Bauen & Modernisieren

Fragen und Antworten zum Thema Wohngesundheit

Das Wohnglück-Team gibt Ihnen die richtigen Antworten, Ratschläge und Tipps rund um den wichtigsten Ort der Welt: Ihr Zuhause. Bitte beachten Sie, dass die Vorschläge nur unverbindlich sein können, da unsere Experten die geschilderten Sachverhalte nicht vor Ort überprüfen konnten und sich somit ausschließlich auf Ihre Beschreibung stützen.

Wie kann ich ein Haus von 1975 wohngesund und nicht zu aufwändig renovieren? Ich bin chemikaliensensitiv und denke daran, Boden und Wände zu erneuern.

Bei älteren Fertighäusern ist für die Beurteilung des Sanierungsbedarfs aus gesundheitlicher / raumlufthygienischer Sicht zunächst eine genaue Bestandsaufnahme der Belastungen in Raumluft und Hausstaub erforderlich. Dadurch kann im ersten Schritt die Art und Höhe der Belastungen (v. a. Formaldehyd, Holzschutzmittel, Asbest) ermittelt werden.
Wenn hierbei Auffälligkeiten festzustellen sind, wird dann im nächsten Schritt die Quelle der Belastung genauer lokalisiert. Auf dieser Grundlage kann dann abgeschätzt werden, wie umfangreich die Sanierungsmaßnahmen sein müssen bzw. ob eine dauerhafte Sanierung überhaupt möglich ist. Im Extremfall bleibt bei stark belasteter Bausubstanz als einzige Option nur der Rückbau des Baukörpers bis auf die gemauerte Oberkante des Kellers. Gerade wenn bei Bewohnern eine besonderen Sensitivität auf Formaldehyd oder Holzschutzmittelwirkstoffe vorliegt, kann dies durchaus häufiger der Fall sein.

Peter Bachmann
Wir haben eine neue Küche mit Natursteinarbeitsplatte. Der Küchenbauer sagt die Platte muss regelmäßig mit Steinöl eingelassen werden und hat auf Nachfrage von einem lösemittelfreien Produkt abgeraten, da diese nicht gut genug wären und Lösungsmittel nicht so tragisch sind. Wie sehen sie das? Wir haben zwei kleine Kinder und das dritte ist auf dem Weg. Ich habe auch Bedenken wegen der Zubereitung der Lebensmittel.

Lösemittel sind grundsätzlich im Lebensraum zu vermeiden. Reinigungsmittel, Pflegemittel und Baustoffe sollten nur mit entsprechenden Prüfungen und Zertifikaten verwendet werden. Weitere Informationen finden Sie hier: bauverzeichnis.gesündere-gebäude.de/de

Peter Bachmann
Wir haben in unserem Neubau (Rohbau) oberflächlich Schimmel im Dachstuhl. Ein Sachverständiger riet, das Holz mit Jati-Schimmelpilzentferner (auf Wasserstoffperoxidbasis) zu behandeln. Kann dieses Mittel, dass sich angeblich in Wasser und Luft zersetzt, doch im Holz verbleiben und gesundheitsschädlich sein? Was wäre Ihre Empfehlung ?

Schimmelentferner auf Basis von Wasserstoffperoxid sind in der Regel tatsächlich bereits kurze Zeit nach der Anwendung abreagiert. Ein Verbleib von problematischen Stoffen ist hier nicht zu erwarten. Sehr viel wichtiger als die Art der Schimmelentfernung ist es jedoch, so schnell wie möglich durch entsprechende Maßnahmen (v. a. Austrocknen) die Neubildung von Schimmel zu verhindern. Hier ist vor allem die Feuchte des Holzes entscheidend. Wenn diese weiterhin hoch ist, kann auch bei noch so guter oberflächlicher Schimmelentfernung erneut ein Schimmelwachstum stattfinden.Bitte beachten Sie bei der Anwendung von Schimmelentfernern die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen aus dem Datenblatt.

