Neu bauen: erst Bauhaus, dann Backstein
Neubauplanung

Neu bauen: erst Bauhaus, dann Backstein

Das neu gebaute Familienhaus vor den Toren Hamburgs fügt sich perfekt in die Umgebung ein und erweckt dabei den Eindruck, als stände es hier schon seit Generationen

Jochen Nitsche am Tisch mit seinen drei Kindern

Wenn Jochen Nitsche zu Hause arbeitet, dann am liebsten am großen Küchentisch mit der schweren Eichenplatte. Von Jonna, Leene und Henry lässt er sich gern ablenken

Hier steckt in jeder Ecke viel von unseren Ideen drin

Die Kinder können im Haus und im Garten unbeschwert spielen

Die Kinder können im Haus und im Garten unbeschwert spielen

Geplant war ein Kubus ...

Dany und Jochen Nitsche hatten klare Vorstellungen von ihrem Traumhaus: Ein Kubus im Bauhausstil sollte es sein, puristisch, weiß verputzt, mit bodentiefen Fenstern. Das Haus, das sie schließlich gebaut haben, hat damit nicht viel mehr als die großen Fensterflächen gemein. Mit dem typisch norddeutschen Verblendmauerwerk aus Backsteinziegeln und den Ornamenten in der Fassade wirkt es auf den ersten flüchtigen Blick wie ein Gebäude, das hier schon seit Generationen steht.

In zweiter Reihe, direkt am Waldrand gelegen, fügt sich das großzügige Einfamilienhaus architektonisch nahtlos in die über Jahrzehn­te gewachsene Wohnsiedlung unweit der Elbe ein. „Als wir dieses Grundstück gefunden hatten, war uns gleich klar, dass der Bauhauskubus, der uns vorschwebte, hier nicht hinpasst“, berichten Dany und Jochen Nitsche.

Neun Meter bis zum First

Also begannen sie umzuplanen – mit viel Kreativität und gutem Gespür. Sie sammelten Informationen, ließen sich von Häusern in Architektur­magazinen inspirieren, sammelten bei Spaziergängen und Fahrten übers Land Anregungen. „Wir haben sogar ein Papp­modell unseres Hauses gebastelt und auch die Grundrisse maßstabsgerecht gebaut“, berichtet Jochen ­Nitsche. „Hier steckt in jeder Ecke viel von unseren Ideen drin.“

Wir sitzen am großen Esstisch mit einer acht Zentimeter dicken, massiven Eichenplatte, dem Treffpunkt und Lieblingsplatz der fünfköpfigen Familie. Über uns öffnet sich der Raum in einer Höhe von neun Metern bis zum First. „Wir haben die zulässige Höhe ganz bewusst maximal ausgereizt“, sagt Dany Nitsche. Die dadurch ent­standene Galerie im Obergeschoss ist ein beliebter Spielplatz für die drei Kinder in Sicht- und Hörweite zum Wohn- und Essbereich. Im ganzen Haus sind die Decken 2,70 Meter hoch – die Räume wirken dadurch besonders großzügig. Und weil überall im Haus Einbauschränke integriert sind, braucht die Familie kaum Möbel als Stau­raum.

Größere Fensterfläche = länger Licht

In der Südwest­ecke des Hauses, da wo der große Eichentisch seinen Platz hat, treffen sich auch die großen Fens­terflächen, die das Haus zum Garten hin öffnen und hier bis unters Dach reichen. Bis in den Eingangsbereich auf der gegenüberliegenden Seite reicht die Licht­achse. „Wir haben das ganze Jahr über viel Tageslicht im Haus, selbst wenn die Sonne nicht scheint“, schwärmt Jochen Nitsche. „Unsere Nachbarn müssen meist zwei Stunden früher als wir das Licht anschalten.“

Praktischer Nebeneffekt der großen Fensterflächen: Sie fangen im Winter bei tief stehender Sonne viel Wärme ein, lassen aber wegen der hervorragenden Wärmeschutzverglasung nur wenig hinaus. „Die solaren Energie­gewinne decken etwa 15 bis 20 Prozent des gesamten Energie­bedarfs“, erläutert Architekt Hinnerk Franz. In ihm fanden die Nitsches einen Partner, der ihre Vorstellungen mit Fachkenntnis und Pragmatismus umsetzte. 

„Gerumpelter" Klinker

Nicht zuletzt der Materialmix prägt den Charakter des Hauses. Gleichzeitig robust und doch edel, puristisch und doch gemütlich wirken die Räume. Sichtbeton am Boden und an den Wänden und frei liegende Stahlträger kontrastieren mit warmem Holzboden und der im Küchen- und Essbereich auch von innen sichtbaren Backsteinoptik. Die dafür verwendeten „gerumpelten“ Klinker sind neu, wirken mit ihren Flecken und unregelmäßig abgeschlagenen Ecken und Kanten aber so, als seien sie 300 Jahre alt. 

Das Kinderzimmer von oben gesehen

Zu jedem der drei geräumigen Kinderzimmer ...

Das geräumige Kinderzimmer mit Galerie

... gehört eine Galerie im Spitzboden

Nur 8 Monate Bauzeit

Nach zwei Jahren Planungs­zeit ging der Bau in acht Monaten reibungslos über die Bühne. Im Herbst 2014, zur Geburt ihres Jüngsten, erfolgte der Einzug. „Wir wollten vor allem wegen unserer drei Kinder raus aus der Stadtwohnung ins Grüne ziehen“, erzählt Dany Nitsche, „und es sollte ein Haus für die Kinder werden.“

Alle drei haben ein geräumiges Kinderzimmer mit Schlaf­galerie. Auch im Garten gibt es einen eigenen Bereich für die Kinder mit Weiden­tunnel, Holz­pferd und Gemüse­beet. Viel wichtiger aber: ­Jonna, Leene und Henry und ihre vielen Freunde können überall spielen und toben, ohne ständig aufpassen zu müssen – dank robuster Materialien, vor allem aber dank Eltern, die ihr leben­diges Familienhaus genießen.

Daten & Fakten

Wohnfläche: Erdgeschoss 104,6 m2, Obergeschoss 93,1 m2, zzgl. ca. 38 m2 Kinderspiel- und Abstellfläche im Spitzboden
Wandaufbau: 1,0–1,5 cm Innenputz aus Gips (in den Feucht­räumen aus Ka lk­zement), 17,5 cm Kalksandsteinmauerwerk, 14 cm Mineraldämmung WLG 035, 2 cm Luftschicht, 10,5 cm Verblend (SZ6126) rot-bunt gerumpelt
U-Werte: Außenwand 0,21 W/m2K, Dach 0,18 W/m2K
Endenergiebedarf: 15,5 kWh/m2a
Haustechnik: Wärmepumpe mit zwei Erdwärmesonden, Tiefe je ca. 50 m. Zentrale Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung (ca. 85 %)
Architekt: Hinnerk Franz, 22587 Hamburg, www.hinnerk-franz.de

Familienhaus in Rissen, Grundriss vom Erdgeschoss

Grundriss vom Erdgeschoss. Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken

Grundriss vom Obergeschoss

Grundriss vom Obergeschoss. Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken

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Jonna führt uns durch ihr Haus - und hat sichtlich Spaß daran wohnglück.de/planet c

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