Smart Home

Das Haus der Zukunft (5): Smart Home

Mehr Energie produzieren als verbrauchen. Ein Haus nach KfW-40-Standard bauen, ganz ohne Dämmung. Und alles noch intelligent steuern. Geht nicht? Doch, das geht. Wie genau, zeigen wir in der Serie "Das Haus der Zukunft"

Foto: Udo Geisler

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Sämtliche Meldungen des BUS-Systems lassen sich natürlich auch mobil ablesen Foto: Udo Geisler

Teil 5

„Wunderschönen guten Nachmittag, Gemeinhardts. Hier ein kurzer Statusbericht: Innentemperatur 24,1 Grad, Außentemperatur 3,2 Grad. Es ist trocken und windstill. Die Wettervorhersage für morgen, 11 Uhr, lautet ...“ Die freundliche Damenstimme aus dem Hintergrund hält noch viele weitere Infos parat: aktueller Stromverbrauch, Ladezustand des Stromspeichers, Luftfeuchte im Bad – sogar die Anzahl der gekippten Fenster im Haus wird angesagt.

Wenn das energetische Grundkonzept des Sonnenhauses plus für den Ingenieur Gemeinhardt die Pflicht war, dann gehören die Smart-Home-Funktionalitäten zur Kür. Obwohl das einigermaßen untertrieben sein dürfte. In puncto „intelligentes Haus“ gehört der studierte Versorgungstechniker mit dem, was er in seinem Haus realisiert hat, wohl zu den absoluten Experten hierzulande in diesem Bereich. Was allerdings auch einer gesunden Skepsis geschuldet ist. „Smart Home ist alles und nichts. Smart Home hat jeder, kann jeder – und für jeden ist es ein bisschen was anderes.“

Vorhaben mit diversen Fallstricken

Was Smart Home für ihn bedeutet, das wusste Gemeinhardt allerdings ganz genau: ein intelligentes, selbstlernendes System sollte es sein, das neben dem Komfort auch die grundsätzliche Idee energetischer Autarkie unterstützt – und das mit untereinander vernetzten Komponenten. Klingt logisch, entpuppte sich aber sehr schnell als Vorhaben mit diversen Fallstricken. So wühlte sich Gemeinhardt erst einmal durch die Angebote verschiedens­ter Hersteller von Smart-Home-Komponenten, verglich technische Standards – und stellte vor allem immer wieder Fragen. „Theoretisch müsste das gehen ...“, „Könnte sein ...“, „Sollte eigentlich funktionieren ...“: Die Antworten, die er erhielt, waren so oft im Konjunktiv, dass der Diplom-Ingenieur kurzerhand beschloss, selbst in die aktive Erprobung zu gehen.

Im Ergebnis wurde im Sonnenhaus plus keine kabellose Variante verwendet, sondern ein Bussystem. Die Mess- und Regel-Komponenten zweier unterschiedlicher Anbieter wurden dabei über die Software eines Dritten miteinander vernetzt. Klingt kompliziert, und das ist es auch. Von den so oft propagierten „Plug-and-play“-Lösungen der großen Smart-Home-Anbieter ist Gemeinhardts Lösung meilenweit entfernt. „Die Software“, so Gemeinhardt, „lässt sich dank vieler vorgefertigter Skripte schnell konfigurieren. Im schlimmsten Falle kann man sich mit eigenem PHP-Code weiterhelfen.“ Nun dürften die wenigsten von uns diese Skriptsprache beherrschen, Otto Normaluser an dieser Stelle vielleicht genervt die Stirn runzeln. Aber: So arbeitsintensiv und aufwendig die Lösung auch sein mag, so zeigt sie doch, was wirklich geht – und was ausnahmsweise mal wirklich smart ist.

Die Glastaster sind nicht nur mit Funktionalitäten versehen, sie dienen auch als Nachtlicht Foto: Udo Geisler

„Fahre die Markise bei Sturm oder Regen ein“

Beispiele? Gibt es zuhauf. Hält sich längere Zeit (zum Beispiel drei Tage) niemand mehr im Haus auf, geht der Bewegungsmelder vom Urlaubsmodus aus. Die Raumtemperatur wird abgesenkt beziehungsweise die Wohnraumlüftung ausgeschaltet, eventuell werden noch aktive Beleuchtung und Stromverbraucher ausgeschaltet. Eine in das Bussystem integrierte Wetterstation (Windsensor, Regensensor, Lichtsensor, Temperatursensor, GPS-Empfänger für Atomzeit) kann zusätzliche Kommandos absetzen, zum Beispiel „Fahre die Markise bei Sturm oder Regen ein“ oder „Setze eine Alarmmeldung bei geöffneten/gekippten Fenstern bei eintretendem starken Regen/Sturm ab“. Die dezentralen Wohnraumlüftungsgeräte werden über CO₂-Sensoren in den Wohn- und Schlafräumen drehzahlgeregelt gesteuert.

Je nach verbrauchter Atemluft wird vorerwärmte frische Außenluft zugeführt. Steigt der Verbrauch (zum Beispiel durchs Kochen oder bei einer erhöhten Personenzahl), steigern die Geräte automatisch die erforderliche Austauschleistung. Einzelraumtemperaturregelung für die Fußbodenheizung, Bewegungsmelder für Licht und Einbruchschutz, Leistungsregelung der Wärmepumpe in Abhängigkeit der Einspeiseleistung der Photovoltaikanlage – die Liste der Smart-Home-Funktionalitäten ließe sich noch fast beliebig verlängern, Lichtszenen und eine intelligente Außenbeleuchtung gehören hier zum geläufigen Standard.

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Nicht in Hamburg, München oder Berlin steht eines der modernsten Häuser der Republik, sondern in Oberfranken. Wohnglück war zu Besuch! Wohnglück.de/planet c

Wem das alles zu technisch ist: Auch auf Optik und Komfort legte Gemeinhardt großen Wert. So haben die frei programmierbaren Glastaster eine umlaufende LED-Beleuchtung (Corona-Beleuchtung). Damit können sie auch bei Dunkelheit gut bedient werden und fungieren gleichzeitig als Nacht- und Orientierungslicht. Und durch so genannte kapazitive Sensortasten werden Schalter unsichtbar, wenn sie unter Holz, Fliesen oder Natursteinen versteckt sind. So kann man zum Beispiel nur durch Berührung der Fliese von der Badewanne aus das Licht dimmen oder die Lüftung ein- oder ausschalten.

Den denkbaren Szenarien sind im Haus der Gemeinhardts eigentlich keine Grenzen gesetzt. Als Nächstes will der Hausherr die Bewässerung des Gartens abhängig von der Wettervorhersage steuern lassen. Matthias Gemeinhardt sieht seine Smart-Home-Odyssee als Selbstversuch – allerdings mit Happy End.

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