Wärmedämmung: 18 Fragen und Antworten zur richtigen Ausführung
Energie sparen

Wärmedämmung: 18 Fragen und Antworten zur richtigen Ausführung

Außenwanddämmung, Hinterlüftung, Wärmedämm-Verbundsystem, Schimmelbildung: alle relevanten Fragen zu Dämm-Techniken, wie sie wirken, was sie leisten

Foto: Ingo Bartussek/AdobeStock

Frage 1: Hausfassade – welche Vor-und Nachteile hat ein Wärmedämmverbundsystem?

Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) spielt bei der Dämmung der Außenwand in Deutschland die größte Rolle. Es bietet eine gute Systemlösung für die Sanierung. Dämmplatten aus Polystyrol (EPS) sind aus Kostengründen meist der Standard. Vorteile des WDVS: Nicht nur Energieverluste werden begrenzt, sondern auch der Wohnkomfort verbessert und die Bausubstanz geschützt. Der Schimmelbildung wird vorgebeugt, und die volle Wohnfläche bleibt erhalten.

Wegen der relativ hohen Kosten ist ein WDVS ökonomisch vor allem dann sinnvoll, wenn ohnehin Sanierungsarbeiten anstehen. Durch die Aufpolsterung der Außenwand fällt nach der Sanierung mit einem WDVS allerdings oft weniger Sonnenlicht durchs Fenster – es entsteht ein Schießscharteneffekt. Die aufwendige Ideallösung wäre, beim Aufbringen einer Außendämmung die Fenster so zu versetzen, dass sie bündig auf der Dämmebene der Außenwand liegen. Für eine schlankere, aber effiziente Kon­struktion des WDVS eignen sich Platten aus Polyurethan oder Phenolharz. Als nachwachsende Naturstoffe bieten sich Kork oder Hanf an. 

Frage 2: Wie wird ein WDVS installiert?

Das WDVS kann praktisch an jeder Fassa­de installiert werden. Allerdings ist die Montage aufwendig, weil das Gebäude zunächst eingerüstet werden muss. Hohe Anforderungen werden an die Handwerker gestellt.

Das WDVS muss lückenlos und hohlraumfrei installiert werden. Auf dem alten Putz an der Außenseite der Hauswand wird – falls erforderlich – eine Grundierung aufgetragen, damit der Untergrund tragfähig ist. Darauf werden die Dämmplatten geklebt und meist noch verdübelt. Im nächsten Schritt wird auf den Dämmplatten eine Armierung aufgebracht, die noch verputzt wird.

Frage 3: Besteht bei der Polystyrol-Fassaden­dämmung eine besondere Brandgefahr?

Durch Medienberichte ist das WDVS aus Polystyrol in die Kritik geraten. Es heißt, dass Brandherde wie eine brennende Mülltonne auf die Fassade übergreifen könnten. Grundsätzlich gilt, dass Polystyrol schwer entflammbar ist. Bei fachgerechter Montage und ausgestattet mit so genannten „Brandriegeln“ (oft Platten aus unbrennbarer Mineralwolle) gelten WDVS als hinreichend sicher. Wer gar kein Risiko eingehen will, greift ganz zu Platten aus Glas- oder Steinwolle der Brandschutzklasse A1. 

Frage 4: Welche Vorteile hat eine hinterlüftete Fassade?

Bei einer Dämmung mit einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) sind die Witterungsschicht und die Dämmung durch eine Hinterlüftung baulich getrennt. Der große Vorteil der VHF sind die vielen Gestaltungsmöglichkeiten. Putz­optik oder Klinkerfassaden lassen sich nachahmen. Auch dieses System bietet sich aufgrund der hohen Kosten für Altbauten vor allem dann an, wenn die Fassade saniert werden soll. Den Investitionen stehen eine lange Lebensdauer und ein geringer Wartungsaufwand gegenüber. 

Frage 5: Kerndämmung der Außenwand – eignet sich mein Haus dafür?

