Mehrere Dachdecker und Bauarbeiter renovieren ein Wohnhaus.

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Klima first? Die meisten Deutschen modernisieren aus anderen Gründen

Michael Penquitt

Über 100 Milliarden Euro wurden 2019 in Deutschland für Modernisierungen von Wohnungen und Wohnhäusern ausgegeben. Nur ein geringer Anteil entfiel auf energetische Maßnahmen.

2019 war das Jahr von Fridays for Future, Klimastreiks und Greta Thunberg. Das gesamte Jahr wurde von Diskussionen über Nachhaltigkeit und Klimaschutz begleitet. Die Bundesregierung hat sogar ein vergleichsweise umfangreiches Klimapaket verabschiedet. Deutsche Immobilienbesitzer hinken dem Diskurs in der Praxis aber offenbar etwas hinterher: Von den 116,3 Milliarden Euro, die im Jahr 2019 für die Sanierung und Modernisierung von privatem Wohnbestand ausgegeben wurden, entfielen nur 17,9 Prozent auf energetisch motivierte Maßnahmen im engeren Sinn. Das geht aus einer Studie des Bauwirtschaftsdaten-Dienstleisters BauInfoConsult hervor.

Stattdessen wurde deutlich mehr in wert- und komfortsteigende Maßnahmen investiert. Im Trend seien Smart-Home-Anwendungen, zum Beispiel im Bereich der Beleuchtungs-, Heizungs- und Sonnenschutzsteuerung. Diese seien vom Investitionsvolumen der Standardmaßnahmen in der Modernisierung aber noch weit entfernt.

Undurchsichtiger Förderdschungel als Ursache?

Dass die energetische Sanierung nicht so hoch im Kurs steht, liege vor allem an den politischen Rahmenbedingungen. Die Befragten seien in großen Teilen der Ansicht, "dass die Förderlandschaft zu unübersichtlich ist und vermissen auch mehr konkrete Unterstützung durch das Klimapaket." Das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung ist erst am 18. Dezember 2019 in Kraft getreten und wird keinen nennenswerten Effekt auf die Modernisierungsmaßnahmen im vergangenen Jahr gehabt haben.

Insgesamt seien die deutschen Verbraucher aber gut informiert und würden Modernisierungen aus eigenem Antrieb angehen. Zudem seien zahlreiche Haushalte der Meinung, dass die Verwendung von fossilen Brennstoffen als Heizungsmaterial in den kommenden zehn Jahren weitgehend ein Ende nehmen wird.

Alles in allem seien das gute Nachrichten für die Klimawende. Umweltorganisationen und Branchenverbänden dürften jetzt nicht aufhören, Modernisierer mit Informationen zur energetischen Sanierung zu versorgen. Und auch die Politik müsse weitere Investitionsanreize schaffen.

Die Informationen stammen aus der Studie "Der deutsche Modernisierungsmarkt 2020", für die BauInfoConsult deutschlandweit 513 repräsentativ ausgewählte Haushalte befragt hat.

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