Elektroauto vor hauseigener Ladestation
Energie sparen

Elektroauto zuhause laden: Alles über Ladestationen (Wallbox), Installation und Kosten

Wer ein E-Auto kauft, möchte auch gern zuhause Strom tanken. Doch was kosten Wallboxen? Wie lange ist die Ladezeit und wie nutze ich Photovoltaik?

Foto: BMW

Wer ein Elektroauto oder ein Plug-in-Hybridmodell besitzt und sein Fahrzeug beispielsweise über Nacht zu Hause auflädt, hat bei fast allen angebotenen Modellen die Option, an der Haushaltssteckdose zu laden. Schneller geht es an einer Wallbox – einer Ladestation für Elektrofahrzeuge.

Elektroauto aufladen: Haushaltssteckdose oder Wallbox?

Wie groß der Zeitunterschied ausfällt, hängt vor allem davon ab, welche Akkukapazität das Auto hat und welchen maximalen Ladestrom es unterstützt. Wer beispielsweise einen Audi A3 e-tron oder ein 350-e-Modell von Mercedes fährt, wartet an der Haushaltssteckdose nur etwa eine bis anderthalb Stunden länger als an einer Wallbox (siehe dazu auch unsere Übersichtstabelle zum Download).

Anders sieht die Rechnung aus, wenn es um einen Opel Ampera-e oder einen Tesla geht: Da kann das Laden an einer entsprechend leistungsstarken Wallbox bis zu siebenmal schneller gehen als an der gewöhnlichen Steckdose.

Wallboxen-Auswahl: Modelle und Preise

Elektroautos als Stromspeicher für das Haus? Noch Zukunftsmusik

Und noch weitere Argumente sprechen für eine spezialisierte Ladestation: Geeignete Modelle lassen sich über eine Photovoltaik-Steuerung beziehungsweise einen Energie­manager mit einer heimischen Photovoltaikanlage koppeln. Für Unternehmen, Hotels und ähnliche Dienstleister sind außerdem Funktionen zur Zugangskontrolle sowie zum Lastmanagement wichtig.

Ein Aspekt ist derzeit allerdings noch Zukunftsmusik: Auch wenn Elektroautos mit Batteriekapazitäten bis zu 90 kWh veritable Speicherleistungen bieten, lassen sie sich derzeit noch nicht als Stromspeicher in Photovoltaik-Anlagen oder gar „Smart Grids“ inte­grieren. Der simple Grund: Die Ladeelek­tronik aktueller Modelle sieht keine Möglichkeit vor, Strom aus dem Fahrzeugakku zurück ins Netz beziehungsweise die Hausinstallation zu speisen. Strom, der einmal im Auto gelandet ist, bleibt dort, bis ihn der Elektromotor in Bewegung umgesetzt hat.

Stromtankstelle: An einer leistungsstarken Wallbox ist der Speicher des Elektroautos bis zu siebenmal schneller vollgeladen als beim Laden an einer normalen Steckdose Bild: Renault

Wallbox: bei der Auswahl der Ladestation an die Zukunft ­denken

Typische Wallboxen kosten ohne Installation und Zusatzaufwände etwa für Stromleitungen und Absicherung zwischen 700 und über 2.000 Euro. Ein entscheidendes Auswahlkriterium ist die maximal unterstützte Ladeleistung.

Hier sollte man ein wenig in die Zukunft denken: Zwar lassen sich viele aktuelle Elektrofahrzeuge nur mit Leistungen von 3,7 oder 7,4 kWh aufladen, doch das könnte beim nächsten Elektroauto ja schon anders aussehen. Dabei beträgt der Preisunterschied zwischen einer Wallbox, die nur 3,7 kWh liefern kann, und einem Modell mit einer maximalen Ladeleistung von 22 kWh nur etwa 200 Euro.

Die Kommunikation zwischen Elektroauto und Ladestation stellt sicher, dass auch ­Wallboxen mit höherer Maximalleistung nur so viel Strom an die Ladeelektronik des Fahrzeugs schicken, wie diese verkraften kann. Zudem können Wallboxen mit höherer Leistung durch interne Schalter auf geringere Ladeleistungen gedrosselt werden.