Voraussetzung für eine Kerndämmung an der Fassade ist ein zweischaliges Mauerwerk. Der Dämmstoff (meist loses Granulat) wird in die Hohlschicht zwischen den beiden Mauerschalen mittels Druckluft eingeblasen. Vorteil: Die Fassade bleibt erhalten, und es geht kein Wohnraum verloren. Nachteil: Die Dämmstoffdicke ist durch die Größe des vorhandenen Hohlraums vorgegeben. Eine Alternative zum Einblasverfahren ist das Einbringen von Ort­schaum. Bei der Aushärtung des Schaums kann eine Belastung durch Formaldehyd auftreten. 

Innendämmung: Das Dämm-Material wird von innen angebracht; Schutz vor Feuchtigkeit (hier mit Dampfbremse) ist wichtig

Kerndämmung: Bei zweischaligem Mauerwerk wird der zur Verfügung stehende Luftzwischenraum mit Dämm-Material ausgefüllt

Hinterlüftete Fassade: Die Wärmedämmung wird außen an­gebracht und durch eine vorgehängte hinterlüftete Fassade geschützt

Wärmedämmverbundsystem: Die Dämmplatten werden lückenlos direkt auf der Fassade angebracht und anschließend verputzz

Frage 6: Wie dämme ich die Außenwand, wenn die Optik erhalten bleiben soll?

Eine Innendämmung ist die erste Wahl, wenn die Optik der Fassade aus Gründen des Denkmalschutzes oder des persönlichen Geschmacks erhalten bleiben soll und eine Kerndämmung nicht möglich ist. Bei der Innendämmung muss mit äußerster Präzision vorgegangen werden. Ansonsten ist die Gefahr der Bildung von Nässe und Schimmel hoch.
Selbst bei sehr sorgfältigem Vorgehen lassen sich Wärmebrücken kaum vermeiden. Es kommen fast alle üblichen Dämmstoffe infrage. Wichtig ist eine Lösung, um die Durchfeuchtung der Dämmschicht durch die feuchte Innenraumluft zu vermeiden. Das erfordert entweder eine lückenlose Dampfbremse oder einen diffusionsoffenen Aufbau.

Frage 7: Erhöht sich durch Dämmung das Risiko der Schimmelbildung?

Nein, richtig ausgeführt sinkt das Schimmelrisiko durch die energetische Sanierung sogar. Schimmel kann entstehen, wenn sich der in der warmen Raumluft enthaltene Wasserdampf an den zu kalten Außenwänden niederschlägt. Sind die Außenwände gut gedämmt, bleiben die Wände warm. Deshalb ist es so wichtig, Wärmebrücken zu vermeiden. Bei hocheffizient gedämmten Häusern gilt es jedoch für ausreichend Lüftung zu sorgen. Wer sichergehen will, baut eine Lüftungsanlage ein.

Frage 8: Bilden sich auf einer Fassaden­dämmung vermehrt Algen?

Das Risiko steigt, weil weniger Wärme von innen nach außen dringt und die Außenwand dadurch kälter ist. Grüne Beläge auf der Fassade entstehen nämlich, wenn der Außenputz der Fassade kälter als die Luft ist und sich über längere Zeiträume Feuchtigkeit niederschlägt. Das kommt auch häufig bei Balkonen und unbeheizten Gebäuden vor. Am besten ist es, Risikofaktoren zu reduzieren, das heißt, für ausreichenden Dachüberstand zu sorgen, Pflanzen nah an der Fassade zu vermeiden und einen wasserabweisenden Putz zu wählen.

Frage 9: Was ist eine Aufsparrendämmung?

Die Aufsparrendämmung des Dachs ist eine der effektivsten Maßnahmen zur Reduzierung der Heizkosten. Immerhin gehen bis zu 25 Prozent der Wärme im Haus über das Dach verloren. Bei dieser Dämmung bleibt der Wohnraum komplett erhalten. Allerdings ist sie eine so kostspielige Angelegenheit, dass sie sich eigentlich nur bei einer ohnehin vorgesehenen Renovierung des Dachs lohnt. Für eine Aufsparrendämmung, die auch ein neu eingedecktes Dach umfasst, ist mit 125 bis 200 Euro pro Quadratmeter zu rechnen. 

Frage 10: Wie wird die Aufsparrendämmung durchgeführt?

