Schachbrettfalter auf einer Distel
Gartenplanung

Schmetterlingsgarten: So schaffen Sie eine Oase für Falter

Schmetterlinge sind empfindliche Wesen. Im Garten finden die ­wunderschönen Insekten einen Rückzugsort. Was Sie dafür tun müssen, erfahren Sie hier

Foto: 360° CREATIVE

Plötzlich ist er da. Taumelt von Blüte zu Blüte. Kommt auf der schönsten Blume zum Sitzen und lässt seine bunten Flügel glitzern. Der Mai ist der Monat, in dem die bunten Falter alle wieder auftauchen: der blau-rot gepunktete Schwalbenschwanz, der blass­beige Kohlweißling, das feuerrote Tagpfauenauge.

Nektar satt: Agastachen (vorn), Kugeldisteln (Mitte) und Patagonisches Eisenkraut (hinten) locken Schmetterlinge Foto: Flora Press

Schmetterlinge brauchen vor allem eines: Nektar

Wer einen Schmetterlingsflieder in seinem Garten hat, kann sie dort alle trinken sehen. An warmen, sonnigen Tagen wimmelt es an den Büschen mit den langen, gebogenen Blütentrauben von flatternden, naschenden Faltern.

Schmetterlinge brauchen vor allem eines, um sich zum Herbeifliegen verführen zu lassen: Nektar. Typische Faltermagneten haben Blüten, die bei näherem Hinsehen aus unzähligen kleinen Einzelblüten bestehen. Kugel­disteln und Witwenblumen, Schmuckkörbchen, Astern oder auch Salbei gehören in diese unwiderstehliche Kategorie dicht mit Blümchen besetzter Nektarbomben.

In vielen Millionen Jahren Evolution haben die Schmetterlinge ihr Suchsystem für vielversprechende Nahrungspflanzen optimiert. Sie orientieren sich an Farben und Duftstoffen der Pflanzen. So fliegen sie eher ungern auf Gelb und Rot, lieber auf Rosa und Lila. Weil sie freien Zugang zu den Staubgefäßen in der Blüte brauchen, können sie mit gezüchteten, gefüllten Blüten so viel anfangen wie wir mit einem abgeschlossenen Kühlschrank.

Schmetterlings Leibspeise: die Brennnessel

Heimische Pflanzen locken sie noch mehr als eingebürgerte Gartenexoten, weil ihr Suchsys­tem seit Jahrmillionen an diese Pflanzen ange­passt ist. Sie lieben Weidenkätzchen ebenso wie die unauffälligen Efeublüten. Sie fliegen auf Kartäusernelken und Tauben-Skabiosen, auf Tüpfel­-Johanniskraut und Wilden Majoran.

Ein echter Schmetterlingshit ist eine bei uns Menschen gar nicht gern gepflegte Pflanze: die Große Brennnessel. Auch sie hat keine einzelnen Blüten, sondern Blütentrauben. Aber noch wichtiger: An ihren Blättern können sich die Raupen satt essen. Sie dient 25 verschiedenen Falterarten als Kinderstube, unter anderem sind der prächtige Admiral und das umwerfend schillernde Tagpfauenauge auf sie angewiesen.

Ein Schmetterlingsbuffet zum Nachpflanzen

Das Beet braucht 4 mal 5 Meter Platz und sollte auf einer offenen, besonnten Fläche liegen. Da die Prärieepflanzen sehr tief wurzeln, kommen sie gut mit sandigen Böden zurecht. Eine dünne Schicht Kompost nach dem Pflanzen reicht. Lehmige Böden müssen vor dem

Pflanzen mit grobem Sand abgemagert werden. In kühleren Gegenden und bei trockenen Standorten kann dem Pflanzen eine etwa 8 Zentimeter hohe Schicht Kies zwischen den Stauden ausgebracht werden. Das schafft bessere Wachstumsbedingungen für die frisch gepflanzten Stauden - und macht das Jäten leichter.

Welche Pflanze steht am besten wo? Einfach mit der Maus auf die Karte gehen und mehr erfahren.

Hier finden Sie den Pflanzplan auch als PDF zum Herunterladen

3 x soviel Tiere vor 30 Jahren

„Ihr Leben als Raupe macht Schmetterlinge so empfindlich“, sagt Holger Loritz. Der Landschafts­ökologe berät Bau­herren bei der schmetter­lings­freund­li­chen Gestaltung von Grund­stü­cken. „Raupen brauchen ganz be­stimm­te Pflanzen – und ganz be­stimm­te Bedingungen. Und weil sie nur kriechen und nicht fliegen können, sterben sie, wenn sie das nicht in einem Umkreis von zehn Metern finden.“ Seit die Felder gewachsen und die mit heimischen Pflanzen bewachsenen Ackerränder verschwunden sind, gibt es messbar weniger Schmetterlinge. Loritz schätzt, dass vor 30 Jahren etwa dreimal so viele Tiere unterwegs waren.

Die Kinderstube der Schmetterlinge

Nektarpflanzen machen die Falter satt – aber was fressen ihre Kinder? Jede Art braucht ihr eigenes Raupenfutter. Hier eine Übersicht, welche Art welche Pflanze besonders bevorzugt:

Keine chemischen Keulen

Neben fehlendem Raupenfutter sind es auch die chemischen Hilfsmittel, die den Insekten zusetzen. Gerade die Raupen sind giftigen Substanzen unentrinnbar ausgesetzt. Sogar als „bienen­freundlich“ beworbene Herbizi­de stehen im Verdacht, ihnen nachhaltig zu schaden. Wer Schmetterlinge mag, sollte auf die chemische Keule gegen Unkräuter verzichten. Und eigentlich auch aufs Unkrautjäten: Denn eine Oase für Falter hat nicht nur möglichst viele Blüten zum Satt­essen, sie hat vor allem auch wilde Ecken für die Schmetterlingsbabys. Ein versteckter Winkel beim Kompost könnte so ein Platz für eine kleine Brennnesselplantage sein.

Stauden im Herbst schneiden? Lieber nicht

Eine Trockenmauer, an deren Füßen Efeu wachsen darf, wäre ein idealer Rast­platz für wärmehungrige Falter – und ein gutes Winterquartier. Wenn man sie im Winter auch nicht fliegen sehen kann, die Schmetterlinge sind noch da. Viele Arten überwintern an den Pflanzen, die sie ernähren, zum Beispiel als Puppen. Wenn Sie in diesem Sommer die eleganten Flieger ein wenig lieb gewonnen haben, überlegen Sie doch noch mal, ob Sie die Stauden im Herbst wirklich herunterschneiden wollen. Mit den Stängeln landen nämlich auch die Schmetterlinge des nächsten Frühlings auf dem Kompost.

Linktipp

Im Floraweb des Bundesamt für Naturschutz findet sich eine „Hitliste der Schmetterlingspflanzen“: http://www.floraweb.de/pflanzenarten/schmetterlingspflanzen.xsql
Dort sind alle heimischen Pflanzen aufgeführt, die für Schmetterlinge von Bedeutung sind - und zwar geordnet nach der Zahl der Schmetterlingsarten, die die jeweilige Pflanze besuchen. 

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