Leopold Tomaschek vor seinem Tiny House
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Wohnen | Statement

Tiny-House-Pionier mit 16: Leopolds ungewöhnlicher Weg ins Mini-Eigenheim

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Leopold Tomaschek ist nicht nur einer der jüngsten Tiny-House-Bewohner in Deutschland, er war vor sechs Jahren auch einer der ersten, der sich hierzulande ein eigenes Tiny House gebaut hat. In unserer Serie "Tiny Wohnglück" erzählt er von seinen Erfahrungen.

Vor sechs Jahren, als Tiny Houses in Deutschland noch kaum bekannt waren, hat sich der damals 16-jährige Leopold Tomaschek als einer der ersten hierzulande sein eigenes Tiny House gebaut. Zunächst war es nur ein Projekt im Rahmen einer schulischen Jahresarbeit, wie etwa beim 13-jährigen Florian Dittmar aus Bayern, über den wir ebenfalls bereits berichteten. Doch zwei Jahre später begann Leopold damit, sein Geld mit Tiny Houses zu verdienen.

Auf der Terrasse eines modernen Holzhauses stehen zwei bunte Stühle und die Sonne scheint durch Baumkronen.

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Er arbeitet heute an der Umsetzung von Tiny-House-Projekten in ganz Europa und übernimmt dabei hauptsächlich die Rolle des Beraters, Designers und Bauplaners. Leopold gibt Tiny-House-Workshops und manchmal baut er mit Freunden, die hauptberuflich im Handwerk tätig sind, auch selbst Tiny Houses.

Tiny House als Home-Basis in Deutschland

Sein eigenes, knapp 17 Quadratmeter großes Tiny House steht auf einem Grundstück in Familienbesitz in Niedersachsen. Er hat darin ein paar Jahre sowohl allein als auch mit seiner Partnerin gelebt. Inzwischen ist der nomadisch veranlagte 22-Jährige viel unterwegs und hat in Finnland eine vorübergehende Wahlheimat gefunden. Sein taubenblaues "Tiny House Wanderlust" dient ihm aber als Home-Basis in Deutschland.

"Letztes Jahr war ich aufgrund der Pandemie nicht so viel wie ursprünglich geplant in Deutschland, nur etwa zwei Monate. Dieses Jahr werde ich hier hoffentlich einige Projekte umsetzen können und plane, etwa vier bis sechs Monate in meinem Tiny House zu leben", sagt er.

Zu 95 Prozent selbst gebaut

Zwar begann Leopold Tomaschek einst damit, sein Tiny House im Rahmen einer schulischen Jahresarbeit zu bauen. Es war aber schnell klar, dass er das Projekt in erster Linie für sich selbst umsetzen wird. Da er seinen Hausbau dokumentieren und präsentieren musste, hat er sich intensiver mit Themen wie Bauphysik und Baurecht beschäftigt, als das für den reinen Selbstbau notwendig gewesen wäre.

Viele zweifelten anfangs an seinem Vorhaben. Aber das führte nur dazu, dass sich der Jugendliche damals dazu entschied, den Hausbau soweit es geht ohne jegliche externe Hilfe umzusetzen. Schon als Kind habe er gerne Grundrisse gezeichnet und mit seinem Vater, der Architektur studiert hat, viele DIY-Projekte umgesetzt. "Ich würde sagen, ich habe zu 95 Prozent alles selbst machen können. Meine Elektrik - und Sanitär-Installationen wurden hinterher vom Profi abgesegnet", erzählt Deutschlands Tiny-House-Pionier rückblickend.

Diese Vorgehensweise würde er anderen heute aber nicht empfehlen. "Man kann alles selbst machen, muss man aber nicht. Selbstverständlich ist der Lernprozess dadurch deutlich intensiver, das wirkt sich aber auch auf den Stress- und Zeitfaktor beim Bau eines Tiny Houses aus", sagt er.

Da Leopold keinerlei Lohnkosten berechnen musste, kam er beim Bau seines Minihäuschens mit etwa 15.000 Euro aus. "Ich habe aber auch wirklich jeden Trick angewendet, um an günstiges oder gebrauchtes Material zu gelangen", sagt er. Das habe natürlich dazu geführt, dass der Bau ziemlich lange gedauert habe. Er geht davon aus, dass für Selbstbauer 20.000 bis 25.000 Euro die unterste Grenze sind, um zügig und einfach ein Tiny House zu bauen.

