Sicherheits-Check-Up für Bäume
Gartenpflege

Sicherheits-Check-Up für Bäume

Nur ein gepflegter Baum ist auch ein sicherer Baum. Gerade die Herbst- und Winterstürme setzen den Pflanzenriesen jedoch stark zu. Wann ist ein Baum noch sicher und was kann ich dafür tun? Und wer haftet im Fall der Fälle? Wir haben die Antworten!

Foto: pixabuycom

Bei Orkanböen können Bäume wie Streichhölzer knicken Foto: Benjamin Nolte / NDR

Die Folgen extremer Stürme, wie umstürzende Bäume und herabfallende Äste, bringen so manchen Hauseigentümer ins Grübeln. Beim Gang durch den Garten fragt sich der Hobbygärtner, wie standfest seine meterhohen Tannen und der alte Laubbaum an der Grenze zum Nachbargrundstück noch sind. Gibt es möglicherweise schon nach der nächsten kräftigen Windböe Kleinholz? Um Schäden in der Umgebung oder am eigenen Haus zu vermeiden, ist eine regelmäßige Inspektion aller Bäume durch den Besitzer deshalb ein Muss. Auch die Auswahl des Gehölzes beim Kauf entscheidet über dessen spätere Bodenhaftung. Ebenso wichtig ist für Grundstückseigentümer der Blick in die Versicherungspolice. Die Klauseln erteilen Auskunft darüber, ob alle Kosten bei Unwetterschäden gedeckt sind.

In hochgelegenen Astgabeln bauen Eichhörnchen ihr Nest Foto: Pixabuy

Hauptsache gesund und standsicher!

Hochgewachsene Bäume und üppige Hecken sind im Garten mehr als nur ein Sichtschutz oder malerischer Anblick. Baumkronen und dichtes Blattwerk dienen vielen kleinen Tieren und Insekten als Lebensraum und Futterquelle. Aber Wetter und Alter setzen Stämmen und Ästen im Lauf der Jahre zu. Wer Holzbruch durch einen kräftigen Sturm oder Schneefall vermeiden möchte, sollte seine grünen Lieblinge nicht nur der Schönheit, sondern auch der Sicherheit wegen ab und zu gründlich begutachten. 

Normalerweise genügt im Garten eine regelmäßige optische Bauminspektion durch den Hausbesitzer. Sieht das Objekt gesund aus, ist dieser seiner Verkehrssicherungspflicht ausreichend nachgekommen. Entdeckt er dagegen faule Stellen an der Rinde, Pilze am Stamm oder an den Wurzeln sowie abgestorbene Äste in der Krone, deutet dies auf einen möglichen Gefahrenherd hin. Jetzt muss genauer untersucht werden.

Bei Pilzbefall können Wurzeln und Stamm faulen Foto: Erich Keppler / Pixelio

Laut Bundesgerichtshof überlässt der Baumeigentümer eine qualifizierte „Inaugenscheinnahme“ am besten dem Profi. Erst wenn bei dessen Kontrolle ein „Gefahrenverdacht“ auftritt, sind konkrete Maßnahmen notwendig. Über die Häufigkeit der fachlichen Beurteilung macht der BGH keine Angaben. Einige Oberlandesgerichte schreiben im Gegensatz dazu zwei Untersuchungen pro Jahr durch Experten vor, um eine Haftung des Baumbesitzers bei Schäden durch seine Gehölze auszuschließen. 

TIPP

Fachbetriebe zur Baumkontrolle finden sich unter anderem im Internet auf den Links der regionalen Landesverbände für Garten und Landschaftsbau, städtischen und kommunalen Gartenämter oder auf qualifizierten Fachportalen wie www.ral-baumpflege.de und www.baumpflegeportal.de

Ein angebrochener Ast kann teuer zu stehen kommen Foto: Pixabuy

Im Falle eines Falles – wer zahlt?

Eine kräftige Windböe – und schon ist es passiert. Ein dicker Ast hat das Dach oder das Auto des Nachbarn erwischt. Wer kommt nun für den Sachschaden auf? Ab mindestens Windgeschwindigkeit 8 liegt laut Gesetz „höhere Gewalt“ vor. Dabei handelt sich es sich juristisch um „gewisse Gefahren, die (…) auf der Natur beruhen“ und „als unvermeidbar“ hinzunehmen sind. Im Klartext bedeutet das für den Baumeigentümer: 

  1. Beschädigt sein entwurzelter, aber gesunder Baum oder dessen herunterfallender Ast ein Haus in der Umgebung, ist die Wohngebäudeversicherung des Betroffenen zuständig
  2. Baumschäden auf dem eigenen Grundstück reguliert die persönliche Wohngebäudeversicherung – auch dann, wenn das Bruchholz von einem fremden Grundstück stammt
  3. trifft dagegen der herunterfallende Ast Nachbars Wagen, ist dessen Teil- oder Vollkaskoversicherung für die entstandenen Kosten durch die Beschädigung zuständig. 

