Smart Home dank Smart Phone: so funktioniert das Zusammenspiel von Handy und Haussteuerung
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Smart Home dank Smart Phone: so funktioniert das Zusammenspiel von Handy und Haussteuerung

Die App als Fernsteuerung fürs automatisierte Zuhause – diese Vision wird nun Realität. Es gibt zahlreiche Lösungen für Eingangsbereich, Fenster, Garage, Verschattung und Einbruchsicherheit

Foto: Oknoplast

Das Smartphone als Fernbedienung für das Zuhause

Die Szene ist ein Klassiker: Hastiger Aufbruch in den Urlaub, Ankunft am Flughafen, das Gate erreicht, gleich wird der Flug aufgerufen, da durchfährt es einen siedend heiß: „Haben wir eigentlich das Garagentor geschlossen und die Alarmanlage aktiviert?“ Solche drängenden Fragen, vorwurfsvoll gestellt, haben schon Ehekrisen provoziert und kostbare Urlaubszeit ruiniert. Bis dann endlich die Nachbarn telefonisch zu erreichen waren. 

Mit der App für Garagentor und Alarmanlage auf dem Smartphone ist das Geschichte: Einmal kurz den Status prüfen, und es herrscht Ruhe. Immer mehr wird das Telefon mit Touchscreen, alternativ das Tablet, zur Fernbedienung des Zuhauses. 

Vernetzung über Kabel oder doch lieber funkgesteuert?

Bei der Beleuchtung ist das bereits sehr beliebt, aber jetzt lassen sich auch Haustür, Garagentor, Fenster, Verschattung und Alarmanlage damit aktivieren und steuern. Schon fast ein Viertel der deutschen Hausbesitzer nutzen Smart-Home-Technologie, zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Deloitte.

Grundsätzlich gibt es zwei Herangehensweisen: Die große Lösung ist das komplett vernetzte Haus, in dem zusätzlich zum Stromnetz ein Netz mit Steuerleitungen auf Basis eines Industriestandards wie KNX verlegt wird. Von einer Steuerzentrale aus werden Signale aus dem System – zum Beispiel der von einem Sensor gemeldete Sonnenstand – verarbeitet und nach einem programmierten Protokoll an die so genannten Aktoren geschickt, die eine Reaktion auslösen: Die Jalousien fahren he­runter. In aufwendigen Anlagen sind in diesen Vorgang auch die Heizung und die Lüftung integriert, um das optimale Wohnklima zu gewährleisten. Das ist aber nur im Neubau oder bei einer Totalsanierung praktikabel. Und es sind Investitionen von mehreren Zehntausend Euro nötig.
Deswegen gibt es zusätzlich zahlreiche Systeme, bei denen die Steuersignale per Funk übertragen werden – Basis-Installationen, die einen Start in die neue Zeit ermöglichen, kosten weniger als tausend Euro und lassen sich nachrüsten. 

Intelligent und stylish: Bei dieser Türan­lage, zur Sicherheit mit Kamera, öffnet der eingetippte Code die Haustür (Doorbird) Foto: Doorbird

Einsatzbereich Haustür

Was beim Auto längst Standard ist, wird jetzt auch bei der Haustür möglich: die Öffnung per Fernbedienung. Das kann ein Handsender sein oder eben das Smartphone. Kombiniert mit einem Türantrieb ist sogar das ferngesteuerte Aufschwingen der Tür möglich. Praktisch, wenn man mit Einkauf und Kind auf dem Arm nach Hause kommt. Zusätzliche Sicherheitsoption: eine integrierte Kamera. Sie zeigt auf dem Screen des Telefons, wer geklingelt hat, ohne dass man zur Tür gehen muss. Die Freunde? Dann kann man bedenkenlos öffnen. Ein Unbekannter? Er kann per Gegensprechanlage sein Anliegen vortragen.Ein weiterer Vorteil gegenüber dem klassischen Schlüssel, dessen Verlust den Tausch der ganzen Schließanlage nötig macht: Das smarte System wird in diesem Fall einfach auf einen neuen Code programmiert.

Moderne Smart-Home-Systeme (hier: Elero) bieten immer mehrere Möglichkeiten, ... Foto: Elero

... wichtige Funktionen wie Sicherheit oder Verschattung zu steuern (hier: Jung)

Einsatzbereich Fenster

Auf Kipp gestellte Fenster sind eine Einladung für Einbrecher. Hilfreich also, wenn die Fenster Motorantriebe haben und per Fernbedienung oder App geschlossen werden können. Das ist bei schwer erreichbaren Dachflächenfenstern oder Oberlichtern längst üblich, lässt sich aber auch für andere Fenster und sogar Terrassentüren realisieren. Ob man freilich, wie der ­Werbetext des Fensterherstellers Oknoplast vorschlägt, vom Urlaub aus mal durchlüftet, indem man, am Strand liegend, per App zu Hause die Fenster öffnet, kann man ja noch mal überlegen. Technisch wäre es möglich.

