Advertorial

Modernisieren | Listicle

VELUX Architekten-Wettbewerb 2019: Sieben spannende Architektur-Projekte

Redaktion

Level: Für Alle

Sieben Projekte für mehr Tageslicht. beim VELUX Architekten-Wettbewerb 2019 sind sieben spannende Architektur-Projekte ins Rennen gegangen. Wir stellen sie ausführlich vor.

Lösungen und Ideen für mehr Tageslicht, Luft und Raumqualität waren beim VELUX Architekten-Wettbewerb gesucht. Neben drei Jurypreisen wird dabei auch ein Publikumspreis vergeben. Eine Fachjury aus Architekten und Medienvertretern hat sieben spannende Architektur-Projekte nominiert. Hier stellen wir diese ausführlich vor.

1. Neubau Konventgebäude Ursulinenkloster in Erfurt

Architekten: hauschild architekten, Erfurt

Infos zum Konventgebäude Ursulinenkloster

Der Neubau des Konventgebäudes ist Teil des historischen Ursulinenklosters in der Erfurter Altstadt, welches bis ins 12. Jhdt. zurückreicht. Bestimmend ist die klare Fassadengestaltung und die homogene Wirkung von Ziegel, Fuge und Werksteingewande, mit der sich der Bau im Kontext zur Ursulinenkirche würdevoll zurücknimmt. Der Neubau fügt sich in seiner Geschossigkeit, Dachform und Gestaltung in die umgebende Bebauung ein und interpretiert diese mit zeitgemäßer Material- und Formensprache neu.

Den Kern des Gebäudes bildet die innere Erschließung in Form einer von oben belichteten Kaskadentreppe, welche die 10 Bewohnerzimmer in den beiden oberen Geschossen vom Foyer des Erdgeschosses aus erschließt. Das Oberlichtband über der Kaskadentreppe, welches aus acht aneinander gereihten VELUX Dachfenstern besteht, belichtet die angrenzenden Flure würdevoll, inszeniert den Weg nach oben und unterstreicht den Eindruck einer "Himmelsleiter".

Eine zentrale räumliche Bedeutung hat zudem die neue Bibliothek, welche sich im Spannungsfeld zwischen Kirche, Angerhaus und Neubau befindet. Im Erdgeschoss befinden sich neben der Bibliothek auch das Refektorium der Ursulinen.

Kurzinterview: 3 Fragen an hauschild Architekten

Das Team von hauschild architekten: Lutz Hauschild, Grit Jugel, Sabine Hauschild, Lars Jugel
Das Team von hauschild architekten: Lutz Hauschild, Grit Jugel, Sabine Hauschild, Lars Jugel © hauschild architekten

Wohnglück: Was war die besondere Herausforderung bei dem Projekt?
hauschild architekten: Die Integration des neuen Gebäudes, in die sehr beengte und zudem denkmalgeschützte Hofsituation. Wir mussten im Bereich der Kirche an 3 aufgehende Wände anbauen und auch der Hauptbaukörper schließt über die gesamte Länge an eine Brandwand an. Aus diesen schwierigen Rahmenbedingungen sind die Ideen zu den zenitalen Belichtungssituationen entstanden. Einerseits mit dem Velux-Oberlichtband über der Kaskadentreppe, andererseits mit den beiden Oberlichtern in der neuen Konvent-Bibliothek.

Was ist das Besondere an der von Ihnen realisierten Lösung?
Die gewählte Form der Erschließung und Belichtung ist nicht nur unsere architektonische Antwort auf eine besondere städtebauliche Ausgangssituation, sie trägt außerdem den besonderen Bedürfnissen der Ursulinen nach Zurückgezogenheit und Introvertiertheit im räumlichen Sinne Rechnung. Das aufstrebende Raumgefühl, welches der Kaskadenraum vermittelt, hat eine sakrale Wirkung.