Fahrlässigkeit kommt teuer zu stehen

Anders liegt der Fall, wenn offensichtlich morsches Holz Schäden auf dem eigenen oder einem fremden Grundstück verursachen. Dann springt die Haftpflichtversicherung des Baumbesitzers ein. Nachweislich mangelnde Pflege seiner grünen Pracht kann hier schnell zum Zünglein an der Waage werden. Weil er in diesem Fall die gesetzliche Verkehrssicherungspflicht auf seinem Grundstück verletzt hat, bleibt er möglicherweise auf einem Teil der Kosten sitzen. 

Ein klarer Fall für die Versicherung, aber für welche? Foto: Bernd Kasper / Pixelio

Auf gute Nachbarschaft

Kompliziert ist die Sachlage, wenn der Unglücksbaum unmittelbar auf der Grenze zwischen zwei Grundstücken steht. Dann handelt es sich um einen sogenannten Grenzbaum. Rechte, Pflichten, Pflege und Verkehrsversicherungspflicht fallen gemäß Paragraf 923 des Bürgerlichen Gesetzbuches „zu gleichen Teilen“ auf beide Nachbarn zurück. Diese Regelung gilt auch für alle Hecken und Sträucher auf der Grundstücksgrenze.Generell raten die Verbände der Haus- und Grundstückseigentümer ihren Mitgliedern, alle Unwetterschäden auf eigenem und fremdem Gelände mit Fotos zu dokumentieren und sofort dem zuständigen Versicherer zu melden. Sinnvoll ist außerdem, die aktuellen Angaben der Wetterdienste zu notieren. Die Stärke des Windes kann später eine erhebliche Rolle bei der Einschätzung spielen, welche Versicherung die Folgekosten tragen soll. 

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht – auch beim Griff zur Axt

Ein möglicherweise herunterfallender Ast oder ein über zu viel Schatten und Laub nörgelnder Nachbar sind noch lange kein rechtmäßiger Grund für das großzügige Entfernen von gesunden Stämmen und Baumkronen. Auch wenn einige Gartenbesitzer die ideale Lösung darin sehen, das hölzerne Problem kurzerhand mit der Axt oder Kettensäge zu beseitigen. Hier schiebt der Naturschutz einen Riegel vor. Wer ohne offizielle Genehmigung Bäume oder große Hecken fällt, macht sich in aller Regel strafbar. Es drohen hohe Geldbußen bis zu mehreren tausend Euro. 

Kein gleiches Recht für alle

Was und wo gesägt werden darf, entscheiden allein die Behörden von Städten, Kommunen und Gemeinden in ihren lokalen Baumschutzsatzungen. Wie streng diese Auflagen sind, hängt von den jeweiligen Bestimmungen ab. Je nach Lage benötigt oft schon der Radikalschnitt einer hohen Hecke eine Erlaubnis. In vielen Großstädten muss für gerodetes Gehölz außerdem Ersatz gepflanzt werden. Ausgenommen von diesen Vorgaben sind normalerweise nur Obstbäume. Konkrete Auskünfte sowie Genehmigungen zum Fällen erteilen je nach Standort die örtliche Gartenämter, Ämter für öffentliche Ordnung oder die Naturschutzstellen der Kreisbehörden.Die einzelnen Regionen kochen ihr eigenes Süppchen zum Erhalt von Laub- und Nadelbäumen, ganz besonders in Ballungsräumen, wo es auf jeden „Lufterfrischer“ ankommt. 

Abgeholzt wird in München nur nach Vorschrift Foto: Pixabuy

Beispiel München und Hamburg

In der bayerischen Landeshauptstadt herrscht die städtische Baumschutzsatzung. Laub- und Nadelbäume sind ab einem Stammumfang von 80 Zentimetern, in 1 Meter Höhe vom Boden aus gemessen, geschützt. Obstbäume dürfen in Münchner Gärten, wie fast überall in Deutschland, ohne Erlaubnis abgeholzt werden. Aber Achtung: Bestimmte Arten wie Walnuss, Holzbirne, Holzapfel, Vogelkirsche, Holunder oder Hasel sind davon ausgenommen. Steht ein Gehölz oder eine Hecke in einem Natur- oder Landschaftsschutzgebiet, ist sogar ein Rückschnitt verboten bzw. erlaubnispflichtig. Nach starken Schneefällen oder Eisregen kommt es gerade in Süddeutschland im Winter verstärkt zu Schneebruch von Baumkronen und Ästen. Eine hierbei mögliche Gefährdung der Öffentlichkeit muss mit der schriftlichen Bestätigung durch eine Fachfirma sowie Fotomaterial direkt bei der Unteren Naturschutzbehörde angezeigt werden, damit der „Gefahrenherd“ sofort beseitigt werden kann. 

