Smarter Einbruchschutz: Innenrausirene von Panasonic
Smart Home

Sicherheit: Einbruchschutz im Smart Home

Fast alle Smart-Home-Systeme werben damit, das vernetzte Haus vor Einbrechern zu schützen. Doch in der Praxis hängt es von Details ab, ob solche Installationen sinnvoll oder eine Spielerei sind

Foto: Panasonic

Ein zentrales Einsatzfeld für smarte Technik im Haus ist der Einbruchschutz. Allerdings sollten Interessenten genau hinschauen, ob eine Smart-Home-Lösung die Sicherheit ihrer vier Wände wirklich steigert. Denn wenn das Konzept der Lösung an der Realität vorbeigeht, bringt die Technik keinen Nutzen.

Das Starterkit von Panasonic mit Basisstation („Hub“), je einem Tür-/Fenster-, Glasbruch- und Wassersensor, Bewegungsmelder und Innenraumsirene kostet inkl. Versicherungspaket 300 Euro Foto: Panasonic

Vernetzte Kameras für die Beweissicherung

So schätzt etwa Kriminaldirektor Andreas Mayer, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, die Mehrzahl der zum Einbruchschutz angebotenen Smart-­Home-­Lösungen skeptisch ein. Schicken beispielsweise Tür-/Fenstersensoren oder IP-Überwachungskame­ras beim Auslösen einen Alarm auf das Smartphone des Nutzers, befindet sich dieser in der Regel nicht in der Nähe seines Hauses oder seiner Wohnung. Muss er nun selbst aktiv werden und etwa bei den Nachbarn oder bei der Polizei anrufen, sind die Übeltäter zwischenzeitlich längst wieder über alle Berge. „Profibanden aus Osteuropa durchwühlen ein Haus in zwei Minuten“, so Experte Mayer.

Allenfalls für die Beweis­sicherung bieten vernetzte Kameras dann noch einen gewissen Vorteil. Dazu müssen sie ihre Bildsig­nale aber sofort nach dem Auslösen in einen gesicherten Cloud­speicher hochladen, wie es etwa Modelle von Axis, My­Fox, Net­atmo oder SpotCam tun. Bleiben die Überwachungsvideos auf einer Speicherkarte in der Kamera, war die Übung nutzlos, wenn der ungebetene Besucher das Gerät von der Wand reißt und mitnimmt.

Smart-Home-Systeme wie das von der Telekom angebotene Qivicon ­können mit Anwesenheitssimulationen (hier: „Haushüter“) zum Einbruchschutz beitragen Foto: Telekom/Quivicon

Alarmanlagen und Kameraüberwachung

Systeme mit Außensirenen können zu Ärger mit den Nachbarn und zu Vertrauensverlust führen, wenn etwa durch den Garten streichende Katzen oder ans Fenster schlagende Äste häufiger Fehl­alarm auslösen. Im Ernstfall glaubt dann niemand, dass der Anlass des Alarms ernst ist. Manche Hersteller versuchen diesem Dilemma mit innovativen Ideen beizukommen. So kooperiert etwa Panasonic mit einer Versicherung und schickt Alarmmel­dungen seiner Kameras, Bewegungs- und Glasbruchsensoren nach Abschluss eines entsprechenden Service­vertrags an eine Alarm­zentrale. Die versucht dann, den Haus- oder Wohnungsbe­sitzer zu kontaktieren, meldet sich aber parallel bei vorher festgelegten Nachbarn oder anderen Vertrauenspersonen sowie im Bedarfsfall bei einem Sicherheitsdienst. Als weiteren Service bietet das Gespann die Durchführung und Kostenübernahme einer Erstsicherung an.

Achillesferse Online-Anbindung

Eine weitere Achillesferse ist die Online-Anbindung vernetzter Kameras und Sensoren: Steht der Router sichtbar im Flur oder im Arbeitszimmer, dürfte es zu den ersten Maß­nahmen geübter Einbrecher gehö­ren, ihn lahmzulegen und damit die Internetverbindung zu kappen. Ein nützlicher Praxistipp ist deshalb, Router und Smart-­Home-­Basis versteckt zu installieren, damit sie noch möglichst lange senden können, bevor sie der Einbrecher gegebenenfalls ausschaltet. Gegen Spezialisten bringt aber auch dies nur wenig – denn längst kursieren in einschlägigen Kreisen Störsender, die WLAN- und Mobil­funkfrequenzen blockieren.

Motorbetriebene Rollläden (hier: Somfy LT50 Atlas, 130 Euro) machen die simulierte Anwesenheit noch glaubhafter Foto: Somfy

Anwesenheitssimulation schreckt ab

Erfolgversprechender als Benachrichtigungsfunktionen ist in der Regel die Simulation von Anwesenheit. Dies rät auch Carolin ­Hackemack, Geschäftsführerin des Netzwerks „­Zuhause sicher“. Hegen Einbrecher Zweifel, ob ein Objekt wirklich leer steht, werden sie das Risiko ver­meiden und sich einer gefahrloseren Alter­native zuwenden.

Sinnvoll ist es also, wenn das Smart-Home-­System im typischen Rhythmus des Tagesablaufs Lampen sowie TV-Gerät und/oder Stereoanlage einschaltet. Solche Funktionen bieten viele Smart-­Home-­Systeme – zum Beispiel die von der Tele­kom vertriebene Qivicon-Plattform „Bosch Smart ­Home“ oder „Tahoma Connect“ von Somfy. Per Motor betriebene Roll­läden soll­ten nur nachts heruntergelassen werden und tagsüber wieder hochfahren. Dies lässt sich mit vernetzten Antrieben von Anbietern wie eQ3, Rademacher, Schellenberg oder Somfy realisieren.

Tipp aus der Praxis

Sind doch – beispielsweise für Komfort­funktionen wie Heizungs­steuerung oder automatisierte Beleuchtung – Tür-/Fens­terkontakte, Bewegungsmelder oder andere Sensoren installiert, können sie in definierten Schutzzeiten (etwa wenn kein Bewohner zu Hause ist) alle vernetzten Lampen im Haus einschalten und über ein vernetztes Soundsystem Hunde­gebell abspielen. Natürlich kennen diesen Trick auch Einbrecher – doch bei der für sie typischen Risikoabwägung treten sie im Zweifel lieber den Rückzug an. Damit hätte das smarte Schutz­­sys­tem seinen Zweck erfüllt.

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