Energie sparen

Solarstrom: Selbst verbrauchen statt einspeisen

Selbst Strom zu produzieren - bei dieser Idee spielt der Eigenverbrauch statt der Förderung eine immer größere Rolle. Entscheidender Faktor dabei sind die Speichermöglichkeiten

Foto: Grammer Solar/R. Ettl

Im Interview: Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW Solar)

Warum sich die Investition in eine Photovoltaik-Anlage wieder lohnt, welche Rolle Speichersysteme spielen und was sich der Verband von der Politik wünscht Video: wohnglück.de/planet c

Photovoltaik-Anlage auf das Dach, Strom erzeugen, ins Netz einspeisen und dafür dann eine satte Vergütung kassieren - so funktionierte lange Jahre das System. In der Anfangszeit der PV-Anlagen waren selbige zwar noch sehr teuer, dank einer hohen Prämie für die Einspeisung dieses privat gewonnenen Stromes in das öffentliche Netz amortisierte sich die Technik aber recht schnell.

In den vergangenen Jahren - dieses Bild sei erlaubt - schoben sich allerdings ein paar dunkle Wolken vor die Sonne der solaren Energiegewinnung. Zwar sanken die Preise für Photovoltaik-Module drastisch (was die Pleiten einiger deutscher Firmen nach sich zog). Gleichzeitig wurde aber auch die Einspeise-Vergütung erheblich reduziert, so dass sich die Installation eine Photovoltaik-Anlage für viele Privathaushalte nicht mehr rechnete, der Markt entsprechend schrumpfte.

Strom selbst produzieren und speichern

Wie Photovoltaik-Anlagen im Zusammenspiel mit neuartigen Batteriespeichern funktionieren. Video: wohnglück.de/planet c

Förderung? Interessiert nur noch am Rande
Anlässlich der diesjährigen Intersolar, der Fachmesse  für die Solarwirtschaft, meldete die Branche aber hochoffiziell: "Die Talsohle ist durchschritten". Mit rund 51.900 installierten Solarstromanlagen in 2016 verzeichnete die Bundesnetzagentur erstmals seit Jahren wieder einen Anstieg der Nachfrage. Und für das laufende Jahr 2017 erwartet der Bundesverband Solarwirtschaft gar ein Marktwachstum im zweistelligen Bereich.

Woran liegt's? "Anders als früher", so Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW Solar), "spielt die Förderung gar nicht mehr die tragende Rolle". Vielmehr versuchen die privaten Stromproduzenten, möglichst viel der gewonnenen Energie selbst zu verbrauchen.

Eigener Strom = billiger Strom
Regelung und Steuerung des Eigenverbrauches funktioniert heutzutage deshalb so gut, weil die Speicher für die selbst produzierte Sonnenenergie mittlerweile auch alltagstauglich und damit für Privathaushalte hochinteressant sind. Als Folge davon wird ein Großteil der neuen Photovoltaik-Anlagen inzwischen direkt mit einem Solarstromspeicher installiert.

Warum das Thema "Eigenverbrauch" plötzlich eine so hohe Dynamik hat, rechnet Thomas Oppel, Head of Productmanagement and Presales der Viessmann PV+E-Systeme GmbH: "Die Einspeisevergütung liegt aktuell bei circa elf Cent pro Kilowattstunde. Einem Energieversorger zahlen sie rund 28 Cent pro Kilowattstunde. Das heißt: Strom selber machen ist billiger als kaufen und Strom selber zu verbrauchen ist wirtschaftlicher, als ihn ins Netz abzugeben".

Überblick: 7 Stromspeicher im Kurportrait

Was kostet mich das?
Apropos Wirtschaftlichkeit: Zu Endverbraucherpreisen und damit der Frage, nach wieviel Jahren sich so eine Anlage rentiert hat, halten sich sowohl Verband als auch Hersteller mit Blick auf den Fachhandwerker vor Ort dezent zurück. Zwar haben sich laut Carsten Körnig in den letzten vier Jahren die Preise für Batteriepseicher nahezu halbiert. Und Viessmann-Manager Oppel betont die 25jährige Leistungsgarantie für eine PV-Anlage. Was das konkret in Euro und Cent bedeutet, wieviel Otto Normalverbraucher mindestens investieren muss - das ist leider immer noch eine Prüfung und Entscheidung im Einzelfall.