Strengere Sitten im Norden

In Hamburg sind die Vorgaben beim Naturschutz besonders rigoros. Hier sind: „grundsätzlich alle Bäume und Hecken geschützt, d. h., sie dürfen ohne schriftliche Sondergenehmigung des zuständigen WBZ Naturschutz nicht gefällt und keine Teile von ihnen entfernt oder beschädigt werden (z. B. Zweige, Äste, Rinde, Wurzeln)”. (Quelle: Merkblatt der FREIE UND HANSESTADT HAMBURG) Unter diese Bestimmung fällt bereits ein Stamm mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern, gemessen bei einer Wuchshöhe von 1,30 Meter. Ausnahmen sind absterbende, nicht mehr standsichere Bäume oder Äste, die zu weit in den Straßenbereich ragen. Nur bei offensichtlichen Schäden nach schweren Frühjahrs- oder Herbststürmen kann der Baum „zur Abwehr akuter Gefahren“ sofort gefällt werden. Vorher muss sein Zustand zwecks Kontrolle mit Fotos und Ähnlichem genau dokumentiert werden. Um mögliche Bußgelder und weiteren Ärger garantiert zu vermeiden, ist es in jedem Fall sinnvoll, sich vorab bei seiner Kommune, Gemeinde oder städtischen Behörde eingehend zu informieren. Gedruckte Broschüren und offizielle Behörden-Portale im Internet bieten detailliert Auskunft. Gartenbesitzer können hier auch meist direkt die Anträge für Maßnahmen an ihren Gehölzen herunterladen.

Der Profi kennt den richtigen Schnitt Foto: Grünes Presseportal

Achtung, Baum fällt! Aber wohin?

Ist eine Fällgenehmigung erteilt, bitte keine Experimente. Ab einer gewissen Höhe ist das Abholzen eines Baums auf eigene Faust lebensgefährlich. Neben dem Sturzrisiko für den Gärtner kann der Stamm beim Umkippen große Schäden in der Umgebung anrichten. Lieber einen Landschaftsgärtner mit der Beseitigung beauftragen. Mit seinem Wissen und einer professionellen Ausrüstung kann er am besten beurteilen, wo die Motorsäge sicher anzusetzen ist. Eine deutschlandweite Liste entsprechend ausgebildeter Profis findet man im Internet unter dem Link des Dachverbandes RAL Baumpflege e. V.. 

Gut beraten beim Gehölzkauf

Bäume und Hecken sind mit ihrem Laubkleid und ihrer Blütenpracht das ganze Jahr über eine Zierde im heimischen Garten. Beim Kauf vergessen Hobbygärtner leicht, wie hoch Ahorn, Eiche, Fichte und Co. im Lauf der Jahre wachsen können. Neben dem ungewollten Schatten, den künftige Riesen dann in ihrer Umgebung werfen, muss von Zeit zu Zeit bei Erhaltung und Rückschnitt der teure Profi ran. Wer auf keinen Fall auf sein Bäumchen verzichten möchte, greift zu langsam wachsenden, kleinwüchsigen und vor allem pflegeleichten Sorten. In qualifizierten Baumschulen gibt es ausreichend Beratung über Standort, Behandlung und Wuchshöhe. 

Merkliste

Mit diesen Tipps gehen Gartenbesitzer bei ihren Bäumen auf Nummer sicher:

  1. morsche und tote Äste im Frühjahr nach dem Laubaustrieb entfernen. In diesem Zeitraum lassen sie sich am besten erkennen,
  2. starke Schneelasten im Winter von den Ästen abschütteln, Bäume auf Frostschäden absuchen,
  3. zweimal im Jahr große Laub- oder Nadelbäume vom Fachmann auf Standfestigkeit überprüfen lassen, 
  4. Informationen zu Maßnahmen an Gehölzen bei der jeweils zuständigen örtlichen Behörde einholen, 
  5. generell sind laut Bundesnaturschutzgesetz der starke Rückschnitt und das Fällen von Bäumen und Hecken in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September verboten, ein moderater Formschnitt ist in der Regel erlaubt,
  6. bei Ersatzbäumen darauf achten, dass die Sorte den jeweiligen regionalen Bestimmungen am Standort entspricht,
  7. überprüfen, ob und wie weit Unwetterschäden durch fallende Gehölze in einer Wohnhaus- oder Elementarschutzversicherung abgedeckt sind.
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