Drei Männer installieren eine Photovoltaikanlage auf einem Dach
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Baubranche warnt: Strengerer Energiestandard macht Wohnungsbau noch teurer

Albert Linner

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Je effizienter der Energieverbrauch eines Hauses ist, desto teurer wird der Bau. Das kann so weit führen, dass das Einsparpotenzial niedriger ist als die Baukosten. Davor warnt der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.

Die Baubranche in Deutschland boomt. Es gibt gar so viele Aufträge, dass die Dienstleister teilweise mit dem Bauen gar nicht mehr hinterherkommen. Und das bei Preisen, die stetig steigen.

Das könnte auch so weitergehen, wenn man dem Bericht "Auswirkungen energetischer Standards auf die Bauwerkskosten und die Energieeffizienz" des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) glaubt – zumindest wenn sich die Energiestandards erhöhen. Der ZDB hat unter anderem die Baukosten in Bezug auf neue Standards für die Energieeffizienz analysiert. Das Ergebnis: Je effizienter der Energieverbrauch des Hauses ist, desto teurer wird der Bau. Das kann so weit führen, dass das Einsparpotenzial niedriger ist als die Baukosten.

Höchster Energiestandard macht Quadratmeter 260 Euro teurer

Grundlage für die Analyse waren die abgerechneten Kosten für mehr als 35.000 Wohnungen mit insgesamt mehr als 2,8 Millionen Quadratmetern Fläche. Untersucht wurden Energiestandards vom aktuellen Mindeststandard der Energieeinsparverordnung (EnEV ab 2016) bis hin zum KfW-Effizienzhaus-40-Standard, dem energiesparendsten Niveau.

Die Zahlen zeigen: Die Kosten würden drastisch steigen, würde der Standard auf das Effizienzhaus-40-Niveau angehoben werden. Im Median kostet der Bau von einem Quadratmeter Wohnfläche im aktuellen Standard EnEV ab 2016 1.666 Euro. Beim Effizienzhaus 40 müssen schon 1.926 Euro berappt werden – 260 Euro mehr. Schon bei einer Wohnfläche von 100 Quadratmetern wird der Bau also um 26.000 Euro teuer.

Bauwerkskosten und Energieverbrauch von E-Standards

  • Energetische Standards im Neubau
  • Bauwerkskosten je m² Wohnfläche (Median)
  • Jährlicher Energieverbrauch je m² Gebäudenutzfläche (Median)
  • WSchV 1995
  • 1.459 Euro
  • 113 kWh/m²
  • EnEV 2014
  • 1.561 Euro
  • 67 kWh/m²
  • EnEV ab 2016
  • 1.666 Euro
  • 53 kWh/m²
  • Effizienzhaus 70
  • 1.720 Euro
  • 44 kWh/m²
  • Effizienzhaus 55
  • 1.813 Euro
  • 39 kWh/m²
  • Effizienzhaus 40
  • 1.926 Euro
  • 35 kWh/m²

Quelle: Auswirkungen energetischer Standards auf die Bauwerkskosten und die Energieeffizienz; Zentralverband Deutsches Baugewerbe

Auf der anderen Seite spart der effizienteste Standard im Mittel nur 18 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr. Ein Verhältnis zwischen Kosten und Verbräuchen, das nicht linear verläuft, resümiert der ZDB.

Lüftungen und erneuerbare Energien werden zum Schwerpunkt

Für einen bestimmten energetischen Standard spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  • die Qualität der Gebäudehülle
  • die Qualität der Anlagetechnik, also Heizung und Lüftung.
  • Wärmebrücken. Als Wärmebrücke wird ein Bereich an der Gebäudehülle bezeichnet, an dem vermehrt Wärme austritt. Das führt zu einem hohen Energieverlust, im schlimmsten Fall auch zu Schimmel. Für die Energieeffizienz gilt: Je geringer der Wärmebrückenfaktor, desto besser.

Für den ZDB steht fest: Mit Erhöhung der Energiestandards werden künftig besonders die Nutzung erneuerbarer Energien und der Einsatz hocheffizienter Lüftungsanlagen zum Schwerpunkt bei Bau und Planung. Außerdem würden die Ansprüche an die Gebäudehülle erheblich erhöht. Das führt dem ZDB zufolge im Bau zu hohen Dämmstoffdichten oder Hochleistungsdämmstoffen – die natürlich mehr kosten als herkömmliche Stoffe.

Höherer Energiestandard verteuert Wohnraum

Und das führt wiederum dazu, dass bei höheren Energiestandards auch der Wohnraum, der entsteht, teurer wird. Laut ZDB-Präsident Reinhard Quast ginge das soweit, dass ein Quadratmeter nicht mehr unter zehn Euro zu vermieten wäre.

Die Bundesregierung hat sich – neben der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum – auf die Fahne geschrieben, den Energiebedarf von Gebäuden zu verringern. Aktuell macht dieser Sektor in Deutschland laut Umweltbundesamt etwa 35 Prozent des Energieverbrauchs und 30 Prozent der CO2- Emissionen aus. Bis 2050 soll deshalb der komplette Gebäudeanteil klimaneutral werden.

Damit es trotz dieser Ziele noch bezahlbaren Wohnraum gibt, plädiert der ZDB für mehr Förderung über die KfW, sowie steuerliche Anreize. So könnten bezahlbare und energetisch effiziente Wohnungen entstehen.

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