Haus steht im Hochwasser
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Hochwasserschutz fürs Haus: So schützt ihr eure Immobilie

Simone Nissen

Simone Nissen

Das Risiko von Überschwemmungen steigt. In unserem Ratgeber bekommt ihr zahlreiche Tipps zum Hochwasserschutz für euer Haus.

Das steigende Risiko von Überschwemmungen stellt Immobilienbesitzer vor zwei Fragen: Wie sollte ich mein Haus vor Hochwasser schützen? Und wie kann ich selbst einen Beitrag leisten, um die Ursachen von Hochwassern zu verringern? Alles zum Thema Hochwasserschutz fürs Haus erklären wir euch in diesem Ratgeber.

Ursachen – wie genau entsteht Hochwasser?

Flussbegradigungen und der Einsatz von viel Beton und Teer für Wohnbebauung, Parkplätze und Straßen haben dazu geführt, dass immer mehr Wasser immer schneller durch die Flüsse fließt. Statt zu versickern, strömen bei einem Unwetter die Wassermassen eines Starkregens über die Kanalisation den Gewässern zu. Die Flüsse haben aufgrund von Begradigungen keine Möglichkeit mehr sich auszubreiten und treten über die Ufer.

Diesen Effekt verstärken zunehmende Waldschäden durch Sturm oder Umweltschäden. Weniger Bäume bedeuten, dass weniger Blätter oder Nadeln Feuchtigkeit speichern. Zudem halten weniger Wurzeln den Boden fest, so dass Wassermassen viel schneller in die Flüsse fließen. Zu guter Letzt tut die Erderwärmung ihr Übriges. Durch den Klimawandel liegt die Schneefallgrenze immer höher, so dass weniger Wasser auf den Bergen in Form von Eis und Schnee festgehalten wird.

Für Hausbesitzer führt dieses Phänomen zu zwei Gefahren: Die Immobilie kann je nach Lage direkt vom Hochwasser betroffen sein. Das Hochwasser kann aber auch die Fließrichtung des Grundwassers verändern. Wenn es unterirdisch Richtung Land drückt, entsteht Grundhochwasser, das eventuell ins Gebäude eindringt – und das noch Tage und Wochen nach einem Unwetter.

Was können Immobilienbesitzer gegen Hochwasser tun?

Auch wenn es sich bei den zunehmenden Überflutungen um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt, kann jeder Hausbesitzer etwas dagegen tun. Beispielsweise durch den Verzicht auf betonierte Flächen. Dachrinnen müssen auch nicht zwingend an die Kanalisation angeschlossen werden. Das Wasser kann – wo möglich – einfach im Boden versickern. Ihr könnt aber auch eine Regentonne oder einen Gartenteich damit speisen.

Regentonnen findet ihr hässlich? Dann schaut euch mal unsere 7 genialen Regentanks fürs Regenwassersammeln an.

Zusätzlich lassen Dachbegrünungen und Wasserrigolen bei starkem Regen das Wasser versickern. Genau wie bei der Regentonne könnt ihr mit einem Rigolentank, also einem Speicher für Regenwasser, den Regen für eigene Zwecke nutzen. Zudem spielt die Möglichkeit, dass Wasser auf eurem Grundstück versickert, eine Rolle bei der Berechnung eurer Niederschlagswassergebühr.

Wie könnt ihr euer Haus gegen Hochwasser schützen?

Wer einen Neubau plant, sollte sein Haus grundsätzlich "wassersensibel" bauen. Aber auch Bestandsimmobilien lassen sich gegen Hochwasser schützen. Im Fokus steht dabei der Keller, der logischerweise die größte Schwachstelle eines Gebäudes bei Hochwasser ist.

Neubau – so sichert ihr den Keller durch eine Weiße, Schwarze oder Braune Wanne

Eine so genannte Weiße Wanne dichtet den Keller gegen Grundhochwasser und Feuchtigkeit ab. Dafür wird der Keller beim Hausbau durchgängig aus wasserundurchlässigem Stahlbeton gegossen. Alternativ könnt ihr die Kellerwände auch mit Kunststoff- oder Bitumenbahnen abdichten. In diesem Fall ist von einer Schwarzen Wanne die Rede.

Ein vergleichsweise junges Verfahren ist die so genannte Braune Wanne. Auch bei diesem Schutz des Kellers vor Wasser handelt es sich um eine Stahlbetonkonstruktion. Das Besondere ist eine ergänzende Abdichtung von außen. Sie besteht aus Trägermatten, in die Bentonit-Granulat eingewebt ist. Beim Kontakt mit Feuchtigkeit quillt das Bentonit auf und wirkt als zusätzliche Barriere. Das macht die Braune Wanne schon bei einer Stärke von wenigen Millimetern wasserdicht. Zudem soll das Granulat eventuelle Risse im Beton abdichten.

