Gartenpflege

Trendsport Gartenarbeit

Körperliche Ertüchtigung im Beet ist fast noch besser als der Gang ins Studio – finden jedenfalls Fitnessforscher. Damit dabei nichts schiefgeht, sollten Gartensportler aber einiges beachten

Foto: Flora Press

Rund um den Baum steht eine bunte Truppe. Männer, Frauen, jung und alt. Sie machen Dehnübungen. Aber wer erwartet, dass alle gemeinsam lostraben, der hat nicht genau hingesehen: Viele tragen Gummistiefel. Als das Aufwärmen beendet ist, verteilen sie Spaten und Harken und schwärmen aus zu den Beeten am Wiesenrand.

Motor- oder Muskelkraft? Das ist die Frage ... Fotos: Husqvarna/Manufaktum

Trendsportart „Green Gym“
Die Gruppe im Öjendorfer Park in Hamburg macht „Green Gym“ (grüne Gymnastik) – ein angeleitetetes Fitnessprogramm rund um den Trendsport Gartenarbeit. Die Idee kommt aus dem Gartenland England. Nun greift sie auch in Deutschland um sich. Vier solcher Gruppen gibt es allein in Hamburg.
Garteln ist ein Sport? Ja, ganz offiziell seit dem Herbst 2015. Da ließen Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln 15 Probanden antreten, damit sie Sand schaufelten. Sie wollten wissen, was dabei im Körper vorgeht – und kamen zu dem Ergebnis, dass es egal ist, ob man einen Spaten oder ein Fitnessgerät im Studio auf- und abbewegt, der Kraftausdauer
effekt ist derselbe.

„Die Arbeit mit Schaufel und Spaten trainiert die Muskulatur und stärkt zudem das Herz-Kreislauf-System“

Professor Ingo FroböseUniversitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln

„Die Arbeit mit Schaufel und Spaten trainiert die Muskulatur und stärkt zudem das Herz-Kreislauf-System“, sagt Studienleiter Professor Ingo Froböse. „Vergleichbar mit Bergwandern oder moderatem Laufen.“ Je nach Alter und Konstitution der Buddler werden rund 450 Kilokalorien pro Stunde verbrannt. Besonders Bizeps, Oberschenkel und Rückenstrecker merken am Abend, was sie gemacht haben.

Eine Forke voll Laub ersetzt eine mittlere Hantel
Gegenüber dem Studio haben die Freiluftübungen im Beet sogar Vorteile: Sonne kommt auf die Haut, das regt die Bildung von Vitamin D an. Erde und die frische Luft trainieren das Immunsystem. Nicht zuletzt hat die Arbeit sofort einen sichtbaren Erfolg: Das motiviert zum Dranbleiben.
Von sanft bis hart, von Ausdauer bis Kraft – für jeden Trainingsgeschmack gibt es etwas zu tun. Schon das Spaten-Work-out (Training) der Sporthochschule kann individuell angepasst werden: Einsteiger starten sanft in sandiger Erde. Wer sich richtig fordern will, der gräbt in lehmigem Terrain. Hecken und Bäume zu schneiden, das ­definiert die Schultern und dehnt ordentlich, wenn die gestutzten Gewächse nur hoch genug sind. Das Rasenmähen ohne Motor verbraucht so viel wie eine Brustschwimmstunde im Baggersee. Laub zusammenzurechen kann locker mit Walking mithalten. Das Rechen für die Ausdauer, das anschließende Einsammeln für die Kraft – eine Forke voll Laub ersetzt eine mittlere Hantel.

Rutschfest, mit speziellem Trittsteg und doppelt vernietetem Spaenblatt: der Fitness-Spaten Foto: www.fitness-spaten.de

Auf die Technik kommt es an
Wie immer beim Sport legen Experten großen Wert auf die richtige Technik: Generell sollten die Freizeit­gärtner aus einem festen Bauch heraus und mit aufrechtem Rücken arbeiten. Das heißt zum Beispiel fürs Jäten: Nicht einfach bücken und ausrupfen, sondern hocken – und erst aufstehen, wenn das Becken so nach vorn gekippt ist, dass der Rücken darin wie festgemauert steht. Yogakenner und Kraftsportler wissen, was gemeint ist. Und ruhig mal schnelle und langsame „Jäts“ abwechseln, als Intervalltraining. Natürlich Verschnaufen und Abschlussdehnen nicht vergessen.

Rasenmähen statt rudern
Ein extra entwickeltes Ausrüstungsstück gibt es auch schon: Die Firma Idealspaten hat die Erfahrungen der Kölner Studie in einen so genannten Fitnessspaten einfließen lassen. Unter anderem soll der Stiel für schwitzende Hände rutschfester sein.
Für die Hersteller von Gartenwerkzeugen zeichnet sich der Trend schon länger ab. Holzäxte, Handrasenmäher und sogar Gießkannen verzeichnen steigende Umsätze. Wer schon einmal einen Rasen ohne Motorhilfe gemäht hat, der weiß, dass das mühelos eine ambitionierte Rudertour ersetzt. Fragt sich nur, wohin jetzt mit dem schönen Mähroboter? Einfach aufheben, falls der innere Schweinehund mal siegt. Das gehört ja auch zum Sport.

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