Wie profitieren die Bewohner bzw. Nutzer von der umgesetzten Tageslichtlösung?
Die Kaskadentreppe, mit der zenitalen Belichtung, ist „die Lösung“ für die Erschließung dieses Gebäudes gewesen. Die Ursulinen sind aus mehreren Gründen sehr zufrieden mit ihrer „Himmelsleiter“. Es dringt Tageslicht nahezu in die komplette innere Erschließung. Der Weg zu den Zimmern ist dadurch sehr attraktiv und lädt sogar zum Verweilen ein. Und das Gebäude kann, über die zum Teil zu öffnenden Velux-Fenster, natürlich belüftet werden, sowie auch zur Nachtauskühlung im Sommer genutzt werden.

2. Dachausbau in Frankfurt

Architekten: Julien Kiefer & Bjoern Schmidt Architektur, Frankfurt

Infos zum Dachausbau in Frankfurt

Der Dachausbau befindet sich in einem traditionellen Haus auf einer Anhöhe am nordöstlichen Stadtrand von Frankfurt am Main. Die Wohnung erstreckt sich über zwei Etagen unter einem steilen Satteldach und bestand ursprünglich aus kleineren Räumen mit sehr schlechten Tageslichtverhältnissen sowie einem unausgebauten Spitzboden.

Durch die teilweise entnommene Decke zwischen Dachgeschoss und Spitzboden wurden beide Etagen zu einem großzügigen, zweigeschossigen Wohnbereich zusammengeführt, der beidseitig von Tageslicht durchflutet wird und durch eine großräumige, überhöhte neue Gaube an der Südfassade einen fantastischen Blick über die Stadt freispielt.

Das Hauptmerkmal in diesem Raum ist eine skulpturale altrosafarbene Metalltreppe, die den Wohnbereich mit einer Galerie verbindet. Die Galerie wurde mit diagonal versetzen Dachflächenfenstern (VELUX GPL UK08 bzw. VELUX GTU MK08) bestückt, die sowohl viel Tageslicht in den Raum bringen, als auch von der unteren Ebene Blickbezüge in den Himmel öffnen.

Erschlossen wird die Wohnhalle von einem kompakten und dunkel angelegten Verteilerraum, der im Kontrast zum lichtdurchfluteten, zweigeschossigen Raum steht. Die dunkelgrüne Wand- und Deckenfarbe erstreckt sich in das angrenzende Bad- und Schlafzimmer und ist der ergänzende Antagonist zur altrosafarbenen Treppe.

Kurzinterview: 3 Fragen an Julien Kiefer & Bjoern Schmidt Architektur

Die Architekten Bjoern Schmidt und Julien Kiefer
Das Architekten-Team: Bjoern Schmidt und Julien Kiefer © Gregor Schuster Fotografie

Wohnglück: Was war die besondere Herausforderung bei dem Projekt?
Julien Kiefer & Bjoern Schmidt Architektur: Um die gestalterischen und räumlichen Ideen, sowie eine Vielzahl von individuellen Lösungen zu realisieren und gleichzeitig innerhalb des vereinbarten Budgets zu bleiben, wurden standardisierte Produkte mit Sonderkonstruktionen kombiniert. Hierbei wurden zudem diverse Leistungen von Architekt und Bauherr in Eigenleistung erbracht, wobei die Betonarbeitsplatte der Küchenzeile hervorzuheben ist, die den Beteiligten einige Nerven kostete. Gleichzeitig konnte auf diese Weise eine große und unmittelbare Einflussnahme auf die Ausführung genommen werden.

Was ist das Besondere an der von Ihnen realisierten Lösung?
Der Wunsch des Bauherrn nach einem großzügigen und lichtdurchfluteten Wohnraum musste mit einem behutsamen Eingriff in die Bestandsfassade vereint werden. Die neue Gaube, sowie die beiden neuen Dachflächenfenster definieren einen selbstbewussten Eingriff in die äußere Gestalt, entwickeln jedoch durch Form, Materialität und Farbe einen Dialog mit den Elementen der Bestandsfassade. Einen planerischen Schwerpunkt stellte auch die Installation der skulpturalen Stahltreppe dar, die im Mittelpunkt der Wohnhalle positioniert ist.

