Bau von Wohnhäusern
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Das Ende des Immobilienbooms: "Der Abschwung hat begonnen"

Eva Dorothée Schmid

Level: Für Alle

Nach neun Jahren Immobilienboom steht nun offenbar eine Trendwende bevor. Der Immobilienindex des Instituts der deutschen Wirtschaft deutet darauf hin, dass die Hochphase in der Immobilienbranche vorbei ist. Erste Auswirkungen sind bereits zu spüren.

Hoher Wohnungsbedarf, extrem niedrige Zinsen, volle Auftragsbüchern bei den Baufirmen – angesichts dieser Vorzeichen erscheint die Meldung "Der Immobilienboom ist vorbei" wie ein schlechter Witz. Doch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist sich sicher: Deutschland steht am "Anfang vom Ende des Immobilienbooms".

Wie das IW zu dieser Einschätzung kommt: Das Institut erhebt vierteljährlich den Immobilienindex. Dafür befragt es Vorstände und Manager von Projektentwicklungsfirmen sowie institutionelle Investoren, wie diese die Geschäftslage und -entwicklung auf dem deutschen Immobilienmarkt einschätzen.

Von den gut 100 antwortenden leitenden Angestellten der Immobilienbranche erwarten die meisten für die nächsten zwölf Monate eine schlechtere Entwicklung – der Index hat damit im Herbst 2019 den schlechtesten Wert seit fünf Jahren erreicht.

Trendwende im Immobilienmarkt

Von einer Trendwende spricht das IW, weil das Immobilienklima zum dritten Mal nacheinander gesunken ist. "Nach der Dreimal-Regel der Konjunkturforschung signalisiert dies einen Wendepunkt und eine Richtungsänderung in der wirtschaftlichen Entwicklung", schreibt das IW: "Der Abschwung hat demnach begonnen."

Das heißt: Die Zeit steigender Immobilienpreise ist wohl vorbei. Laut IW deuten alle Daten aber auf eine langsame Abkühlung hin.

Größter Einbruch bei Handels- und Büroimmobilien

Die vier Sektoren des IW Immobilien-Index sind unterschiedlich stark von der Eintrübung der Gesamtlage betroffen.

  • Das Immobilienklima sank am stärksten im konjunktursensiblen Handel (-17,5).
  • Auch im Sektor Büro (-17,1) ging es stark zurück, wobei kaum zu befürchten ist, dass es vermehrt zu Büro-Leerständen kommen könnte. "Im Büromarkt wird kaum spekulativ gebaut", erklärt das IW.
  • Das Wohnungsmarkt-Segment verschlechtert sich ebenfalls (-10,4), was auch an den angekündigten politischen Regulierungen liegen dürfte.
  • Bei den Projektentwicklungen erholt sich der Wert nach zwei Quartalen des Rückgangs ein wenig (+4,4).

Mit Ausnahme der Projektentwickler sind die Erwartungen nun alle negativ. Ihre Immobilienbestände will die Mehrzahl der Unternehmen weiterhin ausweiten. Insbesondere in den Bereichen Büro und Handel setzen nun aber mehr Unternehmen auf Verkauf.

Wohnungsmieten sinken (vorerst) nicht

Können Wohnungsmieter und -käufer in den deutschen Metropolen also bald auf sinkende Mieten und Preise hoffen? Leider nein. Die meisten Branchenbeobachter prognostizieren, dass die hohe Nachfrage und das nach wie vor zu geringe Angebot an Wohnraum in den Ballungsräumen vorerst anhalten.

Allerdings werde es sowohl für Vermieter bestehender als auch für Entwickler neuer Gebäude nicht mehr so leicht sein wie zuletzt, immer höhere Kaufpreise und Mieten durchzusetzen. "Für die im Wohnbereich tätigen Unternehmen heißt die aktuelle Devise also: Besser als jetzt wird es vorerst nicht mehr," sagte Ralph Henger, Fachmann für Immobilienkonjunktur beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), dem Handelsblatt.

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