Frau mit Mund-Nasen-Schutz blickt durch ein geöffnetes Dachfenster nach draußen.
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Wohnen | Ratgeber

Lüften in Corona-Zeiten: So geht's richtig

Michael Penquitt

Michael Penquitt

In der Schule und im Büro steht Lüften aktuell hoch im Kurs. Aber wie ist es zu Hause? Kann ich mich hier durchs Öffnen der Fenster auch vor dem Coronavirus schützen? Ja, aber: Lüften ist nicht gleich Lüften. Wir erklären, wie's richtig geht.

Auch wenn die ersten wirksamen Impfstoffe bereits in Sichtweite sind: Die Corona-Pandemie ist noch nicht überstanden. Dieser Winter stellt uns daher vor eine außergewöhnliche Herausforderung. Insbesondere während der Feiertage werden sich mit Sicherheit nicht wenige Menschen gemeinsam in geschlossenen Räumen aufhalten. Damit steigt auch das Infektionsrisiko.

Dafür verantwortlich sind vor allem Aerosole. Das sind feinste Partikel, die wir beim Sprechen, Atmen, Singen, Essen, Husten und Niesen ausstoßen und an denen Viren haften können. Diese Aerosole sind so leicht, dass sie in der Luft schweben und durch andere Menschen eingeatmet werden können. In geschlossenen Räumen, die schlecht mit frischer Luft von außen versorgt werden, bleiben die Aerosole lange in der Luft. Deswegen ist es wichtig, Räume häufig und effektiv zu lüften – auch im Winter!

Wie ihr auch ganz unabhängig von Corona richtig lüftet, um zum Beispiel Schimmel zu vermeiden, erfahrt ihr im folgenden Beitrag:

Raum lüften: Auf die richtige Technik kommt es an

Deutschland hat das Lüften raus – das könnte man meinen, wenn man die erstaunten Kommentare aus dem Ausland liest. In Wahrheit ist auch hier nicht jeder ein Experte in Sachen "Fenster öffnen". Wenn ihr falsch lüftet, führt die Maßnahme nicht wirklich zum Erfolg. Stattdessen friert ihr und handelt euch, wenn schon nicht Covid-19, dann eine klassische Erkältung ein.

1. Richtig: Querlüften

Den wirksamsten und schnellsten Luftaustausch erreicht ihr, indem ihr quer lüftet. Dafür öffnet ihr zwei gegenüberliegende Fenster und lasst so einen Durchzug entstehen. Nach wenigen Minuten ist die Luft im Raum vollständig ausgetauscht.

2. Richtig: Stoßlüften

Wenn ein solches Querlüften wegen der Position der Fenster nicht möglich ist, weicht ihr aufs Stoßlüften aus. Ihr öffnet also alle Fenster im Raum sperrangelweit für 10 bis 15 Minuten. Hier entsteht zwar kein Durchzug. Je größer der Temperaturunterschied zwischen innen und außen, desto schneller strömt aber die warme Luft nach draußen und wird von der frischen Luft ersetzt.

Eine weit geöffnete Balkontür
So geht Lüften: Fenster oder Balkontüren weit aufmachen und für einige Minuten frische Luft reinlassen. © Getty Images/iStockphoto

3. Falsch: Fenster kippen

Eine Besonderheit in anderen Teilen der Welt, in Mitteleuropa völlig normal: Fenster, die kippbar sind. Aber nur weil es geht, heißt das nicht, dass das das reguläre Lüften ersetzt. Genau genommen ist es in den meisten Situationen eher kontraproduktiv, weil kein effektiver Luftaustausch stattfindet, die Kälte aber trotzdem hereinkriecht.

Wie häufig sollte gelüftet werden?

Im privaten Rahmen ist diese Frage aktuell nicht so entscheidend wie im Klassenzimmer oder im Büro. Je mehr Menschen aus unterschiedlichen Haushalten sich auf kleinem Raum aufhalten, desto häufiger sollte gelüftet werden. In der Schule sollten die Räume mindestens in jeder Unterrichtspause, am besten aber alle 20 Minuten für mindestens fünf Minuten gelüftet werden, so die Empfehlung des Umweltbundesamtes und der Kultusminister. In Büros soll laut Arbeitsschutzrichtlinien ohnehin mindestens alle 60 Minuten, in Konferenzräumen sogar alle 20 Minuten gelüftet werden. Derzeit sollte die Lüft-Frequenz sogar höher sein.

Wenn ihr zu Hause seid und keine Gäste zu Besuch kommen, reicht es, wenn ihr drei bis vier Mal am Tag für etwa 15 Minuten durchlüftet. Mit haushaltsfremden Menschen im selben Raum hilft es, sich an den Richtwerten für Klassenräume und Büros zu orientieren. Einmal die Stunde für zehn Minuten die Fenster zu öffnen, sollte umsetzbar sein.

Aber: Auch das beste Lüften macht euch nicht immun gegen Viren. Wo immer es geht, solltet ihr zu anderen Menschen Abstand halten und gegebenenfalls einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Ist Lüften nicht Energieverschwendung?

Natürlich muss die hereingeströmte kalte Luftmasse im Winter erstmal wieder aufgewärmt werden. Es soll ja niemand frieren. Wenn ihr aber lüftet, und das solltet ihr dringend tun, sind auch in dieser Hinsicht das Quer- und Stoßlüften die effizientesten Methoden.

Das dauerhafte Kippen der Fenster erzielt vor allem, dass die Wände um das Fenster herum auskühlen. Und das ist auch im Bezug auf eine mögliche Schimmel-Ausbreitung nicht optimal. Das passiert bei einem kurzen, aber intensiven Lüften nicht, die Wände speichern die Wärme weiterhin.

Während die Fenster geöffnet sind, sollte die Heizung allerdings immer aus sein. Die erzeugte Wärme steigt ansonsten direkt aus dem Fenster nach draußen.

Erinnerungshilfen fürs Lüften

Es dauert meistens ein wenig, bis so ein regelmäßiges Lüften in Fleisch und Blut übergeht. Deswegen gibt es allerhand Erinnerungsstützen und sonstige Hilfen, die helfen sollen.

Die Berufsgenossenschaft "Nahrungsmittel und Gastgewerbe" stellt auf ihrer Website beispielsweise einen Lüftungsrechner in Form einer digitalen Drehscheibe zur Verfügung. Anhand der Informationen, wie viele Menschen sich im Raum befinden und wie groß der Raum ist, findet ihr heraus, wie häufig ihr lüften solltet. Eigentlich fürs Restaurant- und Hotelleriegewerbe gedacht, ist das Tool auch für den privaten Gebrauch eine gute Orientierungshilfe.

Sogenannte CO2-Ampeln sind digitale Geräte, die die Kohlendioxidkonzentration in der Raumluft messen. Viel Kohlendioxid in der Luft bedeutet, dass es Zeit für mehr Frischluft ist. Bei den meisten Modellen verfärbt sich das Display des Geräts und signalisiert so, ob es wieder Zeit fürs Lüften ist, daher der Name. CO2-Ampeln gibt es bereits für unter 50 Euro bei Amazon:

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