Wie profitieren die Bewohner bzw. Nutzer von der umgesetzten Tageslichtlösung?
Die großzügigen Öffnungen nach Süden inszenieren den wunderbaren Blick über die Frankfurter Senke, stellen aber auch Herausforderungen in immer extremeren Sommermonaten dar. Über außenliegenden Sonnenschutz kann die Südfassade komplett geschlossen werden, gleichzeitig können alle Räume mit Tageslicht aus sonnenabgewandten Öffnungen belichtet werden. Dabei orientieren sich Position, Größe und Öffnungsmechanik an funktionalen und programmatischen Bedürfnissen der Bewohner.

3. Neubau Stadtlücke Landshut

Architekten: Architektur Manuel Benjamin Schachtner/Deppisch Architekten

Infos zur Stadtlücke Landshut

Die ehemalige Baulücke im historisch anspruchsvollen Stadtumfeld wurde mit einem fünfgeschossigen Gebäude geschlossen. Das Neue Wohn-und Geschäftshaus umfasst vielfältige und variable Nutzungen in allen Etagen. Trotz der über 30 Meter tiefen, neuen Bebauung kommt das Tageslicht bis in die unteren Geschossebenen. Der Innenhof zeichnet die alten Gebäudestrukturen nach und lässt in allen Etagen und Nutzungseinheiten den Blick auf das historische Ziegelmauerwerk des Salzstadels zu.

Die Raumstruktur ermöglicht eine innere, räumliche Anbindung der Bibliothek mit der im Salzstadel beheimateten Stadtbibliothek. Diese mögliche, spätere Anbindung an die Stadtbibliothek lässt einen barrierefreien Zugang zu.

Architekt Michal Deppisch
Architekt Michael Deppisch

Die Umsetzung des für Landshut typisch historischen Mezzanin-Geschosses ermöglichte eine sehr wirtschaftliche Ausnutzung der gesamten Gebäudekubatur.

Die gestockte Sichtbetonwand zum Salzstadel dient zur Abstützung des historischen Nachbargebäudes und lässt die Konstruktion erlebbar. Als Kontrast wurden alle Oberflächen im Inneren wie Fußböden, Türen und Einbaumöbel in heimisch geölter Eiche ausgeführt. Die Bauweise und Materialität des neuen Schaugiebels an der Steckengasse mit eingefärbten Fertigbetonelementen steht im Kontrast zum Historischen und soll eine Symbiose von Alt und Neu schaffen.

4. Dachaufstockung in München

Architekten: Pool Leber Architekten, München

Infos zum Projekt

Die innerstädtisch gelegene Dachaufstockung in der Rottmannstraße in München verfolgt einen landschaftlichen Ansatz. Neben einer hochwertigen Erweiterung der Innenräume wünschte der Bauherr auch großzügige Außenräume und Terrassen mit Ausblicken in alle Himmelsrichtungen.

Im Wohngeschoss, im 5.OG, durchfließt in der Horizontalen der Innenraum den Außenraum, und schafft so verschiedenste Erschließungs- und Verbindungsmöglichkeiten zwischen Wohnen, Essen, Küche und Schlafbereichen. Im 6. Obergeschoss bindet die Galerie vom Westen bis in den Osten durch, und erlaubt so eine spannende vertikale Zirkulation über die Geschosse und Raumfolgen hinweg.

Der Bestand aus den 80er Jahren hatte in den Fundamenten kaum Reserven, sodass für 2,5 Geschosse Neubau ein Stahlbeton Terrassengeschoss abgerissen werden musste. Auf das Büro-und Wohngebäude (Gebäudeklasse 5) wurde letztlich ein gewichtoptimierter Holzmassivbau mit hinterlüfteter Stahlfassade und Sichtbeton Brandwänden gesetzt. Die hierfür erforderlichen Brandschutzauflagen und Befreiungen umfassten im 4.OG eine komplette K2 60 Kapselung. Für die beiden kleineren Wohneinheiten im 4.OG und die große Wohneinheit, die vom 4. OG bis ins Dach reicht, waren aufwendige Schottungen und zusätzliche Rettungswege notwendig. Diese wurden in Zusammenarbeit mit einer gutachterlichen Betreuung erarbeitet und umgesetzt.

