenräumen wird ab- und gleichzeitig frische Luft von außen wieder zugeführt.

Unterschied Abluftanlage/kombiniertes Zu- und Abluftsystem

In Neubauten werden dafür vorrangig zentrale Lüftungsanlagen eingebaut. Hier lässt sich das benötigte Luftkanalsystem schon während der Bauphase installieren. Grundsätzlich unterscheidet man reine Abluftanlagen und kombinierte Zu- und Abluftsysteme.

  • Bei der Abluftanlage wird die verbrauchte Luft aus Fluren, Abstell- und Feuchträumen wie Küche und Bad/WC nach draußen abgezogen. Über spezielle Außenluftdurchlass­elemen­te gelangt ­frische Außenluft in die Wohnräume. Das können zum Beispiel Fensterventile sein, die verdeckt in den Blendrahmen eingebaut werden.
  • Bei einem kombinierten Zu- und Abluftsystem ist ein Zentrallüftungsgerät mit zwei Ventilatoren das Herzstück der Anlage. Der Abluftventilator zieht die verbrauchte Luft ins Freie. Der Zuluftventilator transportiert frische Luft in die Wohn- und Schlafräume. 

Auch in Altbauten lassen sich dezentrale Lüftungsgeräte (hier von Zehnder) dezent integrieren Foto: Zehnder

Über einen Durchlass in der Außenwand versorgen dezentrale Lüftungsgeräte einzelne Räume mit Frischluft Foto: Zehnder

Dezentrale Lüftungsanlagen für Alt- und Bestandsbauten

Für energetisch sanierte Alt- und Bestandsbauten sind wegen des deutlich geringeren baulichen Aufwands vor allem dezentrale Lüftungsanlagen geeignet. Je nach Bedarf können sie auch nur in einzelnen Räumen installiert werden, die ein hohes Maß an Luftfeuchtigkeit aufweisen, wie zum Beispiel Küchen und innen liegende Bäder oder WCs. Damit das optische Erscheinungsbild nicht zu sehr beeinträchtigt wird, sollte bei der In­stallation auf geschickt verbaute Schächte und kurze Rohrleitungen geachtet werden.

Prinzip und Wirkungsweise entsprechen denen der zentralen Systeme: Abluftventilatoren in den Außenwänden transportieren verbrauchte Luft ins Freie. Durch den entstehenden Unterdruck wird frische Luft durch die entsprechenden Außenluftdurchlasselemente eingesogen. So wird für einen automatischen und bedarfsgerechten Luftaustausch gesorgt.

Die Lüftungsanlage sollte mit sehr leisen Ventilatoren ausgestattet sein. Außerdem muss das System schallentkoppelt installiert werden, damit eine Geräuschübertragung auf die umliegenden Räume verhindert wird.

In der kalten Jahreszeit kann auch der kontrollierte Luftaustausch zu erheblichen Wärmeverlusten führen. Denn durch die Abluftanlage wird warme Luft nach außen transportiert, während kalte Luft nach innen gelangt. Das lässt sich vermeiden, wenn die Lüftungsanlage mit einer Wärmerückgewinnung ausgerüstet wird, die die angesaugte Frischluft vorwärmt. Dadurch können 75 bis 90 Prozent der Abluftwärme auf die Zuluft übertragen werden.

Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung gibt es auch als dezentrale Lösung, zum Beispiel im Fensterrahmen Foto: Schüco

Kosten einzelner Lüftungs-Anlagen

Je nach Bauvorhaben sind also unterschiedliche Systeme sinnvoll: Reine Abluftanlagen kosten für einen Neubau ca. 2.500 Euro. Empfehlenswert sind auch für Neubauten allerdings Anlagen mit Wärmerückgewinnung, die in das Heizungssystem eingebunden sind. Sie entziehen der Abluft Energie, erhöhen die Effizienz deutlich und kosten ca. 5.000 bis 7.000 Euro.

Im Altbau kann die Installation einer zentralen Lüftungsanlage mit Kos­ten von bis zu 10.000 Euro verbunden sein, da die Luftkanäle nachträglich eingebaut werden müssen. Über die Heizkostenersparnis wird sich das eher nicht amortisieren. Als einfache Variante der Nachrüstung empfehlen sich wie oben beschrieben dezentrale Anlagen mit Wärmerückgewinnung oder Fenster mit integrierter Lüftung.

Gutes Raumklima

Foto: AdobeStock

Gutes Raumklima

Drei Faktoren sind für ein gutes und gesundes Raumklima relevant

Die Raumluftfeuchte
Sie sollte einen Wert von 40 bis 60 Prozent aufweisen. Dieser lässt sich ganz einfach mit einem Hygrometer messen und überwachen. Bis zu zehn Liter Feuchtigkeit pro Tag entstehen im Schnitt in einer dreiköpfigen Familie. Diese Feuchtigkeit wird von der Raumluft aufgenommen. Die Luftfeuchtigkeit der Raumluft wird in Verbindung mit einer bestimmten Temperatur angegeben – denn je höher die Temperatur, umso mehr Wasser kann gebunden werden. Kühlt die 20 Grad warme Raumluft an den Außenwänden in der Raumecke deutlich ab, steigt die „relative Luftfeuchtigkeit“ hier – obwohl keine zusätzliche Feuchtigkeit hinzugekommen ist – weiter an. Die Folge: An dieser Stelle können sich Schimmelpilze bilden, die – neben der Gesundheit der Bewohner – auch die Bausubstanz des Gebäudes angreifen können. Eine Lüftung mit Abtransport der feuchten Raumluft ist daher unerlässlich. Das eigenständige, regelmäßige Öffnen von Fenstern ist allerdings schon rein organisatorisch schwer zu realisieren. Die Sicherheit, 24 Stunden am Tag eine behagliche und bauphysikalisch unkritische Raumluftqualität zu garantieren, bietet daher nur der Einsatz eines Lüftungsgerätes. 

Die Raumtemperatur
Die empfohlene Zimmertemperatur in Wohnräumen beträgt rund 21 bis 22 Grad Celsius. Das Schlafzimmer darf mit ca. 18 Grad Celsius etwas kühler sein.

Die Luftqualität 
Die CO2-Werte sollten ein Level von 500 ppm (parts per million) nicht übersteigen. Durch den Atem der Bewohner und so genannte flüchtige organische Verbindungen aus Reinigungsmitteln, Wohntexti­lien, Druckern, Tabakrauch und aus der Küche sowie dem WC reichert sich die Luft mit Stoffen wie CO2 oder dem radioaktiven Edelgas Radon, Keimen und Feinstaub an. Durch einen regelmäßigen Luft­austausch werden diese unangenehmen oder sogar gesundheits­gefährdenden Stoffe „rausgelüftet“.

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