Peter Bachmann
Ich würde gerne mein Dachgeschoss ausbauen – worauf muss ich achten, dass die Räume auch gesund sind?

Für einen Dachgeschossausbau mit gesünderen Materialien steht Ihnen das Sentinel Bauverzeichnis (bauverzeichnis.gesündere-gebäude.de/de) zur Verfügung. Hier finden Sie geprüfte Produkte, welche auch Ihr Handwerker einsetzen kann. Zudem können Sie auf die korrekten Baustoffzertifikate achten: bauverzeichnis.gesündere-gebäude.de/de

Peter Bachmann
Wir wollen ein Fertighaus von 1979 kaufen und haben einen Sachverständigen für Baubiologie beauftragt eine Luftmessung durchzuführen. Dabei kam ein erhöhter Lindan-Wert heraus (0,35migrogramm/m3 Raumluft). Wie interpretieren sie diesen Wert?

Die Beurteilung von Messwerten für Lindan in der Raumluft lehnt sich – da für Lindan keine separaten Werte offiziell festgelegt wurden – an die Bewertung des ebenso problematischen Stoffes PCP (Pentachlorphenol) an (vgl. bayr. Landesamt für Gesundheit). Somit liegt die bei Ihnen festgestellte Konzentration von 0,35 μg/m³ zwischen dem Vorsorgewert (RW 1) von 0,1 μg/m³ und dem Maßnahmenwert (RW 2) von 1,0 μg/m³. Ob in einem solchen Konzentrationsbereich gesundheitliche Beeinträchtigungen zu erwarten sind, liegt vor allem an der individuellen Empfindlichkeit der Nutzer. Aus Vorsorgegründen ist aber in jedem Fall zu empfehlen, die Quelle der Belastungen zu ermitteln und wenn möglich zu entfernen.

Peter Bachmann
Wir leben in einem alten Bauernhaus. Im Flur des Erdgeschosses ca. 28 qm liegt ein PVC aus den 60/70er Jahren auf den meine Eltern einen neueren in den 90er legen ließen. Welches Risiko einer Asbestbelastung ergibt sich hieraus? In der Kuüche ist unter dem Linoleum eine Spachtelmasse aufgetragen wurden, in den 80er Jahren. Inwiefern ist hier mit Asbest zu rechnen?

In der Zeit vor 1994 ist tatsächlich ein Risiko von Asbest in Spachtelmassen und Putzen gegeben. Untersuchungen zeigen, dass das Risiko bei ca. 20-30% liegt. Solange der Asbest fest gebunden ist besteht kein sonderlich hohes Risiko. Jedoch ist es ferndiagnostisch unmöglich das konkrete Risiko konkret einzuschätzen. Genaue Informationen liefert eine Materialuntersuchung.

Peter Bachmann
Wer führt Raumluftmessungen durch und was kosten diese?

Das hängt von dem Untersuchungsumfang ab. Die Kosten können zwischen ca. 1.000,- Euro und 1.700.,- Euro variieren.

Peter Bachmann
Früher stand ja ein PVC-Bodenbelag sehr in Verruf. Wir haben bei unserer Modernisierung nun einen Vinylboden in einem Zimmer verlegt, völlig schadstofffrei nach Herstellerangaben. Nun ist ja in diesem Boden auch Chlor enthalten. Unsere Frage: Ist dieser Boden ohne Ausduünstung von Schadstoffen und Belastung für die Raumluft. Warum ist hier das Chlor nicht gefährlich?

Ein Produkt ist niemals völlig schadstofffrei. Jedes Produkt hat freie und feste Schadstoffe. Das Chlor ist fest eingebunden.Relevanz können die Weichmacher haben. Wir empfehlen Produkte welche mit einem guten Zertifikat geprüft und ausgezeichnet sind. Diese finden Sie hier: bauverzeichnis.gesündere-gebäude.de/de

Peter Bachmann
Wir haben im ganzen Haus Holzdecken (Nordische Fichte). In das Haus sind wir 1980 eingezogen. Die Holzdecke wurde mit Bondex farblos behandelt. Meine Frage: War dieses Mittel mit Schadstoffen befallen (es war sehr teuer)?

