Wärmedämmung: 10 Fragen und Antworten zur richtigen Planung
Energie sparen

Wärmedämmung: 10 Fragen und Antworten zur richtigen Planung

Ob Sie eine komplette Fassadendämmung vornehmen oder nur den Dachboden dämmen wollen: vor der Dämmung müssen ein paar Fragen zur Planung geklärt sein

Foto: AdobeStock

Frage 1: Ist eine gute Wärmedämmung wirklich sinnvoll?

Ja, der größte Energiefresser in privaten Haushalten ist die Heizung. Sie verursacht rund 70 Prozent des Endenergieverbrauchs im Bereich Wohnen. Durch Investitionen in die Dämmung von Fassaden, Dach und Keller ergeben sich nicht nur geringere Energiekosten, sondern auch eine Verbesserung der Behaglichkeit und eine Wertsteigerung des Gebäudes. Wichtig ist allerdings eine individuell erstellte, präzise und realistische Planung. 

Frage 2: Welche Dämmung bietet das größte Sparpotential im Einfamilienhaus?

Die meiste Energie geht in der Regel über die Außenwände und das Dach verloren, weil diese flächenmäßig den größten Anteil an der Gebäudehülle ausmachen. Die Energieverluste lassen sich je nach Ausgangslage um 70 bis 80 Prozent reduzieren. Das spart umgerechnet sechs bis zehn Liter Heizöl pro Quadratmeter Bauteilfläche.

Frage 3: Wie wird Wärmeschutz gemessen?

Aussagen über den Wärmeschutz eines Hauses werden mit dem Wärmedurchgangskoeffizienten eines Bauteils, dem U-Wert (­W/m2K), getroffen. Für den U-Wert spielen neben der Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs auch die Dicke, die Art des Verbunds von Baustoffen sowie der Zustand eine Rolle. Es gilt: Je niedriger der U-Wert, desto besser ist der Wärmeschutz. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) verlangt bei Modernisierungen folgende U-Werte: Dach und Außenwand 0,24 W/m2K, Kellerdecke 0,5 W/m2K.

Frage 4: Bin ich als Besitzer eines Einfamilienhauses verpflichtet zu dämmen?

Nein, nur wenn ein Haus ohnehin saniert werden soll, sind die Auflagen der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu beachten; das gilt immer dann, wenn von der Sanierung mehr als zehn Prozent der gesamten gleichartigen Außenbauteilfläche betroffen sind. Das Haus muss dann so gedämmt werden, dass die Vorgaben der EnEV erreicht werden.

Eine Verpflichtung zur Dämmung besteht ansonsten nur in Bezug auf die oberste Geschossdecke. Wenn Sie das Haus nach dem 1. Februar 2002 gekauft oder geerbt haben, muss die oberste Geschossdecke (oder alternativ das Hausdach) binnen zwei Jahren nach Erwerb/Erbfall gedämmt werden. 

Frage 5: Gibt es Ausnahmen von der Nachrüstung der Dachbodendämmung?

Die Nachrüstpflicht greift nicht, wenn die oberste Geschossdecke oder das darüber liegende Dach den Mindestwärmeschutz (nach DIN 4108-2: 2013-02) bereits erfüllt. Ferner sind von der Nachrüstverpflichtung für die oberste Geschossdecke selbst genutzte Häuser mit maximal zwei Wohnungen ausgenommen, wenn der Eigentümer vor dem 1. Februar 2002 in dem Haus gewohnt hat. Und die Pflicht besteht auch nicht, wenn ein Haus denkmalgeschützt ist oder wenn die Maßnahme unwirtschaftlich wäre. 

Frage 6: Wie spüre ich Energielecks auf?

Die beste Lösung ist die Beauftragung eines unabhängigen Experten, der das Gebäude auf energetische Defizite hin untersucht. Gegebenenfalls kann er durch Thermografie das Haus prüfen. Die mit Infrarot­kameras arbeitende Thermografie misst die Temperaturen an den Oberflächen von Bauteilen oder an der gesamten Gebäudehülle. Die Temperatur­unterschiede werden farblich auf einem Bildschirm dargestellt.

Frage 7: Was sind Wärmebrücken, und wo ­findet man sie am häufigsten?

Als Wärmebrücken werden thermische Schwachstellen der Gebäudehülle bezeichnet, an denen die Wärme während der Heizperiode schneller nach außen transportiert wird als bei den benachbarten Bauteilen. Zudem herrschen an der Raumseite einer Wärmebrücke niedrigere Temperaturen als in der Umgebung, was zu Schimmelbildung führen kann. Oft findet man Wärmebrücken an Balkonen, Auskragungen, Rollladenkästen, Mauersohlen, Fensterrahmen, Befestigungen im Mauerwerk und an Hausecken. 

Frage 8: Braucht man einen Energieberater?

Es ist keine Vorschrift, allerdings sehr empfehlenswert, einen Energieberater hinzuzuziehen. Ein erfahrener Experte nimmt das Haus unter die Lupe, ermittelt Sparpoten­tia­le, berechnet Kosten und Einsparmöglichkeiten und lotet Förderungsmöglichkei­ten aus. Aber Vorsicht: Der Begriff Energieberater ist keine geschützte Berufsbezeichnung.

Am besten konsultiert man die Beraterliste der Deutschen Energie-Agentur (dena) unter ­www.­energie-effizienz-experten.de. Hier sind mehr als 12.000 Experten gelistet, die für eine Vor-Ort-Beratung qualifiziert sind. 

Frage 9: Werden Dämm-Maßnahmen finanziell gefördert?

Der Staat unterstützt die Sanierung alter Gebäude zu Effizienzhäusern über Förderprogramme der KfW. Welche Förderung infrage kommt, sagt Ihnen ein Energieberater. Die Experten in der Beraterliste der dena (siehe www.­energie-effizienz-experten.de) sind beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und der Förderbank KfW antragsberechtigt. Die KfW stellt für eine Förderung allerdings höhere Anforderungen an die U-Werte eines Hauses als die Energieeinsparverordnung. Siehe dazu auch unseren Artikel zur staatlichen Förderung von Wärmedämm-Maßnahmen.

Frage 10: In welcher Reihenfolge sollte saniert werden?

Dafür gibt es selten Patentlösungen. Jedes Haus ist anders gebaut. Sinnvoll ist es, mit einer Vor-Ort-Beratung durch einen guten Energieberater zu starten. Eine neue bundeseinheitliche Software macht es möglich, dass Eigentümer jetzt eine maßgeschneiderte Übersicht zu den Sanierungsschritten für ihr Gebäude erhalten können. Die Erstellung dieses „individuellen Sanierungsfahrplans“ durch einen Energieberater wird staatlich gefördert. 

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