Windräder im Sonnenuntergang
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Windkraft-Anwohner sollen finanziell stärker profitieren

Um Windkraft zu mehr Akzeptanz zu verhelfen, will Wirtschaftsminister Peter Altmaier Anwohner und Kommunen nun stärker miteinbeziehen. Die Park-Betreiber sollen eine verpflichtende Abgabe an die Gemeinden zahlen. Außerdem können sie Anwohnern vergünstigte Bürgerstromtarife anbieten.

Windräder sind ein Streitthema. Auf der einen Seite ist Windkraft für eine gelungene Energiewende dringend notwendig. Auf der anderen Seite klagen Anwohner häufig über Probleme mit den Stromerzeugern. Um die Akzeptanz von Windkraft zu erhöhen, hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nun einen neuen Vorschlag: Anwohner und Kommunen sollen finanziell von den Windparks profitieren. Das geht aus einem Eckpunkte-Papier des Ministeriums hervor, das der Deutschen Presse-Agentur (DPA) vorliegt.

Demnach sollen Betreiber von Windrädern eine verpflichtende Abgabe an die Kommunen zahlen müssen. Außerdem können sie darüber hinaus Anwohnern vergünstigte Stromtarife anbieten. Es dürfte im Interesse vieler Betreiber sein, die Anwohner auf ihre Seite zu bringen. Denn deren Widerstand stellt oft ein großes Hindernis für den Ausbau von Windkraft dar.

Einnahmen für mehr Akzeptanz von Windkraft "geeignet"

Die Abgabe an die Gemeinden soll laut Altmaier jährlich erfolgen. Sie soll mindestens 0,2 Cent pro Kilowattstunde betragen. Das Ministerium rechnet mit Einnahmen von rund 20.000 Euro pro Jahr und Kommune. Wie hoch der Betrag tatsächlich ausfällt, hängt an Standort und Wetter – und damit am Stromertrag. Wie die Kommunen das Geld ausgeben, soll ihnen laut Papier selbst überlassen sein.

Die Einnahmen seien "geeignet, die Akzeptanz neuer Windenergieanlagen spürbar zu erhöhen und zukünftig auch weitere Flächen für die Nutzung von Windenergieanlagen zur Verfügung zu stellen", zitiert die DPA aus dem Papier.

Bürgerstromtarife: Ersparnis von bis zu 200 Euro pro Jahr

Des Weiteren sollen die Betreiber der Windparks den Anwohnern vergünstigte Bürgerstromtarife zur Verfügung stellen können. Die Kosten sollen höchstens 90 Prozent des Tarifs des örtlichen Grundversorgers betragen. Die Tarife würden in Umfragen "regelmäßig hohe Zustimmungswerte" erzielen, "so dass sie potenziell eine hohe Akzeptanz-Wirkung entfalten können". Für Verbraucher ergebe sich so eine Ersparnis von 100 bis 200 Euro pro Jahr.

Das Angebot der Bürgerstromtarife ist freiwillig. Allerdings sollen die Betreiber der Parks auch davon profitieren. Wenn mindestens 80 Verträge mit Anwohnern zustande kommen, soll sich der Mindestbetrag an die Kommunen auf 0,1 Cent pro Kilowattstunde reduzieren.

Die Vorschläge von Altmaier basieren auf einem wissenschaftlichen Gutachten, das vom Ministerium in Auftrag gegeben wurde. Im nächsten Schritt sollen sie den Fraktionen der Koalition vorgelegt werden.

Windkraft mit größtem Anteil an erneuerbaren Energien

Von Oppositionsseite kommt Lob für die Vorschläge Altmaiers. Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, begrüßt die Eckpunkte des Papiers, wie er der "Rheinischen Post" sagte. "Eine solche kommunale Beteiligung ist aber nur ein kleines Puzzlestück der notwendigen Ausbauoffensive für die erneuerbaren Energien", heißt es von Hofreiter. Weiterhin müssten Wachstumsbremsen für ebenjene Energien gelockert werden. Dazu gehörten der Solardeckel, bundesweite Mindestabstände sowie Genehmigungs- und Planungshürden.

Die Bundesregierung plant ab 2030 mit einem Ökostrom-Anteil von 65 Prozent. Und der muss auch her, denn der Ausstieg aus der Atomkraft für das Jahr 2022 und aus der Kohlekraft für das Jahr 2038 ist bereits beschlossen.

Wie wichtig der Anteil von Windkraft an erneuerbaren Energien ist, zeigen Zahlen aus dem ersten Quartal dieses Jahres. Von 77 Milliarden Kilowattstunden, die regenerative Quellen zwischen Januar und März 2020 in Deutschland erzeugten, kamen 43 Milliarden aus Onshore-Windanlagen. Offshore-Windanlagen erzeugten weitere neun Milliarden Kilowattstunden Strom.

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