Kleine Mückenkunde: Schutz vor dem Stich
Gartenpflege

Kleine Mückenkunde: Schutz vor dem Stich

Interview mit einem Mückenexperten: Welche Arten bei uns gefährlich werden können, warum Licht gar keine Rolle spielt und wieso Fische ein prima Mückenschutz sind

Foto: ©nataba - stock.adobe.com

Mückenexperte Renke Lühken Foto: privat

Sechs Beine und Hunger nach Blut - der Hamburger Ökologe und Infektionsforscher Renke Lühken ist fasziniert von Stechmücken. In seinem Labor im Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und auf seinen Exkursionen untersucht er, worauf die grazilen Insekten wirklich fliegen. Und wann von den  Mücken eine echte Gefahr für den Menschen ausgeht. 

Eine gute Mückenfalle? Ein großer Sack mit Trockeneis

Wenn man nachts wieder mal wir fuchtelnd aufwacht, weil es surrt, wen genau versucht man dann da gerade zu erschlagen?  
Das ist sehr wahrscheinlich die „Gemeine Stechmücke“, Culex pipiens. Auch wenn man hier in Deutschland noch 49 weiteren Arten begegnen kann, diese Mücke ist in menschlichen Siedlungen mit Abstand am häufigsten. Sie ist perfekt an einen normalen Garten angepasst, kann zum Beispiel auch in Regentonnen brüten.

Und die anderen Mücken machen das nicht?
Alle Mücken brauchen Wasser, um dort ihre Eier abzulegen. Manche können riechen, wo es der Boden regelmäßig überschwemmt wird, anderen reichen schon das bisschen Regenwasser in einer Seerosenblüte oder einem Buddelförmchen. Die Larven leben im Wasser, dafür haben sie eine Art Schnorchel am Hinterleib, mit dem sie zwischendurch Luft holen. Auch die Puppen schwimmen an der Oberfläche. Erst die ausgewachsenen Mücken verlassen das Wasser und gehen an Land.

… um zu stechen …
Ja. Aber die allermeisten Mückenstiche treffen Pflanzen! Mücken ernähren sich nämlich von den zuckerhaltigen Säften dort. Blut brauchen nur die Weibchen, vor der Eiablage - sie haben eine Art Eiweißraffinerie in ihrem Hinterleib. Während das Blut dort durchläuft, holen sie die Proteine heraus, damit sie damit ihre Eier bestücken können.   

Sie haben in Ihrer Laufbahn ja auch untersucht, wie man Mücken besonders zuverlässig fangen kann. Worauf fliegen Mücken wirklich?
Mücken sind schwindelerregend gut beim Finden von dem, was sie gerade brauchen. Und zwar vor allem über den Geruch. Sie können zum Beispiel an einer trockenen Pfütze riechen, ob sich da die Eiablage lohnt, weil sie öfter überschwemmt wird. Und sie riechen ihren Wirt. Große Säugetiere - wie uns Menschen - finden sie über die großen Mengen Kohlendioxid, die wir ausatmen. Eine gute Mückenfalle, das ist zum Beispiel ein großer Sack mit Trockeneis. 

Viele Menschen glauben ja, dass sie ein echter Mückenmagnet sind und immer viel häufiger gestochen werden, als ihre Nachbarn. Kann das dann sein? Jeder atmet ja Kohlendioxid aus ...
Ja, das stimmt trotzdem. Aus der Sicht der Mückenweibchen ist nicht jeder Mensch gleich. Sie machen etwas, das die Wissenschaft Chemotaxis nennt - sie fliegen entlang chemischer Spuren, immer von der kleinen zur großen Menge. Wer also mehr Kohlendioxid ausatmet, vielleicht, weil er sich mehr bewegt oder eine Krankheit hat, der zieht auch mehr Mücken an. Außerdem ist unser Körpergeruch ein echter Lockstoff. Manche Studien sagen auch, dass Alkoholgeruch Mücken lockt.

Trotz Mückplage ruhig schlafen? Vor dem Zubettgehen am besten duschen

Perfekt angepasst: Regentonnen sind für die "Gemeine Stechmücke" ein idealer Brutplatz. Foto: ©Ingo Bartussek - stock.adobe.com

Erst die ausgewachsenen Mücken verlassen das Wasser und gehen an Land. Foto: ©Belozorova Elena - stock.adobe.com

Und Licht?
Nein, Licht spielt gar keine Rolle. Eine Menschensilhouette kann die Mücken vielleicht aus der Ferne neugierig machen. Aber dann fliegt sie immer dem Geruch nach zu dessen Quelle. Vor dem Schlafengehen zu duschen - das ist zum Beispiel eine sehr gute Idee, wenn man in einer feuchtwarmen Sommernacht trotz des offenen Fenster ruhig schlafen möchte.  Außerdem hilft ein Deckenventilator: Der verteilt die ausgeatmete Luft so, dass die Mücken die Quelle des Kohlendioxids schlechter finden können.

