Touch 1 in Restaurant
© Tweaq

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Schweizer Tüftler erfinden selbstdesin­fizierenden Türgriff

Katharina Schneider

Katharina Schneider

Ein Schweizer Technologieunternehmen hat einen selbstdesinfizierenden Türgriff entwickelt. In Corona-Zeiten könnte das Leben schützen, so das Unternehmen.

Auch wenn es fraglich ist, wie viele Infektionen mit dem Coronavirus tatsächlich über kontaminierte Oberflächen passieren: Es ist möglich. Besonders häufig und von vielen Menschen benutzte glatte Oberflächen wie Türklinken sind gefährlich. Die Entwicklung eines Schweizer Technologieunternehmens kann Infektionen nun verhindern: ein smarter, selbstdesinfizierender Türgriff.

Der "Touch 1" desinfiziert sich nach jeder Benutzung selbst, indem ein Desinfektionsmittel aus dem Griffgehäuse auf einen ringförmigen Schwamm gepumpt und über den Türgriff gezogen wird. Laut Hersteller Tweaq werden so 99,99 Prozent der Bakterien und Viren in weniger als drei Sekunden vernichtet.

Der Türgriff wird über eine Platine kontrolliert, die mittels Sensoren feststellen kann, wann er benutzt wird. Über ein Internet of Things-Modul, mit dem der Griff verbunden ist, wird gezählt, wie oft der Griff am Tag berührt – und damit desinfiziert – wird. Über eine App bekommt man so eine Nachricht, wenn man das Desinfektionsmittel auffüllen muss.

Selbstdesinfizierender Türgriff könnte Leben schützen

Den Griff habe man entwickelt, nachdem man erfahren habe, dass sich 95 Prozent der Menschen nicht richtig die Hände waschen, heißt es von Tweaq. "Das hat unsere Suche nach smarten, innovativen Hygiene-Lösungen motiviert, die die Gesundheit und Sicherheit an öffentlichen Orten sowie im Zuhause verbessern", schreibt der Schweizer Hersteller. Mit dem selbstdesinfizierenden Türgriff könnten so Leben geschützt werden – besonders in Zeiten der Pandemie.

Touch 1 von Tweaq
Der Türgriff desinfiziert sich mit einem ringförmigen Schwamm, der nach jeder Benutzung über die Klinke gezogen wird, selber. © Tweaq

Tatsächlich können sich Coronaviren bis zu 28 Tagen auf glatten Oberflächen halten, wie australische Forscher herausgefunden haben. Zwar ist es fraglich, welchen Anteil Schmierinfektionen an der tatsächlichen Übertragung des Coronavirus' haben. Aber zumindest theoretisch können sich Menschen über kontaminierte Oberflächen infizieren.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist eine Desinfektion aber bei Oberflächen, die einen häufigen Kontakt mit den Händen einer möglicherweise erkrankten Person haben, angebracht. Als Beispiel nennt das RKI Türklinken.

Drei-Stufen-System für Hygiene bei Türgriffen

Tweaq ist nicht das erste Unternehmen, das eine Lösung für das Türgriff-Problem entwickelt hat. Auch der deutsche Beschläge-Hersteller Eco Schulte hat ein System für Türgriffe entwickelt, das Schmierinfektionen weitgehend verhindern soll.

Das System hat drei Stufen:

  • Stufe 1: eine antibakterielle und antivirale Schutzschicht auf dem Türgriff
  • Stufe 2: Türdrücker und Griffaufsätze, welche das Öffnen und Schließen von Türen ohne Hautkontakt ermöglichen
  • Stufe 3: ein individuelles Automatisierungskonzept für stark frequentierte Türen.

Welche Stufe benötigt wird, hängt davon ab, wie oft eine Tür benutzt wird und wo sie sich befindet. Im Gesundheitswesen seien zum Beispiel umfassende Automatisierungskonzepte im Fokus, heißt es von Eco Schulte. Mit der Beschichtung, der ersten Stufe, könnten 99 Prozent der Viren und Bakterien innerhalb von zwei Stunden abgetötet werden. Die Beschichtung habe eine Lebensdauer von bis zu drei Jahren, schreibt der Hersteller.

Selbstdesinfizierender Türgriff: Patrone kann bis zu 1.000 Mal desinfizieren

Die Desinfektionsflüssigkeit und die Lithium-Batterie des "Touch 1" hält laut Tweaq für bis zu 1.000 Desinfektionen. Ganz günstig ist das allerdings nicht: Das System kostet mit zwei Griffen für eine Tür rund 440 Euro. Eine Patronenfüllung kostet rund 60 Euro.

Neu ist das Konzept von selbstreinigenden Gegenständen im Alltag nicht. Schon seit Jahren gibt es selbstreinigende WC-Brillen. Diese Toiletten desinfizieren die WC-Brille nach jeder Benutzung. Bekannt und verbreitet sind sie besonders in Asien. Mittlerweile finden sich aber auch in Westeuropa besonders in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden Toiletten mit selbstreinigenden Brillen.

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