Gartenpflege

Der Feind in meinem Garten

Nur weil es grün ist, muss es nicht lebendig sein. Manche Gärten schaden der Natur eher, als dass sie ihr nützen. Viele Gemeinden haben schon reagiert und erlassen klare Pflanzregeln

Foto: FloraGarten

Paul Breitner hatte es sich ziemlich einfach gedacht. Um „den Tourismus“ an seinem Gartenzaun abzuschirmen, hatte die Legende des FC Bayern München etliche Meter Thuja um sein Grundstück setzen lassen. Kurze Zeit später kam die Beseitigungsanordnung der Gemeinde Oberpframmern ins Haus geflattert. Der Grund: Im Bebauungsplan seien nur heimische Gehölze zugelassen.

Was 2013 als eine „Provinzposse“ um einen Ex-Fußballprofi Schlagzeilen machte, ist tatsächlich inzwischen in vielen deutschen Gemeinden Gesetz. Für Insekten und Vögel auf Nahrungssuche sind die immergrünen Thujen so etwas wie eine Wüste – nur  hochkant. 

Hecke oder Öko-GAU? Grüne Wände aus ­Thuja sind mancherorts schon verboten Foto: FloraGarten

Besagte Nadelbäume stammen aus Nordamerika. Rund um die Niagara­fälle bildet die „Red Cedar“ mächtige Wälder, die von Leben nur so wimmeln. Doch Vögel brauchen Insekten, und Insekten sind wählerisch. Die hiesigen Krabbeltiere können mit den importierten Gewächsen im Wesentlichen nichts anfangen. Für sie gibt es dort kaum etwas zu fressen. Sie würden sich in Eiben deutlich wohler fühlen. Entsprechend öde sind ­Thuja­hecken bei näherer Betrachtung: Während zum Beispiel in heimischen Hainbuchenhecken im Sommer geschäftiges Treiben herrscht, sind bei der Nordamerikanerin kaum Bewohner zu sehen. Hinzu kommt, dass ihre Wurzeln den Boden stark austrocknen und die fallenden Nadeln dessen pH-Wert verändern. Es entsteht eine saure, staubtrockene Fläche, auf der kaum eine andere Pflanze Fuß fassen kann.

Was man sich im Garten pflanzt, ist keine Privatsache. Es beeinflusst direkt die Artenvielfalt der Umgebung. Der Umweltverband BUND e. V. kommt beim Thema ­Kirschlorbeer etwa regelrecht ins Schimpfen: „Eine hochgiftige ökologische Pest, jede Betonmauer ist für die Natur wertvoller, da wachsen wenigstens Flechten und Moose“, heißt es in einem Papier zum Thema.

Schöne Form, miese Ökobilanz: Wer nur Buchs und Thuja pflanzt, verschwendet Boden Foto: FloraGarten

Der Grund: Auch die Lorbeerkirsche ist importiert. Sie stammt aus dem Mittelmeerraum und hat trotz Blüten und Beeren vergleichsweise wenig für die heimische Tierwelt zu bieten. Außerdem brauchen ihre Blätter sehr lange, um zu Humus zu zerfallen. Sie bilden auf dem Boden keine Nährschicht, sondern eine Schutzschicht gegen keimende Samen. Das spart zwar Jätezeit – nimmt aber den Bienen Nahrungsquellen weg.

Ebenfalls so traditionsreiche Gartenpflanzen wie der Buchsbaum – die Allzweckwaffe im Bauerngarten – tragen das Importmanko. Er ist wahrscheinlich erst während der Römerzeit in Mitteleuropa aufgetaucht. Dass Buchs & Co. inzwischen Insekten aus ihrer ­biologischen Heimat China nachgereist sind, hilft wenig. Denn da der Buchsbaumzünsler, ein Kleinschmetterling, hier keine natürlichen Feinde hat, kann seine Raupe die alten Buchsbaumbestände ungestört kahlfressen.

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