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"Wohnregal" in Berlin-Moabit: Was dieses Eckhaus so einzigartig macht

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Das Berliner "Wohnregal" aus Beton und Glas gefällt sicher nicht jedem, es fällt auf zwischen alten Gründerzeithäusern. Warum das Wohngebäude dennoch die Jurys von Architekturpreisen begeistert, erklären wir euch hier.

Die vier Finalisten für den vom Deutschen Architekturmuseum vergebenen "DAM Preis für Architektur in Deutschland" stehen fest. Der Architekturpreis zeichnet seit 2007 jährlich herausragende Bauten in Deutschland aus. Vergeben wird er am 29. Januar 2021. Unter den vier Finalisten ist ein Wohngebäude: Das "Wohnregal" des Berliner Büros FAR frohn&rojas. Dieses wollen wir euch hier näher vorstellen.

Günstig gebaut aus Betonfertigteilen

Der Berliner Architekt Marc Frohn hat zwei Jahre lang nach einem Grundstück gesucht, bis er in der Emdener Straße 52 in Berlin-Moabit eine kriegsbedingte Baulücke für sein radikales Wohnhaus fand. Seine Idee: Er wollte es mit Betonfertigteilen bauen, mit der sich sonst Gewerbehallen schnell errichten lassen. Der Grund: Er wollte die Kosten für den Rohbau möglichst gering halten, um bezahlbare Mietwohnungen und Wohnateliers zu realisieren.

Die große Herausforderung: Günstige Standardbauelemente zu verwenden und dabei gleichzeitig der Vielfalt der modernen Wohnmodelle zu entsprechen. Herausgekommen ist das sechsgeschossige "Wohnregal", in dessen Erdgeschoss sich auch Büroflächen befinden.

Die Betonfertigteile spannen sich nun 13 Meter über die gesamte Tiefe des Hauses. Oder anders gesagt: Architekt Frohn hat für das Haus sechs Gewerbehallen übereinander gestapelt. Das ermöglicht flexible Grundrisse für die Mietwohnungen und Wohnateliers, die zwischen 30 und 110 Quadratmeter groß sind.

Der gesamte Innenausbau entstand in Trockenbauweise. Jedes Geschoss ist unterschiedlich, dennoch wird die Haustechnik in zwei Schächten gebündelt.

Auch die Fassade ist ein Standardelement, ebenso wie das Trapezblech für das Dach, das an ein Gewächshaus erinnert und der oberen Wohnung als Austritt dient.

Die Nettobaukosten berechnet auf die Bruttogrundfläche geben die Architekten, die zugleich als Bauherren fungierten, mit 1.500 Euro pro Quadratmeter an. Das Planungshonorar ist darin allerdings nicht enthalten.

So sieht das Berliner "Wohnregal" von innen aus

Die Schmalseite des Eckhauses besteht aus einem offenen, nur durch ein Stahlnetz gesicherten Treppenhaus. Rechts und links davon befinden sich in den fünf Obergeschossen kleine Loggien.

Die langen Seiten zur Straße und zum Hof hingegen sind raumhoch mit Schiebeelementen verglast. Diese lassen sich auf gesamter Höhe öffnen, aus der Wohnung wird dann eine Loggia.

In den ganz unterschiedlich großen Wohnungen mit fließenden Grundrissen kommt das Baukastensystem aus Stützen, Balken und weitspannenden, sogenannten TT-Decken (ihre Form erinnert an aneinandergesetzte "Ts") noch einmal voll zur Geltung. Dabei scheinen durch die Toleranzfugen die Balken auf den Stützen regelrecht zu schweben.

Einen Architekturpreis hat das "Wohnregal" bereits gewonnen

Beim Architekturpreis Berlin hat das "Wohnregal" bereits den Sonderpreis "Neues Urbanes Wohnen" gewonnen. Die Jury lobte, dass das "Wohnregal" eine maximale Vielfalt unterschiedlicher Ateliers bietet, die die wachsende Vielfältigkeit urbaner Wohnvorstellungen abbildet. Sie hofft, dass sowohl die öffentliche Hand als auch private Bauherren den Erfolg dieses Modells für zukünftige Entwicklungen sehen.

Diese Hoffnung könnte in Erfüllung gehen: Das Architekturbüro plant bereits einen Wohnungsbau in der gleichen Bauweise, der aber größer werden soll.

Durch die Nominierung zum Finalisten des DAM Architekturpreises könnte das Wohnhaus noch einen zweiten Architektenpreis einheimsen. Nominiert wurde das 2019 fertiggestellte Projekt mit folgender Begründung: "Das 'Wohnregal' ist ein überzeugendes Beispiel großer Experimentierfreude: Die Architekten haben die serielle Produktions- und Konstruktionsweisen aus dem Industriebau auf ein Eckwohnhaus übertragen und ihrer Nachbarschaft einen Betonbaustein an die Seite gestellt, der sich zugleich einpasst, irritiert und neugierig macht."

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