So legen Sie einen Garten für wilde Bienen an
Gartenplanung

So legen Sie einen Garten für wilde Bienen an

Über 500 Bienenarten gibt es in Deutschland. Die einheimischen Pollensammler sind ganz wichtige Bestäuber. Leider sind viele vom Aussterben bedroht. Wer das in seinem Garten ändern möchte, braucht dafür die richtigen Pflanzen

Foto: AdobeStock

Wenn man sich in der flirrenden Sommerhitze vor einer Stockrosenkolonie auf die Lauer legt, dann kann man all die geflügelten Schönheiten zu Gesicht bekommen: Pummlige und schlanke, rostrote und pechschwarze und gelbbraun geringelte und puschelig behaarte Exemplare. Manche sind so klein wie Fruchtfliegen. Andere so groß wie Hornissen. Und alle sind sie Bienen.

Ein blühender Garten im Juni mit Kamille und Königskerze

Die hochgezüchtete Honigbiene ist nur eine in einer großen Familie. Ihr gegenüber stehen 561 einheimische Bienenarten. Die meisten lieben Blüten in voller Sonne, vor allem die altbewährten aus Großmutters Garten. Sie sind besonders reich an Pollen. Je mehr Pollen, desto besser für die wilden Sammler - denn dann tragen ihnen die Legionen von der Honigmachergilde nicht alles weg.

Foto: ©willypd - stock.adobe.com

Auch die Erdhummel ist eine Biene

Von der häufigsten Wildbiene wissen die meisten Menschen gar nicht, dass sie eine ist: Bombus terrestris, besser bekannt als Dunkle Erdhummel. Genau wie die Honigbiene lebt sie in einem Insektenstaat mit Königin, Arbeiterinnen und Drohnen - und gehört damit zu einer seltenen Erscheinung in der Bienenwelt.

Das Gros der Bienen ist alleinstehend. Sie graben Gänge in sandige Fugen oder in totes Holz, richten sich eine Einsiedelei in vertrockneten Staudenstängeln oder in verlassenen Schneckenhäusern ein. Besonders exklusiv wohnt die Mohnmauerbiene: Sie kleidet ihre Wohnhöhle mit glänzend schwarzen Klatschmohnsamen aus. Wo die verwilderten Feldränder und mit ihnen der Klatschmohn verschwinden, da verschwindet auch sie.

Sonnenbeet mit Wiesencharakter - Wildbienengarten zum Nachpflanzen

Illustration: Julia Wehner

Sonnenbeet mit Wiesencharakter - Wildbienengarten zum Nachpflanzen

Die Gartenplanerin Julia Wehner hat sich zu Hause mit einer Terrasse, die von wogendem Gras und blühenden Blumen umgeben ist, einen Traum erfüllt. Von März bis Oktober fliegen dort die Bienen von Blüte zu Blüte. Das Arrangement ist für Südlagen in voller Sonne entwickelt worden und passt überall dort, wo sandiger oder sandig-lehmiger Boden zu finden ist.

Damit die Fläche einen Wiesencharakter bekommt, sollen einige Stauden und Blumenzwiebeln nicht in festen Mustern sondern wie zufällig verteilt werden. Wie das funktioniert, hat Julia Wehner für WOHNGLÜCK skizziert.

Die Illustration inklusive aller Daten zu den Pflanzen finden Sie hier als PDF zum Herunterladen.

Wildbienen bestäuben effektiver

Dabei sollten gerade Bauern auf Wildbienen setzen. Sie bestäuben nämlich viel effektiver als ihre gezähmten Schwestern. Einerseits tragen viele allein lebende Arten wie die Mauerbienen einen dichten Pelz, an dem viel mehr Pollen hängen bleiben, oder sie schütteln die Blüten kräftig aus - ein Hummeltrick. Andererseits scheinen Wildbienen viel wählerischer bei der Pollenqualität: Nur bei guten Pollen machen sie sich die Mühe des Umhertragens.

Viele heimische Pflanzen (hier: Färberkamille) sind echte Bienen-Paradiese Foto: AdobeStock

Wilde Randstreifen als Reservat für einheimische Einjährige tun auch dem heimischen Garten gut - sobald die fleißigen Erntehelfer eingezogen sind, werden sie für volle Äste an den Obstbäumen und pralle Samenkapseln an den Gartenblumen sogen. Außerdem sollte ein bienenfreundlicher Garten vor allem eines: so lange wie möglich und so unterschiedlich wie möglich blühen.

