Dach & Fassade

Das Haus der Zukunft (4): Dämmung

Mehr Energie produzieren als verbrauchen. Ein Haus nach KfW-40-Standard bauen, ganz ohne Dämmung. Und alles noch intelligent steuern. Geht nicht? Doch, das geht. Wie genau, zeigen wir in der Serie "Das Haus der Zukunft"

Foto: Udo Geisler

Mehrkammerfenster für Wärme- und Schallschutz Foto: Hersteller

Teil 4

Kein Styropor, kein Hartschaum, keine Faserplatten, kein wie auch immer geartetes Wärmedämm-Verbundsystem – und das bei einem Haus, das mehr Energie produziert als verbraucht und gleichzeitig die Bestimmungen eines KfW-40-Effizienhauses erfüllen soll ... Das Zauberwort bei dieser scheinbaren Quadratur des Kreises heißt „Thermische Gebäudeaktivierung“, und das bedeutet: Das Gebäude selbst wird noch als zusätzlicher „Pufferspeicher“ für die Wärme genutzt.

Das Prinzip dahinter ist einleuchtend: Solange kostenlose Solarwärme erzeugt wird oder die Wärmepumpe tagsüber mit kostenlosem Sonnenstrom betrieben werden kann, wird das Gebäude während der Heizperiode um circa 3 bis 4 Grad Celsius „überheizt“. Der grundsätzliche Gedanke ist dabei, während des Tages zusätzliche Wärme im Haus zu „parken“. So kann gerade nachts in der photovoltaikfreien Zeit die Wärmepumpe komplett ausgeschaltet werden, das Gebäude wird dann im Idealfall nur mit der Restwärme der ­Speichermasse und – sofern vorhanden – mit dem warmen Wasser im Erdpuffer­speicher kontinuierlich weiter beheizt.

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Verbesserung der CO₂-Bilanz

Funktionieren tut das aufgrund einiger bauphysikalischer Besonderheiten. So be­stehen die Innenwände aus einem speziellen Schwerziegel mit einer ausgezeichneten Rohdichte. Dieser Schwerziegel bietet nicht nur eine enorme thermische Speichermasse, sondern so ganz nebenbei auch einen perfekten Schallschutz. „Außerdem“, so Gemeinhardt, „handelt es sich hier um einen regionalen Baustoff. Die Transportwege zu einem ortsansässigen Hersteller sind entsprechend kurz, was nicht nur die Kosten, sondern auch die CO₂-Bilanz erheblich verbessert.“

Darüber hinaus wurde neben zusätzlichem Beton und einem bewusst extra dick ausgeführten Estrich als besonderes Gimmick sogar die Beton-Innentreppe „thermisch aktiviert“. Dazu wurden vor dem Gießen Kunststoffrohre in die Betontreppe eingebracht. Die Treppe wurde später als zusätzlicher Heizkreis am Fußbodenheizungsverteiler angeschlossen und dient damit als separater Heizkörper. „In der ­Praxis”, schwärmt Gemeinhardt, „ein, wie sich später herausstellte, sensationeller Effekt, wenn man im Winter barfuß oder nur mit Strümpfen bekleidet auf einer angenehm temperierten Sichtbetontreppe in den ersten Stock geht.“

Beschattungssystem als i-Tüpfelchen

Ein weiterer Baustein bei der Isolierung waren die Fenster. Um den gewünschten Dämmstandard zu erreichen, wurden Fenster mit einem modernen Mehrkammer-­Kunststoffprofil und beschichteter Dreifachverglasung mit Argon-Füllung sowie einem besonders hohen Lichteinfall, so genannte „LUX-Gläser“, eingebaut. Damit konnten U-Werte von 1,0 W/m²K für den Rahmen bzw. 0,6 W/m²K für das Glas erreicht werden. Das i-Tüpfelchen bei der thermischen Regulierung des Gebäudes bildet ein modernes Beschattungssystem aus Raffstore und Rollladen. Es sorgt für perfekte Lichtverhältnisse bei jeder Tageszeit, bildet einen Hitzeschutz im Sommer und eine zusätzliche Isolierung im Winter. „Richtig eingesetzt“, betont Gemeinhardt, „verbessern Raffstore und Rollladen auch die Energiebilanz des Gebäudes.“

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