Vorteile und Nachteile von Schwarzer, Weißer und Brauner Wanne

Weiße Wanne:

  • vor allem für Neubauten geeignet
  • teurer
  • hat einen hohen Wassereindringungswiderstand
  • Lebensdauer ca. 60 Jahre
  • gilt als witterungsunabhängig

Schwarze Wanne:

  • lässt sich einfacher nachrüsten
  • in der Regel günstiger
  • ermöglicht starke Abdichtung
  • Lebensdauer etwa 30 Jahre
  • Anbringen von außen ist witterungsabhängig, was den Bau verzögern kann

Braune Wanne:

  • vor allem für Neubauten geeignet
  • am teuersten
  • ermöglicht eine sehr starke Abdichtung
  • verfügt über einen Selbstheilungseffekt
  • gilt als witterungsunabhängig

Bestandsbauten – so dichtet ihr euren Keller nachträglich von innen ab

Theoretisch lassen sich eine Braune Wanne und eine Weiße Wanne auch nachrüsten. Das ist aber kompliziert und teuer. Wenn ihr nicht die Möglichkeit habt, den Keller von außen noch einmal auszugraben, müsst ihr von innen ran.

Es ist möglich, den Keller eures Hauses nachträglich mit einer schwarzen Wanne zu schützen. Allerdings ist das etwas schwieriger. Von innen angebracht würden die Kunststoff- oder Bitumenbahnen dem Wasserdruck von außen nicht standhalten. Daher muss auf diese Schicht auch noch mal ein Betontrog folgen. Das führt zu Platzverlust. Alternativ gibt es die Möglichkeit, abdichtende Stoffe direkt in die Kellerwände zu injizieren. Ihr müsst allerdings testen lassen, ob die Bausubstanz für eine Injektion geeignet ist.

Hilfe bekommt ihr bei der Expertenberatung von Wohnglück.

Bohrarbeiten Paraffin Isotec.de
Einen Altbau-Keller kann man beispielsweise mit Paraffin-Injektionen nachträglich abdichten. © isotec.de

Was kosten die Weiße, Schwarze und Braune Wanne?

Für eine Weiße Wanne müsst ihr grob mit Kosten von rund 450 Euro pro Quadratmeter rechnen. Eine Schwarze Wanne kann je nach Keller etwa zehn oder mehr Prozent weniger kosten. Die Braune Wanne ist die teuerste Variante. Bei ihr liegen die Kosten bei rund 500 Euro pro Quadratmeter.

Hochwasserschutz fürs Fenster

Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Selbst wenn eine Wanne den Keller vor Hochwasser schützt, kann eine Überschwemmung durch Fenster und Türen eindringen. Kellerfenster sind in der Regel nach innen öffnend eingebaut, so dass sie dem Druck der Wassermassen von außen kaum Stand halten können. Selbst wenn die Fenster nicht gleich aus ihrer Halterung gerissen werden, geben zumindest die Dichtungen nach, so dass Wasser in den Keller fließt.

Die Hersteller von Hochwasserschutzfenstern haben sich daher einen simplen Trick überlegt: Die Fenstergriffe liegen zwar innen und lassen sich von dort bedienen. Aber die Flügel der Fenster gehen nicht nach innen, sondern nach außen auf. Mit zunehmendem Wasserdruck werden sie immer stärker an den Rahmen gepresst. Selbst wenn der Wasserpegel des sich aufstauenden Wassers deutlich über einen Meter steigt, bleiben die Fenster so dicht.

Günstigere Alternativen zu Hochwasserschutzfenstern

Eine günstigere Möglichkeit sind so genannte Acrylschotts: Dabei dichtet ihr euren Keller ab, indem ihr eine durchsichtige Scheibe mit speziellem Silikon von außen auf den Fensterrahmen klebt. Entscheidet ihr euch für ein Modell mit Luke, könnt ihr das Acrylschott zum Lüften öffnen.

Das Ganze gibt es auch in automatisch: Solche Acrylschotts könnt ihr grundsätzlich offen stehen lassen. Beim Kontakt mit Wasser schließen sie dann automatisch.

Wer keine Hochwasserschutzfenster oder Acrylschotts kaufen möchte, kann den Lichtschacht vor einem Kellerfenster mit kleinen Mauern draußen vor den Fenstern etwas erhöhen und so zumindest ein wenig Wasser ableiten.