Eine Aussage zu dem Produkt ist leider auch nur sehr schwer möglich, da die Rezepturen regelmäßig geändert werden und der Preis keinerlei Aussage zur gesundheitlichen Eignung erlaubt.
Wir möchten Ihnen eine Raumluftmessung empfehlen. Für die Untersuchung von mehreren Räumen ist vom finanziellen und zeitlichen Aufwand her zunächst die Untersuchung einer Hausstaubmischprobe aus den betroffenen Räumen anzuraten.Wenn hier keine wesentlichen Belastungen festgestellt werden, kann an diesem Punkt nämlich bereits eine relevante Belastung der Innenraumluft ausgeschlossen werden.Falls im Hausstaub auffällige Werte ermittelt werden sollten, müsste dann eine Luftuntersuchung in mehreren Räumen durchgeführt werden.Die Kosten für eine Hausstaubanalyse auf Holzschutzmittelwirkstoffe liegen - falls Sie die Probe in Absprache mit dem Labor selbst entnehmen - üblicherweise bei € 200,- bis € 300,-. Die Luftuntersuchung von beispielsweise zwei Räumen dürfte – einschließlich Kosten für Anfahrt, Probenentnahme und Sachverständigengutachten – eher bei € 1.500,- bis € 2.000.- liegen.

Peter Bachmann
Wie ist das mit Schadstoffen bei Matratzen: welche Werte haben herkömmliche Schaumstoffmatratzen und wann haben sie ausgelüftet ?

Für Matratzen und Bettwaren habe wir keine separaten Prüfanforderungen. Hier können Sie sich beim Kauf auf die Prüfsiegel von angesehenen Zertifizierungsstellen wie dem Kölner eco-Institut verlassen. Besondere Anforderungen werden auch von GOTS (für Textilien) oder Öko-Control (für Naturmatratzen) gestellt. Auch bei den mit dem „blauen Engel“ ausgezeichneten Matratzen werden Grundanforderungen zu Inhaltsstoffen und Schadstoffabgabe überprüft, so dass keine größeren Mengen von Schadstoffen abgegeben werden. Die Dauer der Schadstoffabgabe variiert sehr stark – je nach Dicke der Matratze und Art der Schadstoffe. Bei vielen Stoffen findet in den ersten Wochen der Großteil der Auslüftung statt.

An unseren Kunststoff-Fenstern bilden sich am Rahmen Wassertropfen, manchmal werden die Stellen schwarz. Ich vermute, daß es Schimmel ist. Obwohl ich es immer wieder abwische kommt, es erneut. Kann man etwas dagegen machen ?

Die Wassertropfen am Rahmen bilden sich durch die Kondensation der Raumfeuchte an der zu kalten Fensterfläche. Grundsätzliche Abhilfe ist hier vermutlich nur durch den Austausch des Fensters gegen ein besser isoliertes Modell oder die Beratung durch einen Fachhandwerker bei Ihnen vor Ort möglich. In der Zwischenzeit ist es sicher sinnvoll, die kondensierten Wassertropfen regelmäßig abzuwischen, um das Wachstum von Schimmel und Algen zu minimieren.

Peter Bachmann
Wer haftet nach Wegfall des Ü-Zeichens, wenn Baustoffe eingebracht werden die zu hohe Emissionen aufweisen?

In diesem Fall haftet der Architekt. Er muss die Eignung des Produktes prüfen anhand von Informationen, die er über den Handel oder direkt beim Hersteller anfordert. Weitere Informationen zum EuGH-Urteil in Sachen Bauproduktequalität und dessen Auswirkung finden Sie hier:
Neue Deklarationspflicht für Emissionen aus Bauprodukten ab 01.02.2019
www.umweltbundesamt.de/themen/neue-deklarationspflicht-fuer-emissionen-aus

Peter Bachmann

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