Besonders nahrhaft: heimische Pflanzen

Besonders nahrhaft sind Blütenstände, die sich eigentlich aus vielen kleinen Einzelblüten zusammensetzen, so wie bei Zierlauch und Zwiebel, Thymian und Katzenminze, Fetthenne oder Margerite. Heimische Bienen lieben außerdem heimische Pflanzen: Büschelrosen und Schlehen, Johannis-, Stachel- und Brombeeren, Fingerhut und Eisenhut, Akelei, Glockenblumen und Wilde Möhre.

Die allerbeste Bienenweide? Der schnöde Löwenzahn

Nahrungsmangel herrscht vor allem im Spätsommer. Hier kommen Herbstastern und langblühende Malvenarten wie Stockrose oder Wegmalve ins Spiel. Die allerbeste Bienenweide? Der schnöde Löwenzahn. Er produziert nicht nur überschwänglich Pollen, sondern auch so viel Nektar, wie kaum eine andere Blüte.

Wildbienen in Bildern

Bienenfotografin Anja Eder auf Motivsuche Foto: ©Michael Römer

Wildbienen in Bildern

Wenn die ersten Krokusse ihre Köpfchen aus der Erde stecken, dann geht Anja Eder auf die Pirsch. Die Grafik-Designerin jagt leidenschaftlich gern - Wildbienen. Mit ihrer Kamera.

Aus den Bildern ist jetzt ein ungewöhnliches Buch geworden. Eine Reise durchs Jahr , die Kinderstuben und die Speisekarten all der Bienen, die für Menschen keinen Honig sammeln, sondern sich einfach nur um sich selbst und ihre Brut kümmern. Wer es liest, unternimmt eine Reise in eine für uns im zu Kleinen verborgene Welt. Und beginnt zu verstehen, warum es viel spannender ist, für sie wilde Blumen wachsen, als noch mehr Honigmacher ausschwärmen zu lassen.

Die Welt, in die Eders Bilder führen, ist voll mit kleine Wesen, die verzückt in Blumenkelchen tauchen, in Pollen baden oder den Winter an trockenen Blütenstängeln verschlafen. Jedes einzelne Pelzhärchen am Körper der eifrigen Sammlerinnen ist zu sehen, denn das Makroobjektiv macht auch das sichtbar, was das menschliche Auge nicht erkennen kann. Ungewöhnlich schöne Tiere: Schwarz glänzend, feuerrot oder schwefelgelb.

10 Wildbienenarten im Kurzportrait

Buchtipp

Das Buch "Wildbienenhelfer: Wildbienen und Blühpflanzen" von Anja Eder, Dirk Peters und Michael Röder ist im Tipp4-Verlag erschienen und kostet 39,90 Euro.
Das Buch führt nach Monaten gegliedert durch das Leben der Wildbienen und zeigt anschaulich, welche Wildbienen unterwegs sind, welche Nahrung sie benötigen und wie sie nisten. So kann jeder Garten- und Balkonbesitzer durch gezielte Bepflanzung die Nahrungsmöglichkeiten und Lebensbedingungen für Wildbienen und gleichzeitig für viele weitere Insekten wie Schmetterlinge, Schwebfliegen oder Käfer verbessern.

Linktipps

Infos und Kontakte rund um das Thema Wildbienen  

Wo bekomme ich Wildstauden und andere heimische Pflanzen?
Auf www.naturgarten.org/mitgliedsbetriebe/wildpflanzen.html findet man auf Wildstauden spezialisierte Gärtnereien. Gärtnereien mit großen Wildrosen-Sortimenten sind Ahornblatt (www.ahornblatt-garten.de) und Rosen-Schütt (www.historische-rosen-schuett.de). Saatgut für regional angepasste, heimische Wildblumenwiesen gibt es zum Beispiel bei www.rieger-hofmann.de

Welche Wildbienen leben in meiner Region?
Wer einen Garten für Wildbienen einrichtet, sollte wissen, welche Arten überhaupt in seiner Nähe vorkommen. Nachschauen kann man das zum Beispiel Artenkatalog des Wildbienenkatasters (www.wildbienen-kataster.de), unter Datenbank.

Welche Pflanzen brauchen die spezialisierten Bienen?
Wer herausgefunden hat, welche Wildbienen in seiner Region vorkommen, kann gezielt für sie pflanzen. Unter www.wildbienen.info wird beschrieben, welche heimischen Blumen von welchen Bienen besucht werden (Artenschutz/Verbesserung des Nahrungsangebots) - und von was für Pollen sich die spezialisierten Arten unter den Wildbienen ernähren (Bienen und Blüten/oligolektische Arten).

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