Wärmedämmung: 10 Fragen und Antworten zum Material
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Wärmedämmung: 10 Fragen und Antworten zum Material

Wie dick muss eigentlich ein Wärmedämmung sein? Welches Material kommt für welchen Zweck in Frage? Und wie steht es mit dem Brand- und Schallschutz? Wir klären die wichtigsten Fragen

Foto: AdobeStock

Frage 1: Welche Dämmstoffe werden am häufigsten verbaut?

Am beliebtesten sind in deutschen Häusern Polystyrol sowie Glas- und Steinwolle. Entscheidend für deren Erfolg ist neben der leichten Verarbeitung und den Allrounderqualitäten vor allem der Preis. Insgesamt kommen Schaumstoffe in Deutschland bei etwa 50 Prozent der Dämmungen zum Einsatz, Mineralwolle bei 40 Prozent. 

Frage 2: In welchen Formen sind die Dämmstoffe verfügbar?

Dämmstoffe gibt es in unterschiedlichen Formen – z.B. als Rollen, Matten, Vlies, Platten, Flocken, Schaum, Granulat oder lose Stopfwolle. Die Form hängt vom Einsatzort ab. Stoffe in loser Form können in Hohlräumen ohne Materialverlust auch an schlecht zugänglichen Stellen eingebracht werden. Platten und Matten müssen passgenau zugeschnitten werden.

Frage 3: Wie wird die Dämmwirkung berechnet und angegeben?

Die Dämmwirkung wird mit der Wärmeleitfähigkeit beschrieben. Die Wärmeleitfähigkeit – ausgedrückt durch die Wärmeleitzahl Lambda in Watt pro Meter mal Kelvin ­(W/­mK) – beschreibt das Vermögen eines Baustoffs, thermische Energie mittels Wärmeleitung zu transportieren. Also: Je niedriger die Wärmeleitfähigkeit (bzw. die Wärmeleitzahl), desto besser ist die Dämmwirkung. 

Dämmstoffe müssen eine Wärmeleitfähigkeit unter 0,1 W/mK haben. Eingeteilt werden die Dämmstoffe in Wärmeleit­fähigkeitsgruppen (WLG). Eine WLG von 040 bedeutet beispielsweise, dass der Dämmstoff eine Wärmeleitfähigkeit von 0,04 ­W/­mK aufweist. Die meisten Dämmstoffe am Bau gehören zu WLG 030, 035 oder 040.

Soll beispielsweise an der Außenwand die Vorgabe des U-Werts der EnEV von 0,24 W/m2K erreicht werden, sind je nach WLG ungefähr die folgenden Dämm­dicken erforderlich: Dämmstoff WLG 015 = 6 cm, WLG 030 = 11 cm, WLG 035 = 13 cm, WLG 040 = 15 cm.

Frage 4: Wie dick muss die Dämmung sein?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten, aber je dicker die Dämmung, desto besser der Wärmeschutz. Allerdings ist irgendwann die maximal mögliche Einsparung ausgeschöpft. Außerdem gilt: Je hochwertiger der Dämmstoff ist, desto dünner kann gedämmt werden. Zudem kann eine Dämmung immer nur so dick sein, wie es die bauliche Konstruktion zulässt. 

Grundsätzlich muss die Dämmung so dick sein, dass die Vorgaben der EnEV beziehungsweise die Anforderungen der KfW (bei Beantragung einer Förderung) eingehalten werden.

Frage 5: Welche Stoffe sind ökologisch besonders verträglich?

Natürliche Materialien lassen sich vielfältig beim Wärmeschutz einsetzen. Nur in Bereichen mit extremer Beanspruchung sind synthetische oder mineralische Stoffe oft die bessere Lösung. Beliebt sind Holzfasern und Holzwolle. Den höchsten Marktanteil unter den Naturdämmstoffen hat ­Zellulose, die aus Altpapier gewonnen wird, mit 32 Prozent, gefolgt von den Holzfaserplatten (28 Prozent). Flachs, Hanf, Kork, Kokosfasern, Schilf und Schafwolle sind weitere Optionen. Nachwachsende Naturprodukte werden allerdings oft imprägniert, um die Entflammbarkeit zu senken.

Frage 6: Was leisten moderne Hochleistungsstoffe?

Innovativ ist der Einsatz von luftleeren Räumen mit Vakuumisolationspaneelen (VIP). Sie erreichen eine Wärmeleitfähigkeit zwischen 0,002 und 0,008 W/mK. So erzielen 2 cm Vakuumdämmung etwa die gleiche Wirkung wie 20 cm Polystyrol oder Mineralfasern. Nachteile: Die VIP sind teuer und empfindlich. Schon ein kleines Loch senkt die Dämmwirkung, und ein Zuschneiden vor Ort ist nicht möglich. 

Frage 7: Welches Material ist besonders feuchteresistent?

Extrudierter Polystyrolschaum (XPS) ist meist die erste Wahl, wenn es um die erd­berührte Dämmung im Außenbereich des Kellers geht. Das Material verrottet nicht und ist druckfest. Für diese Perimeterdämmung kommen auch das wasserabweisende Polyurethan und Schaumglas infrage. Calciumsilikatplatten werden vorzugsweise bei der Schimmelsanierung, der Innendämmung der Außenwände eines Hauses und bei feuchten Kellern eingesetzt. 

Frage 8: Brandschutz – wie unterscheiden sich die Dämmstoffe voneinander?

Empfehlenswert sind besonders Glas- und Steinwolle sowie andere mineralische Stoffe. Dämmstoffe werden nach ihrem Brandverhalten in die Klassen A (nicht brennbar) und B (schwer brennbar) eingeteilt. Diese werden nochmals unterteilt in A1 (ohne Brandgefahr) und A2 (Stoffe mit organischen Bestandteilen, die nicht selbst entzündbar sind, aber brennbare Anteile enthalten), B1 (schwer entflammbar), B2 (normal entflammbar). Beispiele: Glas- und Steinwolle (A1, A2), Schaumglas (A1), Zellu­lose (B2), Polyurethan (B1,B2), Polystyrol (B1), Schafwolle (B2). 

Frage 9: Schallschutz – was wirkt am besten?

Naturdämmstoffe absorbieren aufgrund ihrer Struktur den Schall besonders gut. Vor allem Kokosfasern, Hanf, Kork, Schilf, Stroh, Zellulose oder Holzdämmplatten kommen dabei zum Einsatz. Auch Dämmplatten aus Mineralwolle schlucken den Schall. Schütt-Dämmstoffe werden genutzt, um an Decken oder Wänden die Hohlräume zu füllen. 

Frage 10: Wie muss ein sommerlicher Wärmeschutz angelegt werden?

Hierfür ist die Wärmespeicherkapazität des Materials von Bedeutung. Nachwachsende Rohstoffe schneiden da meist gut ab. Besonders Holzfaserplatten zeichnen sich durch einen guten sommerlichen Wärmeschutz aus. Ziel muss es sein, den Schutz so zu gestalten, dass sowohl im Sommer als auch im Winter die optimale Leistung erbracht wird. Im Fokus steht dabei die Dachdämmung, weil sich hier die sommerliche Hitze staut. 

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