Die komplizierten Geometrien und Verschränkungen von Außen- und Innenraum ebenso wie die Schnittstelle von freier Geometrie mit einem präzisem Fassaden- und Tragwerksraster, das den Vorgaben des Bestandes folgen musste, erforderten eine intensive dreidimensionale Auseinandersetzung mit Licht, Raum und Konstruktion.

Kurzinterview: 3 Fragen an Pool Leber Architekten

Die Architekten Martin Pool und Isabella Leber
Die Architekten Martin Pool und Isabella Leber © Filip Gorski

Wohnglück: Was war die besondere Herausforderung bei dem Projekt?
Pool Leber Architekten: Die besondere Herausforderung lag in der Komplexität der 2,5-geschossigen Dachaufstockung in innerstädtischer Lage. Dies begann mit dem Anschluss an das bestehende Strangsystem der Haustechnik, setzte sich fort bei der Anbindung an die bestehende, fast ausgelastete Tragstruktur des Bestandbaus aus den 80er Jahren, mit ihrem strengen Schottenraster und den vorgegebenen Spannweiten. Die hieraus resultierende Gewichtsproblematik wurde mit einer Holzkonstruktion beantwortet, die wiederum eine besondere Herausforderung bezüglich des Brandschutzes in Gebäudeklasse 5 war. frTrotz all dieser Vorgaben sollte ein fliesendes Raumkontinuum geschaffen werden, das zudem große Terrassen mit dem Innenraum verbindet.

Was ist das Besondere an der von Ihnen realisierten Lösung?
Das Besondere an der von uns realisierten Lösung ist, dass all die starren Vorgaben von Seiten der Statik, des Brandschutzes und der Haustechnik weder im Innen- noch im Außenraum spürbar sind. Ebenso fügt sich der belebte Dachaufbau, mit seiner hinterlüfteten Stahlfassade stimmig in die umgebenden Bestandsbauten aus den 80er Jahren ein, und setzte mit seinen Balkonen die Rhythmik der darunterliegenden Bestandsbalkone bis hin zu den obersten Terrassen fort.

Wie profitieren die Bewohner bzw. Nutzer von der umgesetzten Tageslichtlösung? Der Nutzer profitiert von der unkomplizierten Lüftungsvarianz, die die Dachflächenfenster ermöglichen, ebenso wie von der großen Tageslichtausbeute zu allen Tageszeiten. Außerdem gewähren die Dachflächenfenster im Norden Blicke bis ins Olympiazentrum, im Süden bis in die Berge. Zudem wurden auch technische Aspekte der Dachflächenfenster, wie Smart Ventilation, Hitzeschutzmarkisen und Dachausstiegsfenster in diesem Bauvorhaben verbaut. Neben der Energieeinsparung wurde also auch die Zugänglichkeit zum Dach und der zweite Rettungsweg Richtung Straße sichergestellt.

5. Einfamilienhaus in München

Architekten: su und z Architekten, München

Infos zum Projekt

Das kleine Haus ist ein einfaches Haus. Mit seinen gemauerten Wänden und dem steil geneigten Ziegeldach fügt es sich in die vorgegebene Ordnung der angrenzenden denkmalgeschützten Mustersiedlung Ramersdorf. Das kleine Haus ist ein besonderes Haus. Wohnhaus und Garage spannen in Zusammenspiel mit dem Eingangsbereich einen geschützten sonnigen Innenhof auf.

Der Garagenraum birgt die Möglichkeit, den Freibereich durch eine Laube zu erweitern. Die kompakte Grundrissorganisation schafft auf kleinster Fläche ein unerwartet großzügiges Raumgefüge. Im Erdgeschoss wird der offene Wohn- und Essbereich durch den eingestellten Treppenkern mit Kamin zoniert. In den Obergeschossen ordnet der Treppenraum Individualräume und Bäder. Die Fassade befreit sich von der strengen Ordnung der Nachbargebäude. Licht fällt durch unterschiedlich große, frei angeordnete quadratische Öffnungen. Eichenholzfenster tragen die natürliche warme Materialität der Wohnräume nach außen, wo sie die raue Putzfassade der massiven Ziegelwände aufbrechen.