Knapp 17 Quadratmeter zum Leben und Arbeiten

Sein Tiny House "Wanderlust" wurde auf einem Anhänger errichtet. Es ist etwa 6,60 Meter lang, 2,55 Meter breit und knapp 4 Meter hoch. Rechnet man die kleine Terrasse vor der Haustür und die Deichsel dazu, kommt man auf eine Länge von 8,90 Meter. Auf der Achse befindet sich ein zusätzlicher Kasten für Anschlüsse und ein Stauraum.

Tritt man durch die Eingangstür von Leopolds Tiny House, steht man direkt im Wohn- und Esszimmer. Dort gibt es eine Schlafcouch, die auch als Gästebett dient sowie ein Stauraum-Loft. Im Durchgang hat Leopold den Heizkörper und die Leiter für die Schlafebene angeordnet, dahinter befinden sich die Küche und eine Frühstücksbar, die dem Jungunternehmer zugleich als Arbeitsplatz dient und wo er viel Zeit verbringt.

Das Bad liegt im hinteren Bereich des Tiny Houses. Es verfügt über eine 90 x 90 Zentimeter große Dusche, etwas Stauraum und eine Toilette. Die Schlafebene ist großzügig bemessen und bietet ausreichend Platz für ein Queensize-Bett, Stauraum für Bücher sowie ein klein wenig "Extra-Freiraum".

In diesem Video bekommt ihr einen Eindruck von Leopolds Tiny House:

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Natürliche Baumaterialien und Recycling-Stoffe

Das Haus besteht sowohl aus qualitativ hochwertigen neuen Baumaterialien als auch aus Recycling-Material. "Ich habe großen Wert darauf gelegt, dass ich nicht an der Bausubstanz, tragenden Struktur und allem, was für die Langlebigkeit des Hauses verantwortlich ist, spare", sagt Leopold.

Außen ist das Tiny House mit einer Fichten-Keilstülp-Fassade verkleidet, die Leopold mit ökologischer Ölfarbe behandelt hat. Der Tiny-House-Anhänger, das Stehfalzdach, das Holzständerwerk und der gesamte Rohbau bis zur Innenwand sind aus neuem Baumaterial gefertigt. Vier Festverglasungen hat Leopold selbst gebaut, zwei Fenster restauriert und vier weitere sowie die Tür anfertigen lassen.

Im Innenausbau hat er mehr mit Recycling-Material gearbeitet. Wichtig war ihm, ökologische Baumaterialien wie Holzfaserdämmung zu verwenden. Um die 3,5 Tonnen-Gewichtsbeschränkung, die für Tiny Houses auf Rädern gilt, einzuhalten und den Innenraum trotzdem optimal zu nutzen, hat er allerdings auf eine feuchtevariable Dampfbremsbahn und Fassadenunterspannbahn zurückgegriffen.

Der Bodenbelag besteht aus Korkparkett und beheizt wird das Tiny House mit einer Elektrofußbodenheizung. Leopolds neueste Errungenschaft ist eine große Terrasse neben dem Tiny House.

Und für alle, die es noch genauer wissen möchten: Die detaillierte Tiny-House-Entstehung könnt ihr auf Leopolds Blog nachlesen.

5 Fragen an Tiny-House-Bewohner Leopold Tomaschek

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Ich hatte zwar schon mit 14 eine eigene 45-Quadratmeter-Wohnung auf dem Pferdehof meiner Eltern. Es war aber auch klar, dass ich mein Tiny House nicht nur baue, sondern das Leben darin zumindest ausprobieren wollte. Ich bin dann samt Tiny House näher an meine Schule gezogen und hatte dadurch einen sehr kurzen Schulweg. Im Gegensatz zu den 45 Minuten Busfahrt in unserer ländlichen Region war das eine Erleichterung.

Derzeit ist es toll, eine Basis in Deutschland zu haben, zu der ich zurückkehren kann – und zwar wann und wie ich will. Das gibt mir die Freiheit zu reisen, hier und da überlegte Risiken einzugehen, ohne dass ich mir Sorgen über meinen Verbleib machen oder gar zu meinen Eltern zurückziehen müsste.