Dieser Hochwasserschutz eignet sich eher, wenn ihr euch lediglich gegen Starkregen schützen möchtet. Zudem verringert auch eine kleine Mauer vor dem Kellerfenster die Helligkeit im Kellerraum. Relevant ist für die Entscheidung also, wie ihr den Keller nutzt.

Mobiler Hochwasserschutz

Die gute Nachricht für alle, die keine Mauern bauen oder Sandsäcke lagern möchten: Es gibt Hochwasserschutzsysteme, die ihr irgendwo platzsparend unterbringen und bei Bedarf schnell hervorholt könnt. Voraussetzung ist, dass ihr im Moment der drohenden Überschwemmung auch zu Hause seid.

Solche platzsparenden Hochwassersperren bestehen häufig aus länglichen Stoffkissen, die mit einem Material gefüllt sind, das beim Kontakt mit Wasser aufquillt. Leer lassen sie sich klein zusammenfalten. Droht ein Hochwasser, legt ihr diese Stoffsäcke oder -schläuche vor eurem Haus aus – bei Bedarf auch vor einer Garageneinfahrt.

Kommt das Hochwasser oder ein Starkregen, saugen die aufquellenden Wasserbarrieren die Feuchtigkeit ein, geben sie aber nicht wieder ab. So entsteht dieser mobile Hochwasserschutz. Wenn er nach dem Unwetter getrocknet ist, könnt ihr ihn im Restmüll entsorgen.

Eine solche Variante eignet sich bis zu einer Stauhöhe von rund zehn Zentimetern. Sie können daher vor allem zum Einsatz kommen, wenn es euch lediglich darum geht, eine Überschwemmung vom Gebäude wegzulenken.

Ähnlich ist es bei einer weiteren Variante von mobilem Hochwasserschutz: Flüssigkeitsbarrieren. Das sind kleine Sperren aus Plastik, die sich je nach gewünschter Länge aneinandersetzen lassen. Der größte Vorteil gegenüber aufquellenden Wasserbarrieren ist, dass sie wiederverwendbar sind. Sie kosten aber auch deutlich mehr.

Ebenfalls wiederverwendbar und deutlich günstiger sind Wasserschutzschläuche, die sich ebenfalls klein zusammenfalten lassen. Droht ein Unwetter, müsst ihr sie mit Wasser befüllen. Daher benötigt ihr an der Stelle, an der ihr Wasserschutzschläuche auslegen möchtet, einen Wasseranschluss.

Hochwasserschutz für Türen selber bauen

Mobile Hochwasserschutzwände, -schläuche und -kissen sind die günstigste Variante um auch Türen vor Hochwasser zu schützen. Wenn ihr euch den Hochwasserschutz für eure Türen selber bauen wollt, kommen auch so genannte Alu-Dammbalken in Betracht.

Bei einem Dammbalkensystem befestigt ihr dauerhaft an beiden Seiten der Tür eine Halterung, in die ihr bei Bedarf die Balken hinein schiebt. Die Dammbalken sind mit einer Dichtung versehen, damit unter und zwischen den Balken kein Wasser hindurchkommt. Da Aluminium so leicht ist, lassen sich Alu-Dammbalken recht einfach herumtragen und im Falle einer drohenden Überschwemmung in die Schienen der Halterungen setzen. Ein solches Dammbalkensystem eignet sich auch gut für Garagentore und Hauseinfahrten.

Natürlich ist es möglich, einen Hauseingang ganz klassisch mit Sandsäcken zu verbarrikadieren. Das ist aber nicht unbedingt eine kostengünstige Variante. Denn wenn ihr Sandsäcke bestellt, werden sie in der Regel gefüllt geliefert, was hohe Transportkosten verursacht.

Der grobe Preis für ein Dammbalkensystem und die entsprechende Menge Sandsäcke liegen bei einer Stauhöhe von bis zu 60 Zentimetern im mittleren dreistelligen Bereich – abhängig von der Breite der Tür und der Höhe, die ihr abdichten wollt.

Eine billigere aber weniger sichere Heimwerker-Variante: Ihr könnt den Hochwasserschutz für Türen selber bauen, indem ihr L-Profile am Boden vor der Tür und an ihren Seiten anbringt. Droht eine Überschwemmung lässt sich daran eine Platte aus wasserbeständigen Material verschrauben. Wichtig ist, dass ihr rostfreie L-Profile verwendet und die Übergänge, beispielsweise zwischen L-Profil und Mauerwerk, mit Silikon abdichtet.