Im Dachraum setzt sich die Massivität des Hauses fort. Seine umfassenden Schrägen sind aus Beton gegossen. Entsprechend werden die Dachflächen zur fünften Fassade. Öffnungen werden gezielt gesetzt, um den Raumeindruck zu intensivieren – ein Spot für die Treppe, ein lichtdurchflutetes Gästezimmer, der Sternenhimmel für die freistehende Badewanne.

Das kleine Haus nimmt viele Bezüge auf und arbeitet auf verschiedenen Ebenen, trotzdem ist es aus einem Guss. Es präsentiert sich vom Keller bis zum Dach als Einheit. In den Räumen ist die durchgängige Beschaffenheit und Ganzheit deutlich spürbar.

Kurzinterview: 3 Fragen an su und z Architekten

Das Team von su und z Architekten: Stefan Speier, Reinhard Unger, Florian Zielinski
Das Team von su und z Architekten: Stefan Speier, Reinhard Unger, Florian Zielinski © su und z architekten

Wohnglück: Was war die besondere Herausforderung bei dem Projekt?
su und z Architekten: Innerhalb der Grenzen einer relativ kleinen bebaubaren Fläche war eine Vielzahl von Wünschen, die zukünftigen Räumlichkeiten betreffend, zu organisieren. Eigenstaändigkeit und eine selbstbewusste Haltung waren den Bauherren und uns ein großes Anliegen. Trotzdem sollte das kleine Haus sich in die Umgebung einfuügen.

Was ist das Besondere an der von Ihnen realisierten Lösung?
Wir haben von Seiten der Bauherren großes Vertrauen erfahren. In enger Abstimmung wurden die zugrunde liegenden Ideen, Träume und Räume weiterentwickelt und schließlich im Grundriss und auch in der Vertikalen in einen kompakten und doch großzügigen Entwurf gezeichnet. Eine durchgängige Haltung zieht sich durch alle Räume. Dazu passt die meisterhafte handwerkliche Umsetzung durch engagierte Firmen.

Wie profitieren die Bewohner bzw. Nutzer von der umgesetzten Tageslichtlösung?
Tageslicht fällt durch unterschiedlich große und frei angeordnete Öffnungen in die Räume. Intime Bereiche werden zurückhaltend belichtet. Große Fenster erhellen die Wohnräume. Zugunsten der Geborgenheit wird dabei immer ein ausgewogenes Verhältnis zwischen geschlossener und durchlässiger umfassender Fläche bewahrt. Dieses Prinzip wird gleichermaßen auf die Wände und auf die Dachflächen als fünfte Fassade angewendet. Licht wird je nach Situation, Raumtiefe und Nutzung eingesetzt und individuell inszeniert und dient so optimal den Bedürfnissen der Hausherren.

6. Umbau und Erweiterung einer Remise in Berlin

Architekten: Helga Blocksdorf Architektur, Berlin

Infos zum Projekt

Die Remise befindet sich im denkmalgeschützten Ensemble Nr. 09050513. Zu bewahren sind der Anger mit dem vorhandenen Baumbestand, die Dorfkirche als Einzeldenkmal, der Kirchhof, die Gehöfte und Wohnhäuser, die Vorgärten mit ihren Einfriedungen, sowie die rückwärtigen Hofanlagen.

Zwei Gedanken im gewählten Umgang mit dem der zu schützenden Substanz, wohnen dem Gebäude inne und versetzen es in ein Spannungsfeld. Zum einen die Beobachtung, dass das Gebäude lange Zeit ohne Bewohner und vor allem ohne Architekt auskam. Das Erbauerjahr ist unbekannt (Vorderhaus der Hofanlage ca. 1830-1850). Die Definition der Remise benennt den Grund: Die Remise (remettre, franz. wiederhinstellen, versorgen) ist ein Wirtschaftsgebäude, das in der Regel an der rückwärtigen Grundstücksgrenze für Fahrzeuge oder Geräte errichtet wurde.