Zuhause aufladen: Anmeldung beim örtlichen Energieversorger

Allerdings gibt es bei der maximalen Ladeleistung noch einen anderen Aspekt zu beachten: Vor der Installation einer Wallbox muss diese beim örtlichen Energieversorger angemeldet werden. Dabei muss der installierende Elektriker dort eine Genehmigung für die maximale Anschlussleistung einholen.

Je nachdem, ob in der Nachbarschaft bereits mehrere Ladestationen in Betrieb sind und wie die elektrische Anbindung des eigenen Hauses ans öffentliche Stromnetz ausgelegt ist, kann es beim Wunsch nach höheren Ladeleistungen wie etwa 22 kWh zu unerfreulichen Diskussionen kommen. Bisweilen verlangen Energieversorger in solchen Fällen einen Baukostenzuschuss, der bei einigen Tausend Euro liegen kann – und bei Zahlung natürlich nicht dazu führt, dass entsprechende Baumaßnahmen umgehend in Angriff genommen werden.

Wen diese Kosten abschrecken, der kann sich überlegen, ob er in einem solchen Fall beispielsweise seinen Antrag von 22 kWh auf 11 kWh reduziert – und bei Anschluss ent­sprechend ausgelegter Fahrzeuge im Gegenzug bei der Ladestation Zuhause eine Verlängerung der Ladezeiten bis hin zu einer Verdopplung in Kauf nimmt.

Der Steckertyp 2 ist bei Elektro­autos aus europäischer Produktion am weitesten verbreitet Bild: VW

Elektroauto laden: unterschiedliche Steckersysteme beachten

Ein weiteres Kriterium bei der Auswahl einer Wallbox ist das Steckersystem, das beim zu ladenden Elektroauto eingesetzt wird. In Europa ist der so genannte „Typ-2-Stecker“ mittlerweile verbreiteter Standard, während einige asiatische und amerikanische Autohersteller noch den „Typ-1-Stecker“ verwenden.

Wer sich für eine Ladestation mit fest installiertem Kabel entscheidet, muss den richtigen Steckertyp wählen. Flexibler sind Ladestationen mit einer Typ-2-Steckdose. Denn daran lässt sich nicht nur ein Ladekabel mit Typ-2-Steckern auf beiden Seiten anschließen, sondern auch eine Kabelvariante, die Typ 2 auf der Wallbox-Seite an Typ 1 auf der Fahrzeugseite adaptiert. Zudem sind Wallboxen mit Typ-2-Steckdose auch für den Fall flexibler, dass vielleicht mal ein Besucher sein Fahrzeug mit anderem Ladestecker und selbst mitgebrachtem Ladekabel aufladen möchte.

Ähnliches gilt auch für andere Ladestecker, die allerdings zunehmend an Marktbedeutung verlieren – etwa das von einigen japanischen Herstellern genutzte Chademo-System oder das CCS (Combined Charging System), das den Typ-2-Stecker um zusätzliche Kontakte für Gleichstromladen an öffentlichen Ladesäulen erweitert.

Beim Laden gern unterschätzt: die Kabellänge

Auch die Wahl der Kabellänge verdient bei der Planung ein wenig Beachtung. Denn die Ladebuchsen befinden sich bei unterschiedlichen Fahrzeugen an unterschiedlichen Stellen – im Heck, an der Front oder ähnlich wie ein Tankdeckel an der Fahrzeugseite.

Denken Sie auch hier in die Zukunft und an die Möglichkeit, dass in einigen Jahren vielleicht ein anderes Elektroauto geladen werden soll. Wird die Wallbox in einer Garage installiert, bedenken Sie bei der Abschätzung der erforderlichen Kabellänge auch, ob das Auto vielleicht öfter auch beim Parken auf der Garagenauffahrt geladen werden soll.

Ist die Wallbox öffentlich zugänglich, kann es sinnvoll sein, die Nutzung an eine RFID-Karte zu koppeln Foto: Mennekes

Vielfältige Zusatzfunktionen: Was braucht man wirklich bei einer Ladestation?

