Industrielandschaft in Essen
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Wohnen | News

Städte-Zukunftsindex: Traurige Aussichten fürs Ruhrgebiet

Katharina Schneider

Level: Für Alle

Das Ruhrgebiet leidet weiter unter der Kohlekrise. Wie schlecht es um die Städte im Pott bestellt ist, zeigt das Städteranking 2019. Doch es besteht auch Hoffnung.

Wirtschaftlich steht es schlecht ums Ruhrgebiet. Zumindest, wenn man dem Städteranking 2019 (bezahlpflichtiger Inhalt) Glauben schenkt, das die Zeitung "Wirtschaftswoche" gemeinsam mit Immobilienscout 24 und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) herausgibt. Dafür wurden Daten der 71 kreisfreien deutschen Städte über 100.000 Einwohner verglichen.

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Laut diesem Bericht spricht wenig für den Pott. Unter den hintersten sieben Plätzen im Niveauranking, das die aktuelle Wirtschaftskraft abbildet, landen gleich sechs Städte aus dem Ruhrgebiet. Mit Gelsenkirchen kommt auch das Schlusslicht der Tabelle aus dem Revier. Im Dynamikranking, das die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre betrachtet, sind es fünf von sieben Ruhrgebiets-Städte. Und auch beim Zukunftsindex, der analysiert, wie gut die Städte für den digitalen Wandel gerüstet sind, kann das Ruhrgebiet nicht glänzen: Die sechs Schlusslichter liegen allesamt tief im Westen der Republik.

Ruhrgebiet: BIP deutlich niedriger als im Osten

Wie schlecht es um den Pott steht, zeigt auch das Bruttoinlandsprodukt in der Region: Es ist ganze 2.000 Euro niedriger als im Durchschnitt der ostdeutschen Großstädte. Als Grund führen die Autoren der Studie die vergangenen Jahrzehnte im Ruhrgebiet an: Dort hätten relativ gering qualifizierte Arbeiter verhältnismäßig hohe Löhne mit Kohle und Stahl verdient. Das habe zu wenig Anreizen für eine Weiterbildung geführt, sagt Ökonom Wolfgang Dauth der "Wirtschaftswoche". Hinzukommen eine hohe Pro-Kopf-Verschuldung sowie hohe Schulden der Städte in der Region.

  • Stadt
  • Rang Niveauranking (Veränderung zum Vorjahr)
  • Rang Dynamikranking (Veränderung zum Vorjahr)
  • Rang Zukunftsindex (Veränderung zum Vorjahr)
  • Bochum
  • 60 (+3)
  • 45 (+9)
  • 35 (+2)
  • Bottrop
  • 65 (+1)
  • 64 (-5)
  • 71 (0)
  • Dortmund
  • 59 (+3)
  • 26 (+6)
  • 41 (+3)
  • Duisburg
  • 68 (-1)
  • 70 (-3)
  • 67 (+3)
  • Essen
  • 54 (0)
  • 55 (+6)
  • 38 (+8)
  • Gelsenkirchen
  • 71 (0)
  • 65 (+5)
  • 68 (-2)
  • Hagen
  • 64 (0)
  • 69 (-1)
  • 61 (+3)
  • Hamm
  • 66(-1)
  • 43 (+7)
  • 69 (0)
  • Herne
  • 70 (0)
  • 67 (+2)
  • 70 (-3)
  • Mühlheim an der Ruhr
  • 47 (0)
  • 62 (-5)
  • 60 (-2)
  • Oberhausen
  • 67 (+1)
  • 68 (-4)
  • 66 (-1)

So schneiden die elf kreisfreien Städte des Ruhrgebiets über 100.000 Einwohner im Städteranking von 71 deutschen Großstädten ab.

Chancen in der Digitalisierung

Doch komplett Schwarzmalen könne man die Aussichten für die Zukunft im Revier nicht, sagt IW-Experte Hanno Kempermann. Günstiges Wohnen, eine dichte Besiedelung, die kulturelle Offenheit und nicht zuletzt die Wissenschaftslandschaft mit 29 Hochschulen sprechen dafür, dass Chancen in der Region vorhanden sind.

Das zeigt sich auch in der Entwicklung, die einige Ruhrgebiet-Städte in den vergangenen fünf Jahren gemacht haben. So kommt Dortmund im Dynamikranking auf Platz 26 und kann ganze sechs Ränge im Vergleich zum Vorjahr gut machen. Auch Gelsenkirchen, auf dem 65. Platz, klettert fünf Ränge nach oben. Die Heimat des FC Schalke 04 profitiert vor allem davon, dass sie eine Modellkommune des Landesprogramms zur Digitalisierung ist. Alle Gewerbegebiete in Gelsenkirchen sind daher mit Glasfaser erschlossen. Eine Tatsache, von der viele süddeutsche Städte nur träumen.

Ruhrgebiet wird für Start-ups interessant

Auch immer mehr Start-ups siedeln sich im Ruhrgebiet an. Start-up-Experte und Buchautor Alexander Hülsing erlebt, dass sich mittlerweile immer mehr junge Gründer, die es früher nach Berlin, Hamburg oder München gezogen hat, fürs Ruhrgebiet entscheiden. Er ist auch überzeugt, dass es dort spätesten in zehn Jahren "Einhörner", also Start-ups, die eine Milliarde Euro und mehr wert sind, geben wird, wie er der "Rheinischen Post" kürzlich sagte.

Verbesserungspotenzial sieht der Ökonom Wolfgang Dauth im Ruhrgebiet allerdings noch in den Bereichen medizinische Versorgung und Ärztedichte sowie bei der Kinderbetreuung.

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