Handsender überflüssig: Die App auf dem Smartphone, ohnehin immer dabei, öffnet das Garagentor (Liftmaster) Foto: Liftmaster

Einsatzbereich Garage

Was sich bei der Haustür erst noch durchsetzen muss, ist beim Garagentor bereits üblich: die Öffnung per Handsender. Naheliegend, auch diesen Vorgang ins smarte Home zu integrieren und die Überwachung per Smartphone zu ermöglichen. 

Touchscreen: Lüften und verschatten per App – smarte Fenster und Rollläden mit Motorantrieb machen es möglich (Oknoplast) Foto: Oknoplast

Einsatzbereich Verschattung

Dass Jalousien oder Rollläden sich je nach Sonnenstand oder Uhrzeit heben oder senken, ist aus Gewerbe- und Bürobauten lange bekannt. Jetzt lässt sich das auch zu Hause nachrüsten – und zwar nicht nur für Rollläden, die einen zusätzlichen Einbruchschutz darstellen, sondern auch für Rollos und Raffstores. Die Systeme fahren die Fensterdeko automatisch in voreingestellte Positionen für Sicht- und Sonnenschutz. 

Die Beratung

Welche Funktionen sind sinnvoll, und wie hoch sind die Kosten? Wie umfassend sollen Funktionen für Sicherheit, Raumklima und Komfort integriert werden? Welche Systeme kommunizieren miteinander, welche nicht, und welche Optionen für eine spätere Erweiterung gibt es? All diese Fragen wird man eher nicht beim Händler oder Installateur um die Ecke beantwortet bekommen. Je spezieller die Bedürfnisse, desto wichtiger die Beratung beim echten Fachmann für Smart-Home-Technologie, einem ­Systemintegrator.

Die Technik

Je intensiver das Telefon genutzt wird, desto schneller ist der Akku entladen. Deswegen gibt es für alle Systeme alternative Möglichkeiten, Handsender zumeist, aber auch fest installierte Schalter. Sind die Systeme, wie etwa bei Fenstern und Verschattung, mit Sensoren ausgestattet, sorgen diese für einen weitgehend automatisierten Betrieb.

Alle Hersteller der neuen Technologien verweisen auf modernste Verschlüsselungen der übermittelten Signale. Fälle von Daten-Hacking im Smart Home sind bisher nicht bekannt und auch nicht wahrscheinlich: Einbrecher setzen üblicherweise auf brachialere Methoden. 

Die Datensicherheit

Dennoch gibt es durchaus Bedenken gegenüber der smarten Zukunft: Nach der Studie von Deloitte lehnen es 40 Prozent der Deutschen ab, persönliche Daten über ihr Zuhause zu teilen – in aller Regel die Voraussetzung für die Nutzung der Steuerung per App. Die Sicherheit rund ums eigene Zuhause ist eben ein ganz ­besonders stark ausgeprägtes Bedürfnis. Wer ohne Fernkontrolle per App beruhigt in den Urlaub fahren können möchte, sollte sich dann vor der ­Abreise eine halbe Stunde mehr Zeit lassen.

Alarmanlage zum Selbsteinbau

Auf Funkbasis Alarmanlagen können auch von Laien in­stalliert werden. Die Überwachungskameras senden zum Handy (Abus) Fotos: Abus

Alarmanlage zum Selbsteinbau

Zusätzliche Sicherheit ist ein zentrales Argument für die Nutzung der Smart-Home-Technologie. Es ist kein Wunder, dass Alarmanlagen hoch im Kurs stehen. Komplettpakete von guten Herstellern wie Abus oder Bosch sind ab etwa 250 Euro zu haben. Ihr Vorteil: Es müssen keine Leitungen verlegt werden, da die Elemente der Anlage auf Funkbasis miteinander kommunizieren. 

Typische Bestandteile sind:
1. Steuerzentrale
2. Bewegungsmelder
3. Tür- und Fensteröffnungsmelder
4. Überwachungskameras
5. Funksteckdosen
6. Signalgeber

Manche Systeme bieten zudem noch die Integration von Rauchmeldern an. Im Unterschied zu herkömmlichen Alarmanlagen können diese Modelle auch von „Selbermachern“ installiert werden. Ein wichtiger Hinweis dazu: Im Fachjargon heißen die Systeme nicht ohne Grund „Einbruchmeldeanlagen“ – sie wehren den Einbruch nicht ab, sie melden lediglich, wenn ein Täter am Werk ist. Umso wichtiger, dass über die Smart-Home-Technologie nicht die mechanische Einbruchsicherung vergessen wird.

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