Wallboxen werden mit einer Vielzahl von Zusatzfunktionen angeboten. Schätzen Sie hierzu kritisch ab, was Sie brauchen und was nicht: So bieten einige Boxen etwa Zugangsbeschränkungen mit RFID-Karten oder Schlüsselschaltern an.

Sinnvoll ist dies, wenn die Box öffentlich zugänglich ist und Sie die Berechtigung zum Laden steuern wollen. Private Einfamilienhausbesitzer können einen möglichen Stromklau aber auch einfach verhindern, indem sie bei längerer Abwesenheit einfach die Sicherung der Wallbox im Elektroschaltkasten ausschalten.

Auch eine Abrechnungsfunktion kann sinnvoll sein. Es ist ohnehin interessant zu wissen, wie viel Strom künftig ins Elektroauto fließt. Wer Fahrzeugkosten gegenüber Arbeitgeber oder Finanzamt abrechnen muss, braucht darüber einen rechtssicheren Nachweis. Besser ausgestattete Wallboxen enthalten einen eigenen Zähler, der per Display oder auch per WLAN oder Netzwerkanbindung ausgelesen werden kann.

Klären Sie aber, ob er die eichrechtlichen Anforderungen erfüllt. Im Zweifel kann der Elektriker für etwa 150 Euro einen ­Zähler in den Schaltkasten einbauen, der alle rechtlichen Anforderungen erfüllt. Unternehmen, die höhere Anforderungen an die Verbrauchszählung haben (etwa die Zuordnung der Stromentnahme zu unterschiedlichen Mitarbeitern oder Kunden), sollten ein System wählen, das entsprechende Abrechnungsfunktionen bietet.

Photovoltaik: Wallbox mit Energiemanager

Die Einspeisevergütung sinkt, gleichzeitig steigen die Stromosten – da kann es sich schon lohnen, sein Elektroauto über die Photovoltaik-Anlage zu laden.

Ist die Integration in eine Photovoltaik­anlage gewünscht, muss sich die Wallbox von einem Energiemanager fernsteuern lassen. Er entscheidet dann, wann das Laden beginnt (weil etwa die PV-Anlage gerade genug Überschussstrom liefert) und wann es endet. In der Regel erfolgt so eine Steuerung über eine Netzwerkanbindung (Ethernet), die das gewählte Wallbox-Modell dann natürlich unterstützen muss.

Dabei gilt ganz grundsätzlich: die Dimension der Photovoltaik-Anlage sowie ihr persönlicher Stromverbrauch über die normalen Haushaltsgeräte bestimmt die maximale Ladeleistung für Ihr Elektroauto. Oder anders gesagt: Je größer die Photovoltaik-Anlage und je kleiner der Stromverbrauch im Haushalt desto größer ist die zur Verfügung stehende Ladeleistung der Photovoltaik-Anlage.

Dazu ein kleines Rechenbeispiel: Eine Photovoltaik-Anlage hat eine Leistung von 5kWp. 1 kW werden für den Haushaltsstrom verbraucht, 0,3 kW in das Stromnetz eingespeist – bleiben immer noch 3,7 kW für das Laden des Elektroautos.

Werden mehrere Wallboxen betrieben (etwa in Gemeinschaftsgaragen, auf Firmen- oder Hotelparkplätzen), sollte ein Lastmanagement sicherstellen, dass die insgesamt verfügbare Anschlussleistung nicht überschritten wird. Die Ladestationen einigen sich dann per Kommunika­tionsprotokoll, ob zum Beispiel ein einziges angeschlossenes Elektroauto die maximale Leistung erhält oder ob diese auf mehrere gleichzeitig ladende Fahrzeuge verteilt wird. Auch diese Funktion muss ausdrücklich unterstützt werden.