Einige Faustregeln gibt es aber doch. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von 5.000 Kilowattstunden im Jahr muss die PV-Anlage eine Leistung von mindestens 5 Kilowatt Peak (kWp) haben. Und pro kWp, so eine Erhebung des BSW Solar, liegt der Endkundenpreis für eine PV-Aufdachanlage bei rund 1.400 Euro. Bei Batteriesystemen ist die Kenngröße die Kilowattstunde (kWh), hier liegen die Verkaufspreise (ohne Mehrwertsteuer) zwischen 1.021 und 1.339 Euro pro kWh Nennkapazität.

So funktioniert eine "energy community"

Strom-Sparkonto, Überschussproduktion, Speicher: wie solare Erträge gemeinschaftlich geerntet und verwaltet werden am Beispiel der Viessmann energy community Video: wohnglück.de/planet c

Community: Strom als Gemeinschaftsgut
Eine andere, etwas abstrakte Rechengröße, die zukünftig eine immer größere Rolle spielen wird, ist die Gemeinschaft. Denn immer mehr Firmen bieten neben dem Verkauf von Speichern gleich auch die Verteilung des gewonnenen Strom innerhalb einer Community an. So setzt Viessmann zum Beispiel auf ein Stromkonto seiner Kunden. Im Sommer wird vom Anlagenbesitzer auf ein solches der im Überschuss produzierte Strom "eingezahlt", im Winter, wenn die Eigenproduktion nicht ausreicht, kann der "zwischengelagerte" Strom dann abgerufen werden.

Viessmann-Produktchef Oppel verspricht bei der Nutzung einer Kombination von PV-Anlage, Speicher und "energy community" eine Refinanzierung des Investments innerhalb von rund zwölf Jahren. Das ist natürlich nur ein Daumenwert, konkrete Aussagen zur Amortisation hängen immer vom zu installierenden System und natürlich der Entwicklung der Strompreise ab. Eines ist aber sicher: Je mehr eigener Strom produziert wird (zum Beispiel auch im Hinblick auf die ganz persönliche E-Mobiliät), je mehr Konsumenten gleichzeitig zu Produzenten werden, desto unabhängiger machen sich die Endkunden von den Energiepreisen.

Leser fragen, Experten antworten

Frage zum Thema Heizung Lohnt es sich eigentlich, Sonnenstrom zu speichern und selbst zu verbrauchen? Wie lassen sich Kosten und Nutzen berechnen?

Der Vergleich von Anschaffungskosten und Leistung von solaren Stromspeichern ist derzeit noch sehr schwierig. Analog zur Entwicklung im Autobau gibt es noch keine endgültige Lösung, da alles von den Batterien (Akkus) abhängig ist.

Der einzige aussagekräftige und vergleichbare Wert ist der Preis pro gespeicherte Kilowattstunde.
Um diesen Wert zu ermitteln müssen folgende Faktoren berücksichtigt werden:
•    Entwicklung der Strompreise allgemein,
•    Höhe der Einspeisevergütung,
•    Größe und Leistung der Photovoltaik-Anlage,
•    nutzbare Speicherkapazität des Stromspeichers,
•    Lebensdauer des Stromspeichers, sie sollte mindestens 20 Jahre betragen.
•    maximale Entladeleistung,
•    Anzahl der Vollzyklen,
•    Lastprofil des Haushalts.

Ob und wann sich das Speichern von Solarstrom rechnet hängt allein von diesen Faktoren ab. Nur ein neutraler ausgebildeter Solarfachmann kann diese bewerten und den Preis pro gespeicherte Kilowattstunde berechnen.

Geeignete Fachleute und weitere Informationen finden Sie unter:
•    www.solarwirtschaft.de
•    www.solarserver.de
•    www.solaranlagen-portal.de
•    www.bves.de

Das Bundeswirtschaftsministerium hat das Förderprogramm für Solarstrombatterien  jetzt neu aufgelegt. Die Kfw-Bank bietet zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse an. Die Konditionen können Sie unter www.kfw.de erfahren.


Solarstromtipps im Web

Hier einige hilfreiche Seiten im Internet zum Thema Solarstrom:

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