Sandsäcke vor einer Tür bei Hochwasser
Einen Hauseingang ganz klassisch mit Sandsäcken zu verbarrikadieren, ist nicht unbedingt eine kostengünstige Variante. © Getty Images/iStockphoto/MachineHeadz

Hochwasserschutz für die Kellertür

Bei größeren Überschwemmungen braucht insbesondere die Kellertür mehr Schutz. In einem Hochwassergebiet werdet ihr um eine Hochwasserschutztür vermutlich nicht herumkommen. Wichtig ist dabei, dass ihr euch nach wasserdichten und nicht nach wasserbeständigen Türen umseht. Wasserbeständige Türen würden dem Wasserdruck einer Überschwemmung nicht standhalten.

Bei wasserdichten Modellen sichern je nach Konstruktion beispielsweise Magnete die Türen in ihrer Halterung. Etwas schmerzhaft wird es fürs Konto: Eine Hochwasserschutztür kann mit Lieferung und Einbau mehrere Tausend Euro kosten.

Weitere Tipps zum Hochwasserschutz fürs Haus

  • Hochwassersicher zu bauen bedeutet auch, die Dämmung des Hauses hochwassersicher zu gestalten. Dämmstoffe verlieren durch den Kontakt mit Wasser häufig ihre dämmende Wirkung. Anders sieht es bei formstabile Dämmstoffe aus, denen das Wasser nicht dauerhaft schaden kann.
  • Wasser kommt allerdings nicht nur von der Hausfront ins Gebäude, sondern auch durch das Abwassersystem. Wenn die Kanalisation durch ein Hochwasser überlastet ist, kann Schmutzwasser durch Wasserabflüsse oder eine Toilette ins Haus drücken. Die Lösung ist ein Rückstauverschluss, der Wasser nur vom Haus zum Kanal fließen lässt – aber nicht anders herum. Ausführliche Informationen zur Rückstausicherung findet ihr im Artikel Rückstauklappe fürs Abwasser: Alles zur Rückstausicherung im Keller.
  • Wenn ihr für einen Neubau oder eine Kernsanierung die Elektroinstallation plant, solltet ihr den Elektrohauptanschluss im oberen Stockwerk verorten. Das hat den Vorteil, dass die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass das Hochwasser den Elektrohauptanschluss erreicht. Die Stromkreisläufe in Erdgeschoss und Keller sollten getrennt abschaltbar beziehungsweise gesichert sein.

Gefahr durch eine Ölheizung bei Hochwasser

Nicht nur Wasser schadet dem Haus im Falle eines Hochwassers. Auch auslaufendes Öl aus beschädigten Heizöltanks sind eine Gefahr. Es würde die Bausubstanz, eure Einrichtung und die Umwelt beschädigen. Daher ist es bereits seit 2018 Pflicht, dass in Überschwemmungsgebieten ein Heizöltank gegen Hochwasser abgesichert ist.

Was bedeutet das? Entweder muss der Tankraum zuverlässig gegen eindringendes Wasser gesichert sein. Stattdessen könnt ihr auch den Heizöltank durch eine Verankerung im Boden gegen Auftrieb sichern. Zudem müssen alle Anschlüsse und Öffnungen wasserdicht sein. Denkbar ist natürlich auch, dass ihr auf eine Ölheizung verzichtet und euch nach alternativen Heizsystemen umschaut.

Welches Hochwasserrisiko besteht für meine Immobilie?

Wenn ihr unsicher seid, wie hochwassergefährdet euer Haus ist, könnt ihr auf der Website des HochwasserKompetenzCentrum (HKC) e.V. einen Fragebogen ausfüllen und eine Einschätzung beantragen. Ob euer Grundstück durch Grundhochwasser gefährdet ist, erfahrt ihr bei eurer Gemeinde.

Eine ständig aktualisierte Auskunft über das Hochwasserrisiko in Deutschland und in eurem Bundesland bekommt ihr beim Länderübergreifenden Hochwasserportal. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde stellt Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten zur Verfügung, auf denen ihr per Suchfunktion eine genaue Auskunft zu eurer Adresse bekommt.

Welche Versicherung zahlt bei Hochwasser?

Eine Elementarschadenversicherung kann Schäden durch Starkregen, Hochwasser und Rückstau absichern. In der Regel schützt sie auch gegen Schäden durch aufsteigendes Grundwasser, wenn es durch Starkregen und Hochwasser verursacht ist.

Mehr zum Thema Versicherungen bei Wasserschäden erfahrt ihr im Artikel Wasserschaden: Diese Versicherungen braucht ihr im Ernstfall.

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