Gartenerde verbessern: Terra Preta, der Mutterboden der Indios
Gartenpflege

Gartenerde verbessern: Terra Preta, der Mutterboden der Indios

Terra Preta ist nicht nur ein Mythos aus dem fernen Südamerika. Die Erde der Indios wirkt tatsächlich Wunder. Auf welche Weise, das ist jedoch noch nicht ganz geklärt

Foto: Getty Images

Mitten im kargen, ­hellbraunen Ur­waldboden Amazoniens liegt der Schatz. Schwarze, nährstoffreiche Erde, metertief. Indios, die dort ihre Felder bestellen, haben immer bessere Erträge als ihre Nachbarn auf gero­detem Regenwaldboden – obwohl sie gar keinen Dünger kaufen. Dieser Bo­den ist fruchtbar, und er bleibt es auch. 

Es ist eine ererbte Goldgrube, angelegt vor Hunderten von Jahren von den verschwundenen Bewohnern alter Urwaldstädte. Womöglich haben die vergessenen Bodenexperten zwei von 100 Quadratmetern Dschungelboden so dauerhaft urbar gemacht.

Rezept für Selbermacher: Mit diesen Zutaten verwandelt man normalen Gartenkompost in etwas, was der alten Terra Preta sehr nahe kommt Foto: terra-preta-gardens.com

Kompostwirtschaft der Indios

Seit europäische Forschungsreisende vor 150 Jahren auf das „schwarze Gold“ aufmerksam wurden, rätseln sie, wie dieser Baukasten der Fruchtbarkeit funktioniert. Was man inzwischen sehr genau kennt, ist das Rezept. Es ist nichts für geruchsempfindliche Gärtner. Denn offenbar mischten die alten Indios alles, was ihre Siedlungen an Abfällen hergaben. Tonscherben, Asche und Holzkohle, Pflanzenreste, Tierknochen – und sogar Fäkalien. 

Wer sich schon mit Kompostwirtschaft beschäftigt hat, weiß: Auch in Europa machte man ungefähr so von jeher Pflanzen glücklich. Jedenfalls bis Ärzte Einwände gegen krankheitsübertragende und wenig appetitliche Zutaten in unmittelbarer Siedlungsnähe vorbrachten.

Öko-Kohle: Bei Terra Anima werden invasive Gehölze verkokt, die ohnehin gefällt werden mussten

Großer Anteil an Holzkohle

Das wirklich auffällige Detail an dem Amazonasrezept ist der große Anteil an Holzkohle. Unter dem Mikroskop sehen Kohleteilchen aus wie Schweizer Käse: übersät von Poren. An der Freien Universität Berlin ­haben Bodenkundler die Wirkungsweise der winzigen Höhlenlandschaft unter die Lupe genommen. Sie stellten fest, dass sich dort Bakterien und Pilze ansiedeln, die wie ein Schwamm Nährstoffe binden können. Während heftige Tropenregen die Nährstoffe aus der Humusschicht im normalen Regenwaldboden fast ungebremst zum Grundwasser durchspülen, bleiben sie in der Kohle und ihren Bewohnern wie in einem Filter hängen und sind so weiterhin für die Pflanzenwurzeln verfügbar. 

Reich an Stickstoff

Knochen versorgen den Boden mit Phosphor, Fäkalien sind reich an Stickstoff. Aus Sicht der Pflanze macht es Sinn, das noch mit ins Beet zu geben. Unklar ist, wie die alten Indios die hygienischen Probleme dieser Beimischungen lösten. Zumindest weiß man heute, dass die Abfälle nicht direkt auf den Feldern, sondern erst einmal in professionellen Kompostieranlagen landeten. Verlassen wurden viele der Städte übrigens erst, nachdem die Bewohner von den europäischen Eroberern aus diesen vertrieben wurden.

Terra Preta selber machen: so funktioniert’s

Terra Preta ist Portugiesisch und bedeutet „Schwarze Erde“. Weil Holzkohle die entscheidende Zutat dieser besonders lange nährstoffreichen Komposterde bildet, sollte man beim Kauf ganz genau hinschauen, aus welcher Quelle die Kohle stammt. Denn wer, um seinen Gartenboden ökologisch aufzuwerten, in Kauf nimmt, dass dafür intakte Wälder „verkokt“ werden, schadet der Umwelt, statt ihr zu nützen. 

Selbst machen ist gar nicht schwer – zumindest, wenn Sie ein pflanzenfressendes Haustier haben, das versorgt Sie mit genügend Mist. Für die Kohle können Sie Reste aus Ihrem Holzofen sammeln und zusätzlich Holzkohle kaufen. Möglichst klein und locker, keine Briketts, und natürlich ökologisch verträglich hergestellt, zum Beispiel aus Kokosnussabfällen hergestellte Produkte. Dazu kommen tonmineralhaltige Bestandteile, wie die Scherben alter Blumentöpfe oder Vermiculite aus dem Gartenfachhandel, zudem etwas Gartenkalk. Französische Gartenfreunde schwören auf die Sorte getrocknetes und vorkompostiertes Moos, wie es auf schattigen Rasenflächen oder auf Mauern und Wegen zu finden ist. 

Alle diese Zutaten können gemischt und an nährstoffarmen Standorten direkt untergeharkt werden, oder sie garen ein Jahr lang auf dem Komposthaufen mit den gesammelten Gartenabfällen. Weil die Kohle auch für einen Ausgleich zwischen alkalischen und sauren Bodenbestandteilen sorgt, ist Terra Preta für jede Pflanzenart geeignet, ob kalkliebend oder nicht.

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