Die Umwandlung in ein Wohn- und Atelierhaus (270m2 BGF) stellt konstruktiv, bauphysikalisch und typologisch einen erheblichen Kraftakt für das Gemäuer und seine Bewohner dar. Wer zieht freiwillig in ein fast ausschließlich nach Norden gerichtetes Nebengelass? Für einen Künstler, der sich ohnehin Kraft seines Schaffens in eine für ihn als natürlich empfundene Distanz zum Leben und zur Gesellschaft stellt, erscheint dies stimmig. Aus diesem Grund ist der alte Teil des Haues, die Remise, mehr Atelier als gemeinsames Wohnen.

Der neu errichtete Kopfbau, monolithisch aus hochdämmenden Ziegel gebaut, wird nahtlos angesetzt, eingedeckt und überputzt. Gezielt verschleift sich das Alte mit dem Neuen. Dabei wird die baukonstruktive Detailierung wie der sehr hohe Spritzwassersockel, eine aus der ostdeutschen Überformung des einst sichtbaren Ziegelmauerwerkes resulitierende Zeitschicht weitergeführt. Das Vexierbild des Sichtmauerwerkes an der Nahtstelle zum Neubau berichtet von diesen zwei Zeitlichkeiten der alten Struktur.

Kurzinterview: 3 Fragen an Helga Blocksdorf Architektur, Berlin

Architektin Helga Blocksdorf
Architektin Helga Blocksdorf © Helga Blocksdorf Architektur

Was war die besondere Herausforderung bei dem Projekt?
Chance und Herausforderung des Projektes waren die sehr niedrigen Baukosten, denn die Remise ROSÉ ist während einer laufenden Baustelle auf Wunsch der Bauherrenfamilie übernommen worden. Friedemann Grieshaber hat als Bauherr und Bildhauer gezielt und fachlich geschult mitgearbeitet und Einiges außerhalb des Standards mitgetragen und ermöglicht. Das war positiv ansteckend, so dass wir im Team gegen jeden Grundsatz die Leiter auf dem Dach mit Magdalena Herrmann und Laura Neumann eigens im passenden RAL Ton gestrichen haben, damit alles aus einem Guss erscheint.

Was ist das Besondere an der von Ihnen realisierten Lösung?
Erst das skulpturale Herausheben des Oberlichtes ermöglicht das Einschreiben einer Raumhalbierenden in das Volumen des verschliffenen neuen Kopfbaus. Hier manifestiert sich die platonische Idee des Quadrates im neu gebauten Raumgefüge. Die Galeriebene und der Essplatz wachsen zu einer Entität zusammen und spielen mit dem doppelt hohen ‚Ernraum‘ der Rosenthaler Bauernhäuser bis an die Trennlinie zum Himmel.

Wie profitieren die Bewohner bzw. Nutzer von der umgesetzten Tageslichtlösung?
Der Kopfbau stellt mit der Empore, die genau mittig auf der Spiegelachse - und gegen die Erwartung quer - liegt, eine dem Quadrat typische Gesetzmäßigkeit dreidimensional heraus. Das gebaute Zenitlicht ermöglicht eine echte Raumnutzung in der Schräge und fängt südliche Sonnenstrahlen für die Bewohner oben ein. Erlebbar wird dies vom Essplatz aus, im Auf- und Abgehen der Treppe, auf der Galerie und in der doppelten Raumhöhe am Kamin. Die bewusste Trennung von Kamin und Empore führt darin zu einer räumlichen Schichtung, die innerhalb des relativ kleinen Raumes divergierende Durchblicke erlaubt. Diese Tiefenschichtung der Wohnsituation sucht die Balance zwischen Profanität und Repräsentation. Bautypologisch laden sich somit die aufgereihten Räume der Remise in alltäglicher Korrespondenz mit dem sich groß öffnenden Gemeinschaftsraum bis in den Himmel hin auf.