Die Installation der Wallbox gehört in die Hände eines Elektrikers, der sich mit Ladestationen auskennt Foto: Mennekes

Installationskosten für die Wallbox rechtzeitig klären

Die Erfahrung zeigt, dass bei typischen Elektrikerarbeiten in Privathäusern noch einmal Installationskosten hinzukommen, die den Anschaffungspreis der Wallbox schnell übersteigen können. Hier kommt es auf viele Faktoren an: Etwa die Entfernung zum Sicherungskasten, die Anzahl von Wanddurchbrüchen, die Notwendigkeit von Rohrleitungen oder Grabungs­arbeiten sowie die vorhandene Absicherung und Verkabelung der elektrischen Anlage.

Jede Ladestation muss über einen eigenen Stromkreis verfügen, der mit einem Leitungsschutzschalter und einem Fehlerstrom-Schutzschalter (FI-Schalter) abgesichert ist. Bei höherwertigen Ladestationen ist der FI-Schalter bereits integriert – hier wird es zum Rechenexempel, ob dafür anfallende Mehrkosten oder ein zusätzlicher FI-Schalter (typisch: 250 Euro) unterm Strich weniger kostet.

Generell ist es empfehlenswert, dass der beauftragte Elektriker einen Installationscheck vornimmt und einen Kostenvoranschlag unterbreitet, bevor man Komponenten wie Wallbox, Ladekabel oder Sicherung kauft oder bestellt. Ohnehin von selbst verstehen sollte sich, dass die erforderlichen Arbeiten an Starkstromleitungen nur von qualifiziertem Personal durchgeführt werden und dabei alle gesetzlichen Schutzvorschriften beachtet werden.

In der Praxis empfiehlt es sich, einen Dienstleister zu wählen, der mit Wallbox-Installationen bereits Erfahrung hat – für viele „normale“ Elektriker ist das Feld ähnlich neu wie für ihre Kunden. Wer von vornherein klug plant, vermeidet teure Überraschungen und kann sich in Zukunft auf störungsfreie Elektro­mobilität freuen.

Wie lange dauert's noch?

Modelle, Stecker, Kapazitäten, Ladezeiten
Welchen Steckertyp braucht der Kia Soul EV? Was ist laut Hersteller die maximale Reichweite elektrisch beim Peugeot iOn? Die Batterikapazität eines Opel Ampera? Und wie lang lädt ein Smart fortwo electric drive an der Haushaltssteckdose im Vergleich zur Wallbox? Alle diese Fragen beantworten wir Ihnen in einem einzigen PDF, das Sie hier zum Download finden

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Laden unterwegs

Foto: Plugsurfing

Laden unterwegs

Vor allem für reine Elektroautos ist auch das Aufladen unterwegs ein wichtiges Thema. Ein fürs eigene Fahrzeug passendes Ladekabel sollte an Bord sein. Standorte passender Ladestationen finden sich per App (Links auf den Webseiten von Verbundanbietern – siehe unten) oder auch in den Infotainmentsystemen vieler strombetriebener Autos.

Doch es gibt eine weitere große Hürde: die Abrechnung. Leider gleichen die Bezahlsysteme für öffentliche Lade­säulen in Deutschland einem bunten Flickenteppich. Wer bundesweit einigermaßen gerüstet sein will, muss sich deshalb einem der größeren Verbundsysteme anschließen. Häufig ist das Laden über solche übergreifenden Systeme etwas teurer als ein Einzelvertrag mit dem lokalen Ladestations­betreiber. Doch gerade an Orten, an denen man sich nicht allzu häufig aufhält, hilft es, eine Karte, einen RFID-Chip oder eine App mit Benutzerkonto von zwei oder drei Ladeverbundsystemen dabeizuhaben.

Zur Auswahl der richtigen Systeme empfiehlt es sich, im Web auf den Standortkarten der Betreiber nachzuschauen, ob es an häufig angefahrenen Zielen ausreichend Ladepunkte gibt. Wichtige übergreifende Systeme sind:
NewMotion (7.714 Stromtankstellen nutzbar)
Ladenetz (4.290 Stromtankstellen nutzbar)
PlugSurfing (3.457 Stromtankstellen nutzbar)
Elektronauten/mobility+ (EnBW) (1.607 Stromtankstellen nutzbar) 

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