Wohngesund bauen: ein Beispiel aus der Praxis
Neubauplanung

Wohngesund bauen: ein Beispiel aus der Praxis

Ihr altes Haus hatte Sandra Siege krank gemacht. Beim Neubau wurden daher nur schadstoffarme Baustoffe verwendet. Ihre gesundheitlichen Beschwerden sind seitdem verflogen

Foto: Christian Oldendorf

Hautausschlag, Kopfschmerzen, gereizte Augen, geschwollene Gliedmaßen – an Wohlfühlen und Entspannen war für Sandra Siege und Familie gerade an dem Ort nicht zu denken, der eigentlich dafür gemacht sein sollte: Ihr Zuhause hatte sie krank gemacht.

Während eines Camping­urlaubs waren sie dem Auslöser ihrer Beschwerden auf die Spur gekommen: Waren die Symptome dort wie weggeblasen, traten sie zu Hause sofort wieder auf. Bei den mühsamen Nachforschungen, die Sandra Siege und ihr Mann daraufhin starteten, stellte sich heraus, dass beim Ausbau des Dachgeschosses ihres Altbaus ein zwar zugelassenes, für empfindliche Menschen aber gleichwohl stark be­las­tendes Holzschutzmittel verwendet worden war.

Pilotprojekt Der Neubau des Einfamilienhauses bei Hamburg war eines der ersten ­Häuser, die konsequent nach wohngesunden Kriterien geplant und realisiert wurden Foto: Sentinel Haus Institut/Nikolaus Herrmann

Multiple Chemika­lien­sensitivität

Zwischenzeitlich war bei Sandra Siege zudem eine multiple Chemika­lien­sensitivität (MSC) ­diagnostiziert worden – das bedeutet, dass sie auf eine Vielzahl von Stoffen mit Be­schwer­­den reagiert. Weil auch ihr Mann und ihre Kinder unter Allergien litten, machte sich die Familie auf die Suche nach einem gesünderen Zuhause. Und weil sie ein solches nicht fand, entschloss sie sich, es selbst zu bauen. In ihren Neubau vor den Toren Hamburgs sollten so wenig Schadstoffe gelangen wie eben möglich, war das erklärte Ziel.

Zehn Jahre später sind die dauerhaften und schweren gesundheitli­chen Beschwerden von damals längst verflogen: „Unser neues Haus hat uns gesund gemacht“, zeigt sich Sandra Siege überzeugt. „Hier können wir endlich unbeschwert durchatmen.“

Alles unbehandelt: vom Fußboden über die Fensterrahmen ... Foto: Sentinel Haus Institut/Nikolaus Herrmann

Ökologisch bedeutet nicht automatisch gesund

Im Freiburger Sentinel Haus Institut (SHI) fanden sie einen Partner, der auf der Suche nach einem Modellprojekt für ein Haus war, das konsequent nach wohngesunden Kriterien gebaut wird. „Das neue Eigenheim von Familie Siege war damals auch für uns absolutes Neuland in puncto ökologisches und allergikergerechtes Bauen“, erinnert sich Peter Bachmann vom SHI.

Das Vorhaben, ein möglichst schadstoffarmes Haus zu bauen, erwies sich dabei als komplexe Herausforderung. Vom Hersteller bereits zertifizierte Baustoffe waren noch die Ausnahme. Auch die naheliegende Lösung, einfach konsequent auf Naturbaustoffe zurückzugreifen, erwies sich als nicht ausreichend, denn Sandra Siege reagierte auf einige dieser Materialien mit starken Symptomen. „Wir mussten erkennen, dass ökologisch nicht automatisch gesund bedeutet“, erläutert Peter Bachmann.

... bis hin zu allen Holzelementen sind alle Baustoffe völlig schadstofffrei Foto: Sentinel Haus Institut/Nikolaus Herrmann

Jeder Baustoff wurde getestet

Schließlich wurde jeder Baustoff einzeln getestet. „Weil ich am empfindlichsten bin, hat man mir jeweils eine Probe neben das Bett gelegt“, berichtet Sandra Siege. „Nur die Bauprodukte, auf die ich nicht reagiert habe, wurden beim Hausbau eingesetzt.“ In der Konsequenz wurde auf vieles verzichtet, was üblicherweise beim Bauen zum Einsatz kommt, wie Kleber, Schäume und Folien. Natürliche Baustoffe dominieren, das Holz ist dabei überall komplett unbehandelt – selbst der Fußboden und die Fensterrahmen. 

Peter Bachmann hat aus dem Bauvorhaben viele Erkenntnisse gewonnen, die in tausende weitere Projekte eingeflossen sind. Dazu gehört auch, dass die Verarbeitung durch die Handwerker genauso wichtig ist wie die Auswahl der Baustoffe. „Heute hat das Thema in der Branche einen ganz anderen Stellenwert als damals und wird endlich ernst genommen“, freut sich der SHI-Geschäftsführer. Auch einige große Fertighausanbieter bauen inzwischen konsequent nach wohngesunden Kriterien. Das Vorgehen bei Familie Siege sei allerdings nicht auf alle Projekte übertragbar, betont Bachmann. „Für Menschen, die gesund sind, ist dieser individuelle Aufwand nicht notwendig. Da reichen der Check aller Baumaterialien und die Schulung der Handwerker aus.“

„Ich weiß, dass mein Körper zu Hause wieder regenerieren kann.“

Für Sandra Siege, die ihre Erfahrungen auch in ihre Arbeit als Heil­prak­tikerin einfließen lassen konnte, bedeutete der Einzug in ihr neues Heim einen Riesengewinn an Lebensqualität. „Sofort nach dem Umzug haben wir gemerkt, dass wir uns viel besser fühlen. Nach einiger Zeit hatten wir dann alle gesundheitlichen Beschwerden hinter uns gelassen.“ Wenn sie in einer anderen Umgebung doch einmal auf Schadstoffe reagiert, kann sie das heute gelassen nehmen. „Ich weiß, dass mein Körper zu Hause wieder regenerieren kann.“

Gesund wohnen: Im Gespräch mit Sandra Siege

Frei von Schadstoffen und Allergenen: Sandra Siege erzählt über ihre Erfahrungen beim Bau eines wohngesunden Hauses, das diesen Namen auch verdient wohnglück.de/planet c

Beratungsaktion Wohngesundheit

Sie haben eine Frage zur Schad­stoff­belastung von Baustoffen, zu gesundheitlichen Risiken oder zu wohngesunden Alternativen? Einfach das Formular ausfüllen, Peter Bachmann, Geschäftsführer des Sentinel Haus Instituts, beantwortet Ihre Fragen zum gesunden Bauen und Wohnen kompetent und unabhängig. Unsere kostenlose Online-Beratungsaktion läuft bis zum 15.6.2018. 

Beratungsaktion-Wohngesundheit-Sentinel-2018

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