Für die meisten Arbeiten muss ein Fachbetrieb beauftragt werden. Über den Sparren wird lückenlos und winddicht mit Systemelementen gedämmt. Eingesetzt werden witterungsbeständige und druckfeste Stoffe. Zuvor muss das Dach abgedeckt werden. Da die Dämmung über den Sparren liegt, kann das Holz nicht zur Wärmebrücke werden. Für die Dämmung selbst ist eine Dicke von 20 bis 30 Zentimetern empfehlenswert, soweit die Maße nicht ohnehin durch die Hersteller der Verbundelemente vorgegeben sind. 

Frage 11: Wie lässt sich das Dach von innen dämmen?

Eine Zwischensparrendämmung können Heimwerker selbst machen, wobei angesichts der Gefahr von Wärmebrücken präzises Arbeiten gefragt ist. Ohne diffusions­of­fe­ne Unterspannbahn zwischen Dach­ziegel und Sparren (bei Altbauten meist der Fall), muss ein Spalt für die Hinterlüftung frei bleiben. Zwischen die Sparren des Dachstuhls wird dann von innen her das Dämm-Material geklemmt. Sollen die von der EnEV vorgegebenen Dämmwerte erfüllt werden, müssen die Dachsparren oft aufgedoppelt werden, damit die notwendige Dicke der Dämmung erreicht wird.

Um Schimmelbildung zu verhindern, muss über der Dämmung (Richtung Dachboden) eine Dampfbremse (diffusionshemmende PE-Folie) luftdicht installiert werden. Sie unterbindet das Eindringen bzw. die Kondensation von Wasserdampf in der Dämmung. Gegebenenfalls kann dies noch durch eine Untersparrendämmung ergänzt werden. Es gibt dafür beispielsweise Polystyrol­platten im Verbund mit Gipskarton oder Polyurethan­platten. Eine Alternative am Dach ist es, lose Zelluloseflocken in abgeschlossene Bereiche einzublasen. 

Oberste Geschossdecke: Ist das Dach nicht bewohnt, werden auf der obersten Geschossdecke Dämmplatten verlegt. Soll der Dachboden begeh­bar sein, ist noch ein Belag erforderlich

Zwischensparrendämmung: Die Dämmung wird von innen zwischen den Sparren angebracht und mit einer Dampfsperre vor eindringender Feuchte aus der Raumluft geschützt

Aufsparrendämmung: Das Dach wird von außen lückenlos und winddicht mit System­elementen gedämmt. Das ist aufwendig, aber wirksam und vermeidet Wärmebrücken

Frage 12: Wie wird die oberste Geschoss­decke gedämmt?

Muss der Dachboden nicht begehbar sein, wird es einfach. Mineralwolle wird einfach ausgerollt. Nur eine Laufbohle zur Dachausstiegsluke sollte eingeplant werden. Gedämmt wird die Geschossdecke von oben. Kosten: 20 bis 30 Euro pro Qua­dratmeter. 

Bei der begehbaren Variante kann bei unebenem Boden eine Ausgleichsschüttung (z. B. Sand) aufgebracht werden. Darauf werden Dämmplatten möglichst fugenlos und eben verlegt. Darüber kommen dann Spanplatten oder Bretter, um den Dachboden begehbar zu machen. Im Handel sind dafür System­elemente erhältlich.

Frage 13: Wie kann man einen unbeheizten Keller dämmen?

Die Dämmung der Kellerdecke erfolgt von der kalten Unterseite; das erledigen geübte Heimwerker selbst. Für ebene Flächen gibt es Montagesysteme mit Platten, die geklebt oder gedübelt werden. Die Dämmdicke hängt von der Raumhöhe ab. Mindestens sechs bis acht Zentimeter sollten es bei Standardstoffen sein.

Unebene Decken erfordern mehr Aufwand. Oft wird eine Unterkonstruktion benötigt, um beispielsweise Zelluloseflocken einzublasen. Mit etwa 1.500 bis 4.000 Euro – je nach Material und Aufwand – bei einer 80-Quadratmeter-Decke halten sich die Gesamtkosten in Grenzen. 

Frage 14: Was ist eine Perimeterdämmung?

Bei beheizten Kellern ist diese Dämmung des Kellers von außen die erste Wahl: Dafür muss die Erde bis unter den Sockel des Hauses ausgehoben werden. Eventuell ist zusätzlich eine Drainage notwendig.