Das Tiny House erfüllt mir also den Wunsch nach mehr Freiheit und Selbstbestimmtheit. Grenzen setzen zu können und nicht durch eine Wohnung oder finanziell in eine Abhängigkeit zu geraten, das fühlt sich gut an.

2. Welche Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Ich habe mich damals aus Ermangelung jeglicher Information mit dem TÜV, der Dekra und einem Architekten, der auf dem Bauamt arbeitet, zusammengesetzt und mein Projekt besprochen. Der Ort ist mit 5.000 Einwohnern beschaulich, man kennt Bürgermeister und Stellvertreter. In der Region ist man daran interessiert, neue Projekte zu fördern und den ländlichen Raum gerade für jüngere Generationen wieder interessanter zu machen.

Das Tiny House ist zusammen mit einem zukünftig geplanten Bauprojekt auf besagtem Grundstück durch das vereinfachte Genehmigungsverfahren eingereicht worden.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Für mich war die Minimalisierung meines Besitzes, der Umzug und Prozess des Einlebens nicht so schwierig, schließlich befand ich mich nicht in einer vergleichbaren Situation wie beispielsweise ein 40-jähriges Paar mit entsprechendem Besitztum und Verpflichtungen.

Die größte Herausforderung war wohl der Bauprozess an sich. Nach dem Paretoprinzip fehlen hier und da auch immer noch ein paar kleine Details, die am Haus gemacht werden könnten. Das ist aber okay, es war sozusagen ein Experiment. Ich sehe es als mein Lehrstück und nicht als Ausstellungsstück. Wie bei allen seriösen Herstellern auch, ist das erste Haus ein Prototyp.

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Die Nähe zwischen drinnen und draußen gefällt mir als naturverbundene Person gut. Das Tiny House ist nicht mein Heiligtum, sondern eher mein zweckmäßiger, aber schön und komplett individuell gestalteter Wohnraum, der es mir ermöglicht mehr zu erleben.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir nochmal ein Tiny House bauen würdest und was hättest du gerne vorher gewusst?

Ich würde wahrscheinlich ein Modulhaus beziehungsweise ein Tiny House ohne Räder bauen oder, wenn es mir um den Aspekt des häufigen Umziehens ginge, das Tiny House deutlich kleiner und straßentauglicher gestalten. Ein Tiny House im Straßenverkehr ist alles andere als "tiny" und nicht wirklich zum dauerhaften Reisen gedacht.

Kleine Modulhäuser oder Tiny Houses auf Wechselbrücken sind meiner Ansicht nach nahezu gleich mobil wie ein Tiny House on Wheels. Wer nicht gerade vorhat, jedes Jahr ein-, zweimal mit seinem Haus umzuziehen, kann eigentlich auf die Räder verzichten.

Speditionen haben entsprechende Fahrzeuge, die Erfahrung, sind versichert und kümmern sich um Fahrroute und alles andere. Das ist kaum teurer als ein Zugfahrzeug zu mieten, die Transportversicherungen abzuschließen und die eigene Zeit zu investieren.

Leopolds Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Ihr solltet unbedingt in einem Tiny House probewohnen, um zu erfahren, ob dieses Wohnkonzept mit euren Vorstellungen vereinbar ist. Danach würde ich in einem Workshop oder durch Beratungen meinen Wissensstand erweitern, so dass die Kommunikation mit Herstellern auf Augenhöhe möglich ist, die Projektplanung als Bauherr oder Selbstbauer klarer wird und man mit dem eigenen Wissen in der Lage ist, zwischen Marketing-Argumenten und echter Qualität zu unterscheiden.

Zu guter Letzt lasst euch nicht von Zweiflern oder negativen Stimmen verrückt machen. Was habt ihr denn zu verlieren? Es wird immer mindestens eine lehrreiche Erfahrung sein. In Deutschland gibt es zu viel "Verkopftheit" und zu wenig Mut zum Machen. Wenn es doch mal alles zu viel wird, hilft es, sich in einer Auszeit daran zu erinnern, wieso man überhaupt angefangen hat.

Unser abschließender Tipp: Ihr wollt noch von anderen Tiny-House-Bewohnern lesen? Auf unserer Übersichtsseite findet ihr alle Teile unserer Serie "Tiny Wohnglück":

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