Holen sich Mücken denn das Blut nur von Menschen?
Nein, im Gegenteil. Manche von allen möglichen Säugetieren, manche lieber von Vögeln. Und viele nehmen einfach, was sie finden können. Wir haben herausgefunden, dass die häufigen heimischen Mücken vor allem bei Rehen saugen, danach kommt schon der Mensch als zweitliebster Wirt. Gerade bei uns in der Tropenmedizin ist das eine wichtige Frage: Welche Mückenart trinkt von welchen Tieren? Denn neben den Proteinen können ja mit dem Blut auch Krankheitserreger in die Mücke gelangen -  und weiter zum nächsten Wirt.

Auch bei der Gemeinen Stechmücke? 
Das ist schwierig zu beantworten, tatsächlich erforschen wir das ja gerade erst.  Es sieht aber so als, als ob da mehr mitwandert, als wir dachten.  In Deutschland gibt es seit kurzem das so genannte Amselsterben, erst vor allem im Süden, jetzt ist es auch hier im Norden angekommen. Die Tiere sterben an einer Nerveninfektion, die das Usutu-Virus auslöst. Es kommt aus Afrika, wir hier aber wohl auch von Culex pipiens übertragen. Zum Glück verläuft aber die Infektion beim Menschen ganz ohne oder ohne gefährliche Symptome, wie eine leichte Erkältung. Hier ist also der Mensch das Reservoir für eine Krankheit, die  den Tieren gefährlich werden kann. Bei klassischen Mückefiebern ist es ja eher andersherum. 

So wie bei der Asiatischen Tigermücke, die das Dengue-Fieber überträgt.
Ja. Diese Krankheit ist für den Menschen gefährlich, weil sie innere Blutungen auslöst. Und die Tigermücken gehören zu den Arten, die erst nach Deutschland eingewandert sind und sich inzwischen etablieren konnten. Das heißt, sie können unsere milder gewordenen Winter überstehen. 

Asiatische Tigermücke: sie überlebt mittlerweile unsere milden Winter Foto: ©gordzam - stock.adobe.com

Effektivster Mückenschutz: der Stoff DEET, in den meisten Mückensprays aus der Apotheke enthalten

Das klingt jetzt aber beunruhigend.
Stimmt. Aber wir können bei den Viren Entwarnung geben. Für Dengue scheint der Winter hier zu kalt - ebenso für Zika, das auch Tigermücken übertragen.  

Wie wandern Mücken denn ein?
Bei der Tigermücke kann man das ganz genau sagen, denn sie trat 2007 und danach immer an bestimmten Autobahnen aus Italien zum ersten Mal auf, rund um bei Fernfahrern beliebten Rastplätzen. Die Mücken reisen auf der Ladefläche, vor allem Autoreifen mit Regenresten scheinen Mückenfähren zu sein. Der Weg funktioniert auch gut über den Ozean: Es gibt schließlich ganze Containerschiffe voller Reifen, die zwischen Europa und den Tropen hin und her fahren.

Und welche blinden Passagiere haben diese Containerschiffe alles hierher gebracht?
Wir haben 2014 gezielt in Hamburg gesucht, unter anderem auch rund um den Hafen. Dabei sind ist uns als exotische Art zum Beispiel die asiatische Reisfeldmücke ins Netz gegangen, die Japan-Enzephalitis überträgt, und auch eine Art, die theoretisch Menschen mit Malaria infizieren kann - Anopheles algeriensis. Normalerweise finden sich hier aber nur die Mücken. Dass die Krankheitserreger gleichzeitig den Sprung nach Europa schaffen, ist sehr unwahrscheinlich.   

Trotzdem sieht man jetzt seinen Gartenteich vielleicht mit anderen Augen. Was kann man machen, damit die Mücken dort keine Kinderstube eröffnen?
Fische! Mücken meiden Gewässer, in denen ihre Babys weggenascht werden. Viel wichtiger ist es, die Regentonne abzudecken. Das ist ein echter Lieblingsplatz für die Mückenkinder.

Wo Fische im Teich schwimmen, hat die Mückenbrut keine Chance Foto: ©Kwangmoo - stock.adobe.com

Und wie schützen Sie sich persönlich vor Mückenstichen, zum Beispiel wenn Sie für Ihre Forschungen in Malariagebiete reisen?
Man braucht einen Stoff, der die Mücken beim Riechen behindert. In Hausmitteln finden sich deswegen oft ätherische Öle. Im Moment ist aber wohl der Stoff DEET - in den meisten Mückensprays aus der Apotheke enthalten - da am effektivsten. Leider verfliegt die Wirkung ziemlich schnell, deswegen sprühe ich häufig nach - etwa einmal pro Stunde. Und dann gibt es heute für die Tropen Kleidung, bei der so ein chemischer Mückenschirm gleich eingearbeitet ist. Die verwende ich auch. 

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