Unabdingbar ist ein Feuchtigkeitsschutz für die Wand, meist aus Bitumenfarbe. Darüber werden etwa zehn bis 14 Zentimeter dicke Dämmplatten verklebt. Sie sollten resistent gegen Erdfeuchte und Druck sein, wie etwa Polystyrol (XPS). Über den Dämmstoff kommt im erdberührten Bereich noch eine vor mechanischen Belastungen schützende Noppenfolie. 

Frage 15: Was ist an den Türen zu tun?

Auch Haustüren und Innentüren zu unbeheizten Räumen sind ein Leck in der Gebäudehülle und sollten energetisch optimiert werden. Dichtungsstreifen, die zwischen Tür und Rahmen geklebt werden, sind eine Option. Über die Ritze unter der Tür kann bei glatten Böden noch eine federgelagerte Bürstendichtung geschraubt werden.
Besser ist allerdings der Einbau einer neuen Tür. Eine Standard-Energiesparhaustür hat eine Dicke von 68 Millimetern, im Passivhaus sind 100 Millimeter die Regel. Bis um 75 Prozent kann eine moderne Tür an dieser Stelle den Wärmeverlust reduzieren. 

Frage 16: Wie werden Fenster bei der Dämmung einbezogen?

Neben der Verglasung mit Wärmeschutzglas sind der Rahmen und der Randverbund entscheidend für die Dämmeigenschaften eines Fensters. Gute Werte erzielen Holz- und Kunststoffrahmen aus Mehrkammerprofilen.
Wichtig ist auch der Einbau: Die aufwendige Ideallösung wäre, beim Aufbringen einer Außendämmung die Fenster so zu versetzen, dass sie bündig auf der Dämmebene der Außenwand liegen. Ist das nicht möglich, sollten die Abschlüsse zwischen Rahmen und Laibung luftdicht verschlossen werden. Das kann mit Dichtungsbändern erreicht werden. Meist ist aber der komplette Ausbau notwendig. Zwischen Wand und Rahmen sollte eine Dämmschicht verhindern, dass eine Wärmebrücke entsteht.

Frage 17: Wie werden Rohre gedämmt?

Die Dämmung von Heizungs- und Warmwasserrohren in unbeheizten Räumen ist eine kostengünstige Methode zum Energiesparen. Sie kann von Heimwerkern problemlos selbst vorgenommen werden. Im Baumarkt gibt es dazu vorgeformte Rohr­ummantelungen. Weichschaum oder Moosgummi sind meist die erste Wahl. Auch Pumpen, Armaturen und Ventile sollten nicht vergessen werden. 

Frage 18: Brauche ich nach der Dämmung ein Lüftungssystem?

Nicht die Dämmung macht ein Lüftungssystem erforderlich, sondern die luftdichte Bauweise von Energiesparhäusern bzw. der Austausch alter Fenster durch luftdicht eingebaute neue. Wichtig ist es, regelmäßig gründlich zu lüften.
Auf der sicheren Seite ist man mit einer kontrollierten Wohnungslüftung. Dafür stehen zwei Varianten zur Wahl: Zentrale Anlagen, die das gesamte Gebäude versorgen, sind besonders im Neubau eine gute Option. Dezentrale Anlagen versorgen meist nur einzelne Wohnräume. Sie bieten sich wegen des geringeren Montage­aufwands besonders zur Nachrüstung an. Beide Varianten gibt es mit Wärmerückgewinnung – das reduziert die Wärmeverluste auf ein Minimum

Aktuelle Produktneuheiten & Informationen für Modernisieren
Ihr Ratgeber rund ums Eigenheim

Entdecken Sie unser Wohnglück-Magazin

Ob Sie eine Immobilie bauen, kaufen, renovieren oder finanzieren möchten – im Ratgeber Wohnglück finden Sie wertvolle Infos, Neues, Tipps, Anleitungen und vieles mehr rund um den wichtigsten Ort der Welt.
Mehr über unser Magazin

Unser Newsletter: Tipps, Trends & News in Ihrem Postfach

Bleiben Sie informiert: Wir präsentieren Ihnen regelmäßig
die neuesten Tipps, Trends & Neuigkeiten rund um die Bereiche Bauen und Wohnen.