Neubau eines Holzhauses: Viel mehr als nur ein Wohnblockhaus
Neubauplanung

Neubau eines Holzhauses: Viel mehr als nur ein Wohnblockhaus

In der Dolomitenregion Val Badia baute Michael Moling mit ­seinen beiden kreativen Brüdern ein puristisches Haus, das die traditionelle Holzbauweise modern interpretiert

Foto: Christop Theurer

Wer Martina (32) und Michael Moling (34) im ladinischen Dorf St. Martin in Thurn in den Südtiroler Dolomiten nahe Bruneck besucht, sieht schon von Weitem, dass Bauherren und Architekt bei diesem auf 1.150 Metern gelegenen Haus in Alleinlage Neues wagten: Der sonst in dieser Bergregion übliche Dachüberstand fehlt. Statt einer klassischen Eindeckung mit Naturstein, Blech oder Tonpfannen schützen gedämpfte Eschenlatten das Gebäude vor Wind und Wetter, die Regenrinne ist unsichtbar in der Traufe versteckt. 

Die Fassade und das Dach sind mit Eschenlatten verkleidet. Sie unterstreichen die minimalistische Form. Foto: Christoph Theurer

Die unterschiedlichen Fensterformate bilden einen Kontrast zur homogenen Fassadengestaltung Foto: Christoph Theurer

Wir wollten in Ästhetik und Innovation investieren

Die Molings erfüllten sich ihren Traum vom Holzhaus in den Alpen Foto: Christoph Theurer

Minimalismus in Reinkultur

Auch die Fassade ist mit diesen ­schmalen Brettern verkleidet, die in einer Linie von der Dachspitze bis zur Bodenplatte verlaufen – Minimalismus in Reinkultur. Diese homogene Fläche bildet die ideale Bühne für die vielfältigen Fensterformate und Über­eckverglasungen. Die voluminösen Rahmen aus Wärmeverbundplatten, die mit einem Zementgemisch verkleidet wurden, lassen sie wie Bilder aussehen. Neben der Haustür begrüßt das Paar bei der Klingel Gäste mit einem Selfie, „das verstehen auch Kinder, und wir finden das viel persönlicher“, erklärt der Bauherr.

Alleinlage und weiter Talblick

Michael Moling erbte das Grundstück von seinem Vater. Mit seiner damaligen Freundin und späteren Frau Martina, beide sind in der Gegend geboren, beschloss er 2009 zu bauen, denn die Alleinlage und die weiten Tal­blicke sind außergewöhnlich. Michaels Cousin schloss sich an und wollte nebenan ein kleineres Domizil für sich errichten lassen. Eine aufwendige Recherche nach einem geeigneten Architekten war nicht nötig, auch für die Vergabe der Innenarbeiten musste der Bauherr nicht lange suchen: Sein älterer Bruder, Andreas, ist Architekt, und Manuel, der Mittlere, führt einen Maler- und ­Raumausstatterbetrieb – ein Idealfall. Für Michael war klar, dass er dieses familiäre kreative Potential nutzen wollte, um so auch leichter ungewöhnlichen Ideen Raum zu geben. „Wir wollten in Ästhetik und Innovation investieren“, sagt er. „Mit meinen Brüdern lagen wir auf gleicher Linie.“

Klassischer erster Entwurf

Der erste Entwurf fiel sehr klassisch aus. Der Bruder skizzierte daher im Stillen noch mal ein völlig neues Objekt und baute ein Modell davon. Die anfängliche Skepsis des Paares schlug in Begeisterung um, denn mit der zweiten Lösung transferierte der Architekt die traditionelle ladinische Holzbauweise in die Moderne. Die Ausrichtung und die Kubatur übernahm er mit kleinen Änderungen von dem alten Bauernhaus, das vorher an dieser Stelle stand. „Früher beobachteten die Menschen den Sonnenstand zu jeder Jahreszeit, wollten wissen, woher der Wind weht und der Regen kommt. Dieses alte Wissen um die Örtlichkeit floss mit in den Grundriss ein“, erklärt er. Bei der Positionierung der Fenster ergaben sich die Blickachsen in die Bergwelt und zum nahe gelegenen Schloss Thurn ganz natürlich. „Bei dieser Landschaft kann man nicht viel falsch machen“, meint Andreas Moling.

Aber es kam noch ein weiterer Aspekt hinzu: Weil er wusste, dass Martina und Michael bald Kinder wollten, ordnete er die Fenster für verschiedene Lebensalter an: ganz niedrige fürs Krabbelalter. Andere bieten im Sitzen und für kleinere Kinder Ausblicke, und einige offenbaren im Stehen und für Erwachsene ein unvergleichliches Panorama.

