Haus-Baustelle im Winter mit Gerüst
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Bauen | Ratgeber

Bauarbeiten im Winter: Wann die Kälte zum Baustopp zwingt

Joscha Thieringer

Level: Für Fortgeschrittene

Bauarbeiten im Winter sind problematisch – auch wenn auf immer mehr Baustellen der Baustopp herausgezögert und sogar bei Frost gearbeitet wird. Irreparable Schäden an der Bausubstanz können die Folge sein. Wir erklären, bis zu welchen Temperaturen Bauarbeiten unproblematisch sind und nennen elf konkrete Regeln.

Die Temperaturen sinken, auf vielen Baustellen werden die Bauarbeiten im Winter komplett eingestellt. Viele Bauherren und Bauherrinnen fragen sich: Ab welchen Temperaturen zwingt uns die Kälte zum Baustopp?

Spätestens bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sind viele Bauarbeiten problematisch. Deshalb rückt das Thermometer zwischen Oktober und April mehr und mehr ins Interesse von Bauherren und Baufirmen. Und das liegt nicht etwa daran – wie vielleicht mancher Laie vermuten würde –, dass die Bauarbeiter keine Lust hätten, bei Kälte zu arbeiten.

Das Problem sind die Baustoffe. Auch wenn in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt wurden: Die meisten Baustoffe dürfen nur bei bestimmten Temperaturen und Luftfeuchtigkeit-Werten eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Kleber
  • Mörtel
  • Estrich
  • Putz
  • und generell alle wasserlöslichen und wassergebundenen Baumaterialien. Also auch PU-Schaum.
Holzfenster-Rahmen mit Bauschaum
Herkömmlicher Bauschaum lässt sich nur bei Temperaturen über 5 Grad Celsius verarbeiten. © Getty Images/iStockphoto

Bauschaum im Winter richtig verwenden

"Handelsüblicher PU-Schaum sollte nicht bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius verarbeitet werden", rät das PU-Schaum-Infocenter. "Bei kühlen Temperaturen sinkt die zur Aushärtung notwendige Luftfeuchtigkeit und die chemischen Reaktionen verlangsamen sich. In der Folge kann der Schaum spröde und brüchig werden und auf der Oberfläche eine pulverartige Schicht bilden."

Die gute Nachricht: Es gibt auch sogenannten Winterschaum. "Dieser Spezialschaum ist für Temperaturen bis minus 10 Grad Celsius ausgelegt und lässt sich deswegen problemlos auf Winterbaustellen benutzen", sagt das PU-Schaum-Infocenter – und rät dringend davon ab, herkömmliche Bauschaum-Dosen auf Heizungen oder gar mit Bunsenbrennern zu erhitzen.

Frostbedingte Schäden nach Bauarbeiten im Winter

Auch wenn die Zeit drängt und es beim aktuellen Bauboom schwierig ist, Baufirmen und Handwerker zu finden, sollten Bauherren nicht auf Bauarbeiten im Winter bestehen, rät der Verband Privater Bauherren (VPB). Dessen Sachverständige würden bei ihren Baukontrollen häufig frostbedingte Schäden beobachten, "weil Putze und Estriche falsch verarbeitet wurden und nicht ausreichend Zeit zum Aushärten hatten".

Im schlimmsten Fall können irreparable Schäden an der Bausubstanz entstehen. Der VPB listet einige typischen Mängel auf, die aus problematischen Bauarbeiten im Winter resultieren können:

  • Risse,
  • unzureichende Erhärtung und Festigkeit,
  • fehlende Untergrundhaftung und
  • Hohlstellenbildung.
Maurerarbeiten im Winter
Mörtel verändert bei Frost seine Eigenschaften – irreparable Bauschäden können die Folge sein. © Getty Images/iStockphoto

Nicht nur die Raumlufttemperatur ist entscheidend

Natürlich lassen sich im Inneren eines Rohbaus auch Heizgeräte aufstellen, die die Raumlufttemperatur erhöhen. Doch ebenso wichtig ist die Temperatur der Bauteile. Wenn diese in der Kälte gelagert wurden, können sie sich unter Umständen nach dem Einbau verziehen, wenn die Temperaturen im Haus ansteigen.

"Bauherren, die ihren Hausbau in einem Bautagebuch dokumentieren, sollten gerade in der Übergangszeit stets auch die Außenluft- und die Raumlufttemperaturen sowie die relative Luftfeuchte innen mit dokumentieren", teilt der VPB mit und rät zu sogenannten Datenloggern.

Baustellen-Dokumentation mit Datenloggern

Datenlogger dokumentieren manipulationssicher Klimadaten und viele weitere Messgrößen. Das ist insbesondere bei Bauarbeiten im Winter interessant. "Preiswerte Datenlogger, einer innen, einer außen, sammeln die nötigen Kenngrößen und erlauben im Ernstfall, die Ursache für etwaige Mängel zu rekonstruieren", sagt der VPB. "Hat die Firma die Baustoffe nämlich falsch eingesetzt, muss sie die Schäden auch in Ordnung bringen."

Zuverlässige Datenlogger gibt es bereits ab 60 Euro. Einfache Geräte lassen sich via USB-Verbindung auslesen, teurere Modelle gibt es natürlich auch mit Funkschnittstelle oder WLAN-Funktion.

Baustelle im Winter mit Folie abgedeckt
Im Winter ist es wichtig, Baustellen vor Feuchtigkeit und Frost zu schützen. © Getty Images/iStockphoto

11 allgemeine Tipps zu Bauarbeiten im Winter

Für Bauarbeiten im Winter lassen sich elf allgemeine Tipps und Regeln formulieren:

  1. Bauarbeiten über 5 Grad Celsius sind generell unproblematisch – solange es nicht regnet oder Schnee liegt.
  2. Denkt bitte auch an die kälteren Temperaturen in der Nacht, wenn Baumaterialien auskühlen. Nachtfrost von Oktober bis April ist in Deutschland nicht unüblich.
  3. Achtet auf die Herstellerangaben zu Temperatur und Luftfeuchtigkeit bei allen Baumaterialien.
  4. Keine Baustoffe mit Hilfe von Heizungen oder Bunsenbrennern erhitzen! Bei PU-Schaum ist allenfalls ein wärmendes Wasserbad möglich.
  5. Regelt im Bauvertrag alle Fragen zu Baustopps wegen Witterungsbedingungen. Zum Beispiel wer die Baustelle winterfest zu machen hat.
  6. Manche Bauherrenhaftpflichtversicherungen schließen Schäden durch Kälte und Feuchtigkeit ein.
  7. Schützt Rohbauten unbedingt vor Feuchtigkeit und Frost – eventuell mit einem sogenannten Notdach.
  8. Niemals auf gefrorenem Mauerwerk arbeiten!
  9. Verwendet bei Bauarbeiten im Winter einen Datenlogger, um Klimadaten genau zu dokumentieren.
  10. Seid bei der Bauabnahme bitte besonders gründlich und aufmerksam, wenn ihr eine Winterbaustelle hattet.
  11. Bauarbeiten im Winter sind letztlich oft teurer als ein Baustopp bis zum Frühjahr, weil der Schutz vor Feuchtigkeit und Frost Zusatzkosten verursacht.

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