7. Neubau der Hessenwaldschule in Weiterstadt

Architekten: wulf architekten, Stuttgart

Infos zum Projekt

Die Hessenwaldschule befindet sich in einer Waldlichtung nahe der Ortschaft Gräfenhausen, einem Ortsteil von Weiterstadt (Darmstadt). Der Neubau der kooperativen Gesamtschule für rund 700 Schüler gliedert sich in drei pavillonartige Baukörper, die sich um eine gemeinsame Mitte gruppieren. Im Zentrum des neu geschaffenen Ensembles wurden die Gemeinschaftsbereiche wie Aula, Musikraum und eine Pausenhalle als große »öffentliche Mitte« ausgebildet. Um diese lichtdurchflutete, zentrale Halle gruppieren sich die Pavillons, die Individualität und Identität für die jeweiligen Jahrgangsstufen schaffen.

Unser Entwurf stärkt den genius loci, der im Reiz der Waldlichtung liegt. Die ruhig gestalteten Pavillons sind als solche deutlich ablesbar und entsprechen dem pädagogischen Konzept, einzelne Häuser für die Klassenstufen zu schaffen und ein »Offenes Lernen« in Lernclustern anzubieten. Prägend für die Hessenwaldschule sind ihre Fassaden aus hellgrau geschlämmtem Sichtmauerwerk, in die große, liegende Fensteröffnungen mit tiefen Laibungen eingesetzt sind.

Tageslicht spielt eine herausragende Rolle in der Hessenwaldschule: aus dem Zusammenspiel aus Licht und Raum entsteht eine besondere Raumwirkung. Sechs Lichtbänder, die aus VELUX Modular Skylights bestehen, ermöglichen eine optimale Versorgung des zentralen Atriums mit Tageslicht, auch bei bewölktem Himmel. Die diffuse Helligkeit der Oberlichter schafft so eine ausgeglichene Raumatmosphäre. Durch die in die Streckmetalldecke eingeschnittenen Lichtschächte erscheinen die Modular Skylights durch ihre helle Laibung selbst als Leuchtkörper und tragen maßgeblich zum Erscheinungsbild des Raums bei.

Kurzinterview: 3 Fragen an wulf architekten

Das Team von Wulf Architekten: Steffen Vogt, Tobias Wulf, Jan-Michael Kallfaß, Ingmar Menzer
Das Team von wulf architekten: Steffen Vogt, Tobias Wulf, Jan-Michael Kallfaß, Ingmar Menzer © Göran Gnaudschun

Wohnglück: Was war die besondere Herausforderung bei dem Projekt? Ein innovatives pädagogisches Konzept sollte exemplarisch umgesetzt werden. Daraus entstanden Lernhäuser für die Jahrgangsstufen. Eine Herausforderung war auch die Lage auf einer Waldlichtung – diese Stimmung wollten wir ins Haus holen.

Was ist das Besondere an der von Ihnen realisierten Lösung? Die großzügige zentrale Halle als Treffpunkt und Veranstaltungsort verbindet die einzelnen autonomen Lernhäuser zu einem organischen Ganzen. Die hochwertige Materialität in geschlämmtem Sichtmauerwerk unterstreicht die Werschätzung der Bildung in unserer Gesellschaft.

Wie profitieren die Bewohner bzw. Nutzer von der umgesetzten Tageslichtlösung? Insbesondere die zentrale von oben belichtete Halle erscheint lichtdurchflutet, ohne zu blenden. Hinzu kommt das gefilterte Seitenlicht, das eine Stimmung wie unter Blätterwerk verbreiten soll.

Lies noch mehr…

Wir verwenden Cookies, um die Website optimal zu gestalten. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie grundsätzlich der Verwendung von Cookies zu (Websitefunktionalitäten, anonymisiertes Nutzerverhalten, usw). Sofern Sie zustimmen, teilen wir zudem Informationen anonymisiert mit Werbepartnern. Siehe Datenschutzhinweise.

OK