Bei dieser Landschaft kann man nicht viel falsch machen

Kreuzlagenholzplatten in Großtafelbauweise

Die Gebäudekonstruktion erfolgte aus so genannten Kreuzlagenholzplatten in Großtafelbauweise. Fichten­lamellen werden hier kreuzweise übereinander gestapelt und unter hohem Druck zu Massivholzelementen verleimt. „In drei Tagen war das Zuhause aufgestellt“, erklärt der Planer. Dann erfolgte der Innenausbau. Für das Leben mit Kindern, inzwischen wohnen der Sohn Jan und die kleine Tochter Ida mit im Haus, wünschte sich Martina eine lichtdurchflutete Wohnküche.

Den modernen Esstisch aus massiven Eichen­dielen und einer Unterkonstruktion aus rostfreiem Edelstahl entwarfen die Bauherren selbst. Die Seitenwände und die Arbeitsfläche der Kochinsel sind aus MDF-Platten gefertigt. Wie beim Boden wurde die Oberfläche mit Wachszement gespachtelt und anschließend von Hand geglättet. Diese hochwertige Handwerkstechnik von Manuel Moling lässt die Flächen wunderbar lebendig aussehen und erzeugt eine beeindruckende Tiefenwirkung.

Von überall im Haus bieten traumhafte Ausblicke in die Bergwelt Foto: Christoph Theurer

Gipsfaserplatten mit einem mineralischen Edelputz

Die Wände aus Gipsfaserplatten veredelte er mit einem mineralischen Edelputz, den er mit Erdpigmenten farblich variierte. Im Wohnzimmer zieht eine sichtbare Stampflehmwand aus Ton, Lehm und Sand die Blicke auf sich. Dieser ökologisch einzigartige Baustoff sorgt zusammen mit den mineralischen Wänden überall für ein optimales Raumklima, denn beide können Wärme und Feuchtigkeit speichern und langsam wieder abgeben.

Punktgenaue Fertigstellung

Eine besondere Geschichte ist mit dem Tages-WC gegenüber der Küche verknüpft: Andreas plante es exakt da, wo früher das Plumpsklo war, deswegen ragt an der Ostseite ein Erker aus der Längsfassade. Die gebürsteten alten Bretter dienen jetzt als Verkleidung. Sie sind das Bindeglied zum früheren Bauernhaus. Schwarz-weiße Fotos und Postkarten an der Wand entführen in die Dorf-Historie.

Die Fertigstellung aller Arbeiten klappte punktgenau. Am 10. September 2010 war das Domizil einzugs­bereit. „Denn einen Tag später haben wir geheiratet“, erzählt Martina. „Nach der Trauung und einem rauschenden Fest trug mich Michael über die Schwelle ins eigene Haus.“

Grundriss

In das – bis auf die Lichtbänder neben dem Eingang an der Westseite – fensterlose Erdgeschoss platzierte der Architekt den Heizungsbereich, Hobby- und Kellerräume und die großzügige Garage. Sie bietet für beide Parteien genügend Abstellplätze und einen direkten Zugang in das jeweilige Haus.

Das kommunikative Zentrum der jungen Familie mit der großzügigen offenen Wohnküche befindet sich im Obergeschoss. Im zweiten Obergeschoss liegen das Bad, das Elternschlafzimmer und die beiden Kinderzimmer mit einem Gäste-WC.

Grundriss vom 1. OG. Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken Grundriss: Dietmar Lochner

Grundriss vom 2. OG. Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken Grundriss: Dietmar Lochner

Leser fragen, Experten antworten

Frage zum Thema Dach Wir bauen gerade ein altes Haus um, dessen Dachgebälk aus den 50ern leicht mit Holzwürmern befallen ist. Auch die Holzbalken an den Decken, die bestehen bleiben sollen, sind befallen. Sogar die Holzmöbel meiner Großmutter, die bisher in dem Haus wohnte, haben Holzwürmer. Nun gibt es geteilte Meinungen. Die einen sagen, man soll nichts machen, weil auch neue Balken wieder befallen werden. Die anderen empfehlen Behandlung mit Gift. Wir wollen aber kein Gift und auch keine Holzwürmer - gibt es da eine Lösung? Heißluftbehandlung geht nicht, weil das Haus im Moment total entkernt und offen ist.

Das Vertrackte beim Holzbockbefall ist, dass man von außen nicht erkennen kann, wie weit das Holz innen schon zerfressen ist. Das Holz kann äußerlich intakt erscheinen und innen dennoch fast total ausgehöhlt sein. Die tragende Funktion ist dann nicht mehr gegeben. Damit Ihnen das Dach nicht im wahrsten Sinne des Wortes über dem Kopf zusammenbricht, müssen Sie einen Fachmann für Schädlingsbekämpfung einschalten, der prüfen kann, wie weit das Gebälk noch in Ordnung ist.

Statt Gift kann das Holz - auch neue Balken - mit einer Lösung mit Borsalz auf pflanzlicher Basis behandelt werden, was nach DIN 68800 für tragende Holzteile zugelassen ist. Sie sollten dieses Mittel jedoch erst einsetzen, wenn Sie den Fachmann konsultiert haben. Es gibt auch noch andere Methoden, den Holzbock zu bekämpfen - fragen Sie mal einen Restaurator, der auf Gebäuderenovierung spezialisiert ist.

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