Kati Drescher Slow Living Expertin
© Florian Driessen

Wohnen | Listicle

Wohnglück trifft: Slow-Living-Expertin Kati Drescher

Antonia Eigel

Slow Living – was ist das eigentlich? Wohnglück hat Pionierin Kati Drescher die wichtigsten Fragen zu Achtsamkeit, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft gestellt. Was sie uns in ihrer schönen Wohnung am See über die Kunst des bewussten, langsamen Lebens erzählt hat, hat uns sehr gut gefallen.

Erst mal Schuhe aus, ganz schön gemütlich hier, im Haus direkt am See. Und es duftet! Kati Drescher empfängt unser kleines Wohnglück-Team mit selbstgemachtem Hummus, Brot und Falafel. Slow Living, darum soll es heute in unserem Video-Interview gehen – und wir merken schnell, dass Katis Wohnung dafür genau die richtige Atmosphäre bietet.

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Wer sich umsieht, entdeckt in den Wohnräumen schnell die Prinzipien, die zur Slow-Living-Bewegung gehören: achtsam ausgewählte und platzierte Gegenstände, viele Grünpflanzen, natürliche Materialien.

Die Mitbegründerin der Slow Living Conference lebt in einer Wohnung der Uferwerk-Genossenschaft in Werder (Havel), 50 Kilometer südwestlich von Berlin, und hat sich dort ihren privaten Slow-Living-Traum erfüllt. Was das konkret bedeutet, erklärt sie im Video und im Interview unten.

Interview mit Slow-Living-Expertin Kati Drescher

Wohnglück: Kati, seit wann beschäftigst du dich mit dem Thema Slow Living und was hat dich dazu gebracht?

Kati Drescher: Mit dem Thema Nachhaltigkeit und Slow Living beschäftige ich mich privat seit ungefähr 21 Jahren, seit 15 Jahren auch beruflich. Das kann ich immer gut am Alter meiner Tochter festmachen. Durch die Begegnung mit ihrem Vater, einem holländischen Demeter-Bauern, bin ich erstmals mit dem Thema biologische Ernährung und dem nachhaltigen Lebensstil in Berührung gekommen. Meine Tochter ist jetzt mittlerweile schon 19 Jahre alt.

Du hast schon zweimal eine Slow Living Conference mitgestaltet. Worum ging es da genau?

Kati Drescher: Das Ganze hatte einen aufgelockerten Konferenzcharakter mit Tee-Lounge und fand in verschiedenen schönen Locations in Berlin statt. Kern der Konferenz war: Ein bewusster Lebensstil ist nicht nur für den einzelnen Menschen sinnvoller, weil er mehr Achtsamkeit ins Leben bringt. Sondern er hat auch einen positiven Effekt auf die Umwelt. Deshalb haben wir bei der Konferenz alles sehr natürlich gehalten, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Wie würdest du deinen Beruf bezeichnen?

Kati Drescher: Hauptberuflich entwickle ich mit meiner Agentur sieben&siebzig die Kommunikation für Unternehmen, die sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben haben. Das Prinzip ist dasselbe wie bei anderen PR-Unternehmen: Aufmerksamkeit für seine Themen schaffen. Das Besondere bei uns ist wiederum, dass wir nur für Unternehmen arbeiten, die einen gewissen Anspruch an sich und ihre Produkte haben.

Darüber hinaus habe ich das kleine Unternehmen marimeers gegründet. Hier verkaufe ich nachhaltige Wohnaccessoires wie Teppiche oder Sitzkissen, die aus Schafswolle von Brandenburger Schafen in reiner Handarbeit hergestellt werden. Natürlich wird beim Scheren besonders darauf geachtet, dass es den Schafen gut geht und sie keinen Schaden davon tragen.

Was hat sich für dich verändert, seitdem du dich mit den Themen Nachhaltigkeit und Slow Living beschäftigst?

Kati Drescher: Ich würde sagen: sehr viel! Ich komme aus einem Umfeld, dass sehr "hippiesque" war. Wir sind auf dem Land groß geworden, meine Eltern waren Künstler und auch mein Bruder ist mittlerweile einer. Es ist schon eine andere Art Bewusstsein, die sich so in den 1960er und 70er Jahren entwickelt hat. Das kommt bei mir also alles aus einem sehr unkonventionellen Umfeld.

Aber natürlich bin ich in manchen Bereichen auch mehr oder weniger konventionell aufgewachsen, zum Beispiel bei den Lebensmitteln. Meine Eltern haben zwar selbst Brot gebacken, aber es gab nicht wirklich ein Bewusstsein dafür, wie Konzerne agieren und funktionieren. Die gesamte Umweltbewegung stand ja noch ganz am Anfang.

Seitdem ich mich mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit und Slow Living beschäftige, sind für mich Hintergründe viel deutlicher geworden und Zusammenhänge erschließen sich neu. Das macht dann auch vor keinem Lebensbereich Halt. Für mich war klar, dass ich in meinem Handeln konsequent sein möchte.

Kannst du da ein konkretes Beispiel nennen?

Kati Drescher: Zum Beispiel die Frage: Wie werden Lebensmittel hergestellt? Da ist man dann ganz schnell bei Agrarpolitik oder wie das EU-Parlament funktioniert. Mir ebenfalls wichtig sind die Fragen: Wie richte ich mich nachhaltig ein und wie ist mein eigenes Mobilitätsverhalten?

Du lebst seit einigen Jahren in einem privaten genossenschaftlichen Bauprojekt namens Uferwerk. Wie kam es dazu?

Kati Drescher: Zu Uferwerk bin ich eher durch einen Zufall gekommen. Man kennt das ja: Ein Freund hatte das Projekt entdeckt, ich fand es ebenfalls spannend. Eine Gemeinschaft wie die unsere hat mehrere Vorteile, glaube ich:

  • Leben in Gemeinschaft bereitet mehr Freude,
  • es ist nachhaltiger, weil man sich in vielen Bereichen zusammenschließen kann,
  • es ist kostengünstiger, weil man sich Sachen und Kosten teilen kann,
  • und ich glaube auch, dass man länger gesund bleibt, wenn man sich kontinuierlich mit Menschen auseinandersetzt.

Ich habe hier viele nette Menschen kennengelernt, mit denen es Spaß gemacht hat, sich anfangs einmal die Woche zu treffen und irgendwelche Sachen auszuspinnen. Das hatte einerseits pragmatische Gründe. Auf der anderen Seite entstand dabei auch einfach eine ganz große Freude an dem Miteinander.

Private Wohngenossenschaften wie eure sind gerade sehr angesagt. Wie habt ihr euren Standort, in unmittelbarer Nähe zu einem Regionalexpress-Bahnhof, gefunden?

Kati Drescher: In der Tat ist es nicht so einfach, ein geeignetes Grundstück für so viele Menschen zu finden. Da ist es fast schon logisch, dass man etwas weiter raus muss aus der Stadt. Viele Bekannte denken immer erst einmal: "Oh Gott, wohnt ihr weit draußen!" Dabei ist man in 45 Minuten mit der Bahn sogar direkt am Alexanderplatz, mitten in Berlin. Um unsere Wohngenossenschaft ist leider tatsächlich ziemlich viel bebaut. Unsere zwei Hektar Land haben allerdings durchaus so ein bisschen Insel-Charakter, finde ich. Zudem haben wir einen großen Badesee direkt vor der Haustür. Da ist an heißen Sommertagen dann richtig Bambule und echt was los.

Alle Slow-Living